Wenn es um stylishe Stadt-E-Bikes geht, kommt man an Cowboy nicht vorbei. Ähnlich wie Vanmoof setzt der Hersteller bei seinen Modellen auf ein minimalistisches, aber dennoch markantes Design gepaart mit smarten Features und einem extrem natürlichen Fahrgefühl, das viele Fans schätzen.
Die sportliche Sitzhaltung des Cowboy C4 war jedoch nicht jedermanns Sache. Cowboy spickte daher beim direkten Konkurrenten und übernahm 2023 die Geometrie sowie den geschwungenen Lenker der Vanmoof-Hollandräder und veröffentlichte ein Bike mit mehr Komfort: das Cowboy Cruiser.
Nachdem ich bereits 2020 das Cowboy C4 und ST probegefahren bin, habe mich jetzt auf das neuere Cruiser-Modell geschwungen und wäre am liebsten nicht mehr abgestiegen – auch wenn nicht alles perfekt ist und ein großer Wermutstropfen bleibt.
Transparenzhinweis: Cowboy hat mir das Cruiser inklusive Connect- und Performance-Paket für den Test kostenfrei zur Verfügung gestellt. Der Hersteller hatten keinen Einfluss auf den Artikelinhalt und bekam keine Einsicht vor Erscheinen des Tests. Es bestand keine Verpflichtung zu einem Testbericht.
Das ist das Cowboy Cruiser (ST)
Das Cowboy Cruiser gibt’s ähnlich wie das von Cowboy C4 in Cowboy Classic umbenannte Schwestermodell in zwei Rahmenversionen: einem mit hohem und einem mit tiefem Einstieg.
Letzteres hört auf den Namen Cowboy Cruiser ST und richtet sich an Personen ab 1,65 m Körpergröße. Ich selbst bin 1,68 m groß und konnte beide Modelle problemlos fahren, obschon ich den Sitz beim Cruiser fast ganz nach unten stellen musste.
Beide Modelle sind in diversen Farben erhältlich. Beim Cruiser stehen Schwarz
, Sand
und ab Juli in limitierter Auflage eine Mint
-Edition zur Auswahl. Das Cruiser ST gibt’s neben Schwarz
und Sand
stattdessen auch in Lavendel
und Ton
.
Allerdings zeigt sich bereits bei der Farbwahl Cowboys kontroverse Preispolitik, auf die ich noch öfter zu sprechen kommen werde.
Denn alle Farben außer Schwarz bekommt ihr nur im 299 Euro teuren Performance-Paket, das neben einem verbesserten Akku auch kabelloses Laden im Lenker unterstützt und darüber hinaus einen zusätzlichen Fahrmodus namens AdaptivePower bietet. Mehr dazu gleich.
So habe ich getestet
Das Cowboy Cruiser war 10 Tage lang mein Hauptfahrrad. Ich habe es sowohl für Kurzstrecken durch die Stadt sowie längere Ausflüge übers (hügelige) Land genutzt.
Dabei bin ich über Asphalt, kleinere Waldwege und Wiesen gefahren - auch wenn das Fahrrad eher für den Stadtbereich ausgelegt ist.
Technische Details
- Motor: Custom designed 250W-Hinterradmotor mit 45 Nm
- Reichweite: 40-70 Kilometer
- Batterie: 12 Ah, 418Wh, 2,4 Kg, abnehmbar und abschließbar
- Gewicht: 19,4 kg (ST: 19,3 kg) mit Batterie
- Antrieb: Carbon CDX-Riemenantrieb von Gates
- Scheibenbremsen: Tektro-Bremsen, Shimano B05S-Bremsbeläge
- Beleuchtung: Integrierte Tagfahrlichter vorne und hinten
- Gabel: Aluminium 6061
- Sensoren: Drehmomentsensor
- Reifen: Pannensichere Reifen
Preis und Verfügbarkeit
Das Cruiser (ST) ist ab 2.699 Euro erhältlich. Im Preis sind Ständer und ein optionaler Gepäckträger enthalten. Darüber hinaus stehen zahlreiches Zubehör (Helm, Schloss, etc.) sowie folgende Zusatzpakete zur Verfügung:
- Performance-Paket (299 Euro): Enthält AdaptivePower, kabelloses Smartphone-Aufladen, verbesserter Akku mit Schnellladegerät.
- Connect-Paket (199 Euro): Enthält Warnungen, Fitness-Integrationen, Unfallerkennung, Apple Watch- und Wear OS-Apps, Fahrtenanalysen, Share my Ride.
- Diebstahlversicherung (159 Euro / Jahr): Enthält Diebstahlmeldungen, Fahrradversicherung
- Cowboy Care (240 Euro / Jahr): Wartungsservice für Pannen, Wartungsarbeiten und Reparaturen.
Das Cowboy Cruiser ist bereits seit 2023 verfügbar. Die limitierte Mint-Edition wird ab Juli 2024 ausgeliefert.
Ausstattung, Verarbeitung & Design
Immerhin: Ständer und Schutzbleche sind nun endlich kostenlos dabei und müssen nicht mehr wie vorher gegen Aufpreis dazugekauft werden. Angesichts des mehrmals angehobenen Preises auf nun mindestens 2.700 Euro wäre alles andere aber auch dreist gewesen.
Dessen ungeachtet ist das Fahrrad ein echter Hingucker, zumal es keinerlei Schweißnähte gibt. Nichtmal Kabel sind zu sehen. Das Bike wirkt wie aus einem Guss. Für mich eines der cleansten
Pedelecs überhaupt.
Bei Cowboy wirkt fast alles wie aus einem Guss - das Bike ist ein Hingucker. Griffe, Sattel und Lenker sind sehr bequem. Die Lichter sind jedoch nicht StZVO-konform. Separate Anstecklichter liegen bei.
Die Schutzbleche liegen so nah am Reifen, dass sie kaum auffallen. Statt einer Kette kommt ein wartungsarmer Carbonriemen von Gates zum Einsatz. Selbst die Bremshebel sehen stylish aus.
Kein Wunder, dass Cowboy oft mit Apple oder Tesla verglichen wird. Der Hersteller hat sich auf die Fahne geschrieben, ein Bike komplett ohne Schnickschnack wie Knöpfe und Displays zu bauen.
Das Ergebnis ist zweifelsohne schön anzusehen, auch wenn das nicht ewig so bleiben dürfte. Der matte Lack ist nämlich für seine Anfälligkeit bekannt. Im Shop bietet Cowboy entsprechende Lackflaschen an.
Zudem kommen die vielen Custom-Bauteile mit dem Nachteil, dass sie im Zweifel schlecht repariert werden können und ihr auf den Cowboy-Support angewiesen seid. Andererseits arbeitet Cowboy derzeit mit 200 unabhängigen Fahrradgeschäften zusammen, die laut eigener Aussage innerhalb eines Jahres 60 Prozent des gesamten Wartungs- und Reparaturbedarfs decken, Tendenz steigend.
Macht euch also in jedem Fall vorher schlau, wie es in eurer Umgebung mit etwaigen Servicewerkstätten aussieht.
Dazu kommen kleinere Schnitzer wie die olle Standard-Klingel, die im Vergleich zum Rest wie ein Fremdkörper wirkt, sowie die eigentlich schicken in Lenker und Akku integrierten Lampen. Die sind nämlich nicht StVZO-konform, weswegen für Deutschland separate Plastiklichter beiliegen. Ein Umstand, den Cowboy beim Nachfolger unbedingt ändern sollte.
Apropos fehlendes Display: Zwar zeigen LEDs im Lenker den ungefähren Akkustand an, das war’s aber schon. Zumindest eine rudimentäre Geschwindigkeitsanzeige wäre schön gewesen.
Das passt jedoch nicht zum angesprochenen Cowboy-Konzept. Hier wird euer Handy zum Display – eine Quadlock-Halterung vorausgesetzt. Das Bike lässt sich aber auch ohne Handy mit Motorunterstützung fahren, indem ihr den Akku mit dem Schlüssel kurz entriegelt.
Einfach nur genial: So fährt sich das Cowboy Cruiser
Das Cowboy Cruiser fährt sich so natürlich wie kaum ein anderes Fahrrad, das ich bisher getestet habe. Möglich macht das der Drehmomentsensor in Kombination mit einem ausgeklügelten Algorithmus.
Der Motor unterstützt somit bis zu 25 km/h je nachdem, wie stark ihr in die Pedale tretet, und macht je nach Situation genau das, was man von ihm erwartet. Er fährt sich sogar noch einen Tacken natürlicher als das ohnehin schon fantastische Tenways CGO 600 Pro. Cowboy war hier schon immer ein Vorreiter. An das geschmeidige Fahrgefühl kommt für mich kein anderes City-Pedelec heran.
Der Clou: Den Motor merkt ihr abgesehen vom hörbaren Surren kaum. Generell legt Cowboy hier erneut Wert auf Minimalismus. Entsprechend gibt es nicht mal Assistenzstufen. Einfach losfahren und Spaß haben lautet die Devise. Und ja, das Cowboy macht verdammt viel Spaß.
Das liegt auch an dem nahtlosen Auto (Un-)Lock-Mechanismus. Das Bike schaltet sich automatisch ab, wenn ihr euch entfernt und erwacht, wenn ihr euch mit dem Handy nähert. Ihr braucht nur aufzusteigen und loszurollen.
Das funktioniert ohne jegliche Verzögerung und beeindruckte mich jedes mal, kommt aber auch mit einem Aber: Die Verriegelung ist lediglich softwareseitig; eine Hardware-Sperre wie beim Lemmo One oder Vanmoof 5 gibt es nicht.
Einerseits schade, denn so muss man wieder ein externes Schloss mitschleppen. Andererseits bin ich mir sicher, dass Cowboy sich bewusst so entschieden hat, um das Losfahren so reibungslos und bequem wie möglich zu gestalten. Ohne Knöpfchen drücken. Ohne Fußtritt ans Hinterrad.
Die aufrechte Sitzhaltung und der geschwungenen Lenker (der sich leider nicht weiter verstellen lässt) sind zudem deutlich angenehmer. Wer indes eine sportlichere Haltung bevorzugt, kann ja nach wie vor zum Classic-Modell greifen.
Ein breites Grinsen hat mir auch der AdaptivePower-Fahrmodus ins Gesicht gezaubert, den es im 300 Euro teuren Performance-Paket gibt. In dem erkennt das Rad nämlich Steigungen und sogar Gegenwind – und erhöht automatisch den Motor-Boost.
Das ist so genial, dass ich jedem empfehlen würde, das Performance-Paket auf jeden Fall dazuzubuchen. Das hievt den Preis zwar auf die knackige 3.000-Euro-Marke, erhöht aber auch enorm Komfort und Fahrspaß.
Apropos, zum Fahrspaß trägt auch die selbst bei 35 km/h noch angenehme Kadenz bei – eine Seltenheit. Beim Cruiser ST ist die Trittfrequenz aufgrund einer anderen Übersetzung allerdings um einiges höher.
Das Cowboy Cruiser ist ein Singlespeed-Bike mit wartungsarmen Gates-Carbonriemen. Die Kadenz ist im Vergleich selbst bei Höchstgeschwindigkeiten sehr angenehm.
Loben muss ich Cowboy auch für die Reifen, die so gut Unebenheiten dämpfen, dass man beinahe vergisst, ohne Federgabel zu fahren. Ich war überrascht, wie groß der Unterschied zu anderen ungefederten Stadt-E-Bikes ist. Die Haftung geht aufgrund des kaum vorhandenen Profils aber spätestens bei Nässe flöten. Für Wege abseits vom Asphalt ist Vorsicht geboten.
Die Reichweite ist mit 40-70 Kilometern nicht gerade üppig bemessen – ich kam auf ungefähr 55 Kilometer –, zumal andere Bikes mit ähnlicher Reichweite ihre Batterie im Rahmen deutlich besser kaschieren. Dafür ist der Akku entnehmbar, das Bike mit rund 19 Kilo auch kein Schwergewicht. Bei größeren Touren solltet ihr aber eine Ladepause einplanen.
Die App: die Beste auf dem Markt
Cowboy hat neben dem exzellenten Fahrgefühl noch ein weiteres Ass im Ärmel: Die App für iOS und Android gehört zum Besten auf dem Markt. Und das ist auch gut so, dient sie schließlich sowohl als Schaltzentrale als auch als Cockpit.
Das fängt bei der aufgeräumten Navigation an und hört beim Funktionsumfang auf. Alle wichtigen Daten wie Geschwindigkeit, Kilometeranzeige und Routennavigation seht ihr auf einen Blick, wahlweise sogar per Widget im Sperrbildschirm.
Die Besonderheit: Die App erkennt das Fahrrad und verändert ihre Benutzeroberfläche automatisch. Es ist, als würdet ihr zwei Apps in einer haben, die je nach Situation aktiviert wird. Eine einzigartige Lösung, die in der Praxis wunderbar funktioniert.
Darüber hinaus zeigt die App sogar den erwarteten Restakkustand sowie die Luftqualität auf der Strecke an. Wo Google Maps euch spritsparendere Routen vorschlägt, empfiehlt euch die Cowboy-App Strecken mit besserer Luftqualität. Cool!
Knackpunkt Preispolitik
Kommen wir zum angesprochenen Wermutstropfen. Die meisten coolen Features gibt’s auch hier nur gegen Aufpreis im Connect-Paket: Verkehrswarnungen, eine Unfallerkennung, Apps für WatchOS und WearOS, Fahrtenanalysen, Apple Health- und Strava-Kopplung und das Teilen des eigenen Standorts kosten nochmal 200 Euro extra.
Klar, diese Funktionen sind nicht wirklich notwendig. Im Gegensatz zum Performance-Paket könnt ihr getrost auf die Connect-Addons verzichten. Ein fader Beigeschmack bleibt trotzdem, zumal Cowboy selbst Diebstahl-Benachrichtigungen hinter die Paywall der 160 Euro teuren Diebstahlversicherung sperrt. Eine Alarmanlage oder eine hardwareseitige Radverriegelung wie etwa beim Lemmo One oder Vanmoof 5 sind ebenfalls nicht integriert.
Nicht falsch verstehen: Dass etwa der neue Cowboy-Care-Service, der sich unter anderem um Reparaturen bei euch Zuhause kümmert, 240 Euro im Jahr kostet – ok. Ob man das braucht, muss jeder für sich selbst entscheiden. Schade finde ich eher, dass selbst banale Dinge wie andere Farben oder ein besserer Akku nur gegen Aufpreis erhältlich sind, wo der Preis des Fahrrads per se schon recht hoch angesetzt ist.
So sehr ich dieses Bike auch mag, mit rund 3.000 Euro (je nach Konfiguration sogar mehr) rutscht es in einen Bereich, in dem ich es nicht uneingeschränkt jedem empfehlen kann, zumal die Konkurrenz aufgeholt hat.
Für wen lohnt sich das Cowboy Cruiser?
Das Cowboy Cruiser ist einen genaueren Blick wert, wenn ihr:
- Ein möglichst unkompliziertes E-Bike sucht, das einfach zu bedienen ist
- Wert auf Minimalismus legt und euch die Optik des Fahrrads wichtig ist
- Ein natürliches Fahrgefühl bevorzugt und vom Bike körperlich etwas gefordert werden wollt
Meine Empfehlung für die Konfiguration:
- Das Performance-Paket empfehle ich jedem
- Das Connect-Paket empfehle ich jedem, der gern seine Fahrten und Gesundheitsdaten aufzeichnen und analysieren möchte sowie häufig im dichten Stadtverkehr unterwegs ist (Unfallerkennung, Verkehrswarnungen etc.)
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Cowboy Cruiser: Das neue E-Bike zeigt sich im Trailer
Mögliche Alternativen zum Cowboy Cruiser
Wer sich für das Cowboy interessiert, tut das in der Regel wegen des Designs. Alternativen könnten hier die Bikes von Vanmoof oder Ampler für euch sein.
Ansonsten empfehle ich euch folgende Alternativen:
- Das Tenways CGO600 Pro für alle, die ein ähnlich natürliches Fahrgefühl bevorzugen und ein sehr leichtes E-Bike suchen, aber ein kleineres Budget haben
- Das Lemmo One mk2 für alle, die Wert auf innovative, smarte Features und ein starkes Preis-Leistungs-Verhältnis legen
Cowboy hat zudem jüngst eine gefederte Version für unebene Untergründe angekündigt, die ich aber bislang noch nicht ausprobieren konnte.
Unterm Strich ist das Cowboy Cruiser das wohl unkomplizierteste Stadt-E-Bike mit Fokus auf Style und polierter App. Wer es gefahren ist, will vermutlich nicht mehr absteigen, auch wenn das Preis-Leistungs-Verhältnis vor allem in Hinblick auf die Zusatzkäufe nicht das beste ist.
Falls ihr Fragen zum Cowboy Cruiser, dem Cruiser ST oder Cowboy Classic habt, lasst es mich in den Kommentaren wissen.




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