»Unreal Engine 5 kann eine Falle sein«: RPG-Entwickler mit zwiespältigem Fazit zur UE5

Clair Obscur: Expedition 33 setzt auf die Unreal Engine 5. Die Umstellung brachte laut den Entwicklern Vorteile mit sich, kann aber auch eine Falle darstellen.

Die UE5 als zweischneidiges Schwert: Die Entwickler hinter Clair Obscur äußern sich zur Engine. Die UE5 als zweischneidiges Schwert: Die Entwickler hinter Clair Obscur äußern sich zur Engine.

In rund zwei Monaten erscheint mit Clair Obscur: Expedition 33 eines der spannendsten RPGs des Jahres.

Der am 24. April 2025 für PlayStation 5, Xbox Series X/S und PC erscheinende Titel des französischen Entwicklerstudios Sandfall Games nutzt die Unreal Engine 5, die seit ihrem Release immer mal wieder in Kritik gerät.

Vor der Veröffentlichung äußerte sich Tom Guillermin, CTO und Mitgründer des Studios, in einem Interview mit dem Portal CreativeBloq zu den Vor- und Nachteilen der genutzten Engine.

So markierte der Wechsel von Unreal Engine 4 zu UE5 im Jahr 2022 für Sandfall Games einen waschechten Wendepunkt. Die Umstellung war ein »Game-Changer mit entscheidenden Vorteilen«:

  • Guillermin zufolge ermöglichte die Integration von Lumen für dynamische Beleuchtung und Nanite für hochauflösende Geometrie Detailgrade, die mit manuellen Methoden unerreichbar wären.
  • Auch »Metahuman« wird gesondert hervorgehoben. Mit der UE5-Technologie ist die Generierung »fotorealistischer Charaktere mit geringem Aufwand möglich«.

Video starten 2:55 Mit Clair Obscur Expedition 33 erscheint eines der spannendsten Rollenspiele 2025 bereits im April

Beim Wechsel auf UE5 lief nicht alles glatt

Doch der Übergang auf die Unreal Engine 5 verlief nicht reibungslos. Viele UE4-Plugins waren inkompatibel, was kreative Workarounds erforderte.

Der ebenfalls befragte Sandfall-Art-Director Nicholas Maxson-Francombe schildert, wie bestehende Lichtsetups komplett überarbeitet werden mussten.

»Praktisch alles musste neu gemacht werden«; explizit nennt der Art Director in diesem Kontext, dass nach dem Wechsel auf UE5 »Höhlen zu dunkel wurden und Filter nicht mehr funktionierten«.

Die Anpassungen kosteten natürlich wertvolle Entwicklungszeit.

An dieser Stelle hebt Guillermin allerdings auch die Förderung durch UE5-Entwickler Epic hervor, die mit monatlich bereitgestellten Asset-Paketen (3D-Modelle und Texturen) Sandfall Games ermöglichten, »über der eigenen Gewichtsklasse zu agieren«.

Auch die Möglichkeit zu »nahezu unendlichen Polygone« durch Nanite oder KI-gestützte Beleuchtungsberechnung, war früher ausschließlich Großstudios mit speziellen Engine-Teams vorbehalten, so der Sandfall-CTO.

Unreal Engine 5: Der Balanceakt zwischen Qualität und Quantität

Doch trotz der Engine-Vorteile warnt Guillermin entsprechend vor falschen Erwartungen, die sowohl bei Clair Obscur als auch bei weiteren UE5-Titeln auf Entwickler warten können:

»[Die Engine] kann eine Falle sein, weil Spieler AAA-Qualität in allen Bereichen erwarten, selbst beim Umfang«.

  • In diesem Kontext erklärt der Sandfall-CTO auch, dass Clair Obscur etwa 30 Spielstunden beinhalten wird. Diese Dauer nennt Guillemet auch »einen Kompromiss zwischen Qualität und Quantität«.
  • Das Sandfall-Team warnt daher grundsätzlich vor der Versuchung, Engine-Features »um ihrer selbst willen« einzusetzen. Maxson-Francombe betont: »Jeder Effekt muss der Gesamtvision [des Spiels] dienen, nicht der Technikdemonstration«.

Insgesamt sieht Guillermin die Unreal Engine 5 dennoch als in Zukunft unverzichtbares Werkzeug. Selbst komplexe Implementierungen werden durch eine gute Dokumentation und Beispielprojekte ermöglicht.

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