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Critical Role: In Episode 37 bricht der Spielleiter eine heilige Regel – und hat damit wohl jeden Fan um zehn Jahre altern lassen

Kampagne 4 hatte schon einige extrem spannende Folgen. Aber diesmal war sogar ein sonst maximal entspanntes Urgestein der Gruppe sichtlich am Ende. Und die Fans erst!

Wir verwenden hier mal ein Bild der Gruppe, das keine Spoiler enthält, weil es aus Episode 33 stammt. Trifft den Kern trotzdem bestens. Bild: Critical Role Wir verwenden hier mal ein Bild der Gruppe, das keine Spoiler enthält, weil es aus Episode 33 stammt. Trifft den Kern trotzdem bestens. Bild: Critical Role

Liebe Critical-Role-Interessierte, bevor ihr weiter lest, hier die am wenigsten überraschende Spoilerwarnung des Monats: Dieser Artikel geht auf Ereignisse der laufenden Kampagne 4 bis einschließlich Episode 37 ein.

Okay, dann dürfen alle, die noch da sind, einmal tief durchatmen. Wir haben den bisher heftigsten Kampf des Abenteuers überstanden. Gefühlt habe ich die gesamten vier Stunden lang den Atem angehalten, während sich die Schlinge immer enger um die Hälse der Schemer-Gruppe zuzog.

Dann der Moment. Der gesamte Cast ist mit den Nerven am Ende. Selbst der sonst so unerschütterlich wirkende Witzereißer Sam Riegel kämpft mit den Tränen. Und Spielleiter Brennan Lee Mulligan entscheidet sich, seine heiligste Ansage aufzuweichen – indem er Sam und dessen Charakter Wicander vor eine unmögliche Wahl stellt.

All das ist nicht nur hervorragendes Drama, sondern auch eine Lektion darin, wie Spielanleitungen manchmal von strikten Regeln abweichen können, um eine noch bessere Geschichte zu erzählen.

Was genau ist passiert?

Schon seit mehreren Folgen hat sich Wicander Halovar immer tiefer ins Schlamassel geritten. Erst musste er eine unschuldige Frau umbringen, um sich selbst zu retten. Dann wollte er sich nicht gegen Hal (Liam O’Briens Charakter) stellen. Schließlich legte er sich offen mit der mächtigen Großmutter Yanessa an. Die Konsequenzen daraus wurden in Folge 37 klar: Wics Familie will ihn ermorden, um ihn aus dem Weg zu räumen und politischen Profit daraus zu schlagen.

Der Kampf läuft dank furchtbarer Würfelergebnisse von Anfang an schlecht, zumal Wic sofort magisch paralysiert wird und nichts ausrichten kann. Es endet schließlich damit, dass er einen allerletzten Todesrettungswurf ablegen muss. Kurz kommt Hoffnung auf, denn er hat noch eine Bardische Inspiration übrig, die er dazu rechnen darf – doch sein Hauptwürfel zeigt nur eine 4. Auf einem W8 muss er eine 6, 7 oder 8 werfen, um dem Tod zu entgehen. Und der soll in diesem Spiel ja final sein, da keine Wiederbelebungsmagie existiert.

Ein sichtlich mitgenommener Sam Riegel würfelt, und bekommt… eine 5. 

Aus. Vorbei. Die Trauer bricht bei allen durch.

Wics Überlebenschancen standen von Anfang an miserablel. Bild: Critical Role Wics Überlebenschancen standen von Anfang an miserablel. Bild: Critical Role

Das ist der Augenblick, in dem Mulligan spontan beschließt, Sam eine letzte Entscheidung zu gewähren: Wic kann seine letzten Momente dazu nutzen, um seine Freundin Tyranny von ihrem dämonischen Vertrag zu befreien, um sie vor der grausamen Halovar-Familie zu beschützen. Oder er darf den letzten Rettungswurf wiederholen – mit Nachteil.

Noch nie habe ich Sam so sehr mit einer Entscheidung kämpfen sehen. Nicht mal bei der Geschichte mit Vax am Ende vom Kampagne 1. Nach minutenlangem Leiden wählt er die mathematisch riskantere Variante: Er muss zweimal mindestens eine 10 würfeln, um entgegen aller Wahrscheinlichkeit zu überleben. Die Würfel rollen, und die beiden Zahlen werden garantiert Kult-Status bei CR-Fans erreichen:

12 und 13.

War es das wert?

Ein kollektiver Schrei der Erleichterung geht durch den Raum, gleich zwei Spieler tauchen unter den Tisch ab, der Spielleiter lacht wie ein Kobold, Sam starrt in den Raum wie ein Mensch, der sehr, sehr dringend einen langen Urlaub braucht. Das Blatt wendet sich genug, um am Ende der Folge lebendig in die Höllendimension zu fliehen – unter Tränen und Flüchen. Spannender kann Actual Play kaum werden.

Natürlich entbrennen die Diskussionen nach dem Kampf. Während die meisten Critter mit dem packenden Storytelling mehr als glücklich sind, erheben andere Einwände. Schließlich soll der Tod ja wirklich bittere Konsequenzen haben in Kampagne 4. Das haben wir bereits mit Teor erlebt. War es angesichts dessen zu weichherzig, Sam eine letzte zweite Chance zu geben?

Video starten 1:08 Tränen, Spannung, Freude - Die D&D-Kampagne von Critical Role weckt große Emotionen

Dazu gibt es natürlich keine richtige und falsche Meinung. Ich persönlich, als Spielleitung seit vielen Jahren, glaube daran, dass man Regeln manchmal ignorieren sollte, wenn sich dadurch ein besserer Moment ergibt. Zumal Sam in diesem gesamten Kampf keine Möglichkeit zur Gegenwehr bekam – extrem frustrierend für einen Spieler, wenn er auf diese Art einen geliebten Charakter verliert.

Und hätte er schlechter gewürfelt, wären die Konsequenzen ja sogar schlimmer gewesen, denn Wic wäre nicht nur gestorben, sondern hätte auch Tyranny einem womöglich grausamen Schicksal überlassen.

Nach dem schweißtreibenden Kampf ist erstmal Abwechslung angesagt, denn Episode 38 dreht sich wieder um den Soldiers-Spieltisch. Danach dürfte es recht bald zurück zu den Schemern gehen, die lautstark verlangten, dass an genau der Stelle weitergemacht wird, an der die Runde schließlich endete. Gleich mehrere Charaktere haben noch ein paar Rechnungen offen. Hoffentlich sind die Würfel bis dahin erfolgreich gereinigt und gesegnet.


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