348 Tage. So lange währte meine Vorfreude auf die erste deutsche Liveshow von Critical Role. Am 23. Juli 2025 habe ich meine Tickets vorbestellt – übrigens mit einigen üblen Querelen rund um die Presale-Codes für Beacon-Mitglieder. Am 6. Juli 2026 lief dann die große Show in der Uber Arena in Berlin.
Ich habe wirklich schon sehr lange nicht mehr derart auf ein Event hingefiebert. Critical Role ist für mich etwas ganz Außergewöhnliches, mit dem ich eine Menge Zeit verbringe und das ich über die Maßen für die kreativen Köpfe dahinter zu schätzen gelernt habe. Ich liebe ihre D&D-Kampagnen, die bereits jede Menge epische Geschichten hervorgebracht haben. Ich bin aber auch großer Fan der Animationsserien und kann diesen Leuten im Grunde bei allem, was sie so machen, pausenlos zusehen.
Also ja ... ich bin ein eingefleischter Fan! Natürlich musste ich da einfach die Live Show besuchen. Koste es, was es wolle. Und es hat durchaus einiges gekostet. Für meine Plätze habe ich pro Ticket fast 200 Euro hingelegt. Auch die günstigsten Sitze in der Uber Arena lagen bei 130 Euro. Dann kamen in meinem Fall noch Anreise, Hotel, Essen, Hoffen auf die Deutsche Bahn und vieles mehr hinzu.
Zurückgehalten hat der Preis für die Tickets übrigens wohl kaum einen Fan von Critical Role. Rasant war die Show ausverkauft, über 11.000 Besucher sind ihren Idolen in die Arena gefolgt, um ihnen vier Stunden lang beim DnD-Spielen zuzusehen.
Ob Critical Role irgendwann wieder nach Deutschland kommt? Unklar, aber nicht unwahrscheinlich. Falls ihr dieses Mal nicht dabei wart, aber aufs nächste Mal hofft – dann verrate ich euch, für wen sich die Vorfreude auf die nächste Show auszahlen könnte.
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Was wird hier gezeigt?
Critical Role hat schon so einige Kampagnen hinter sich und die Darsteller können auf einen großen Fundus an allerlei liebgewonnenen Charakteren zurückgreifen. Es gab schon Liveshows, in denen alle völlig neue Charaktere spielten. Doch für die aktuelle Tour schöpfen sie vor allen Dingen aus ihren legendären Kampagnen.
Im Falle von Deutschland hat die Truppe rund um Dungeon Master Matt Mercer lpassenderweise die Mighty Nein wiederbelebt. Logisch deshalb, da hier mit Caleb Widogast ein Charakter mit deutschem Akzent vorkommt. Wieso Caleb übrigens einen deutschen Akzent hat, konnte mir sein Schauspieler Liam O'Brian vor der Show im Interview verraten.
Caleb hatte auch direkt eine zentrale Rolle in der Show – doch gespoilert wird die Handlung hier natürlich nicht. Denn die Live Shows von Critical Role zahlen in der Regel wie jede andere Episode ihrer Sendung in die übergreifende Lore des Universums ein. Sollte Caleb etwa (rein hypothetisch) im Verlauf der Show abkratzen, dann ist das realer Teil seiner Geschichte und kein Randereignis, über das später nie wieder gesprochen wird.
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Die Show fühlte sich dadurch ausgesprochen relevant und wichtig an. Zumal man als Fan ohnehin mit jeder Menge Rückbezügen beglückt wird.
Gleichzeitig ist es der Truppe gut gelungen, eine für die Show abgeschlossene Geschichte zu erzählen. Ein Problem entsteht, es kommt zu einem kleinen Abenteuer und das Problem wird gelöst. Da es sich um DnD handelt, dauert das wie bei einem One-Shot zuhause natürlich so seine Zeit – aber die Show setzt dadurch gar nicht sooo viel Vorwissen voraus, wie man meinen sollte.
Kollegin Sophia von MeinMMO schreibt sogar, dass ihr vollkommen ahnungsloser Partner trotzdem richtig viel Spaß hatte. Ich war mit meiner Freundin da, die dank der ersten Staffel der Animationsserie zu Mighty Nein schon deutlich mehr Vorwissen hatte und ebenfalls enorm investiert war. Nur musste sie dafür mit kleineren Spoilern leben, da die Show zeitlich einige Jahre nach der Amazon-Serie spielt. Eine perfekte Lösung für alle Zuschauer gibt es da nicht.
Ein krasses Erlebnis
Die Show selber war ... krass. Vor allem für mich, dem sowohl die DnD-Charaktere als auch ihre Spielerinnen und Spieler so viel bedeuten. Ich war wie erwähnt fast ein Jahr lang vorfreudig und unmittelbar vor der Show unfassbar hibbelig – was nicht oft vorkommt.
Die Show hat mich dann regelrecht weggeblasen. Was zu großen Teilen an der Energie in der Arena lag. Ich bin bei weitem nicht der einzige Mensch, dem Critical Role viel bedeutet. Viele, viele, sehr nerdige Menschen werden von Critical Role angezogen. Steckt man 11.000 (!) davon in einen Raum und setzt ihre Helden vor sie, hat man eine hochemotionale Bombe erschaffen.
Zu jedem Zeitpunkt hat man in der ganzen Arena die pure Freude und Leidenschaft gespürt. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie sehr das einen mitreißt, wenn 11.000 Menschen kollektiv jubeln, sobald jemand einen Würfel fallen lässt, oder gemeinsam das Intro-Lied mitschmettern. Allein für diese geballte Power tausender Critter hat sich das Erlebnis für mich gelohnt. Das werde ich nie vergessen. Dass ein paar Leute beim DnD-Spielen solche Reaktionen hervorrufen können, ist vollkommen surreal.
Doch es war nicht nur die Leidenschaft der Leute. Es war auch die Begeisterung der Darsteller! Man merkt schon in den Streams, wie sehr sie alle hinter diesem Projekt stehen. Die Liebe für ihre Freunde, für das Spiel und das Publikum ist einfach ansteckend.
Mein ganz persönliches Highlight war übrigens, mit wie viel Umsicht und Fingerspitzengefühl die Show inszeniert war. Dazu gehören schon Details wie ein sanfter, sympathischer, aber nachdrücklicher Hinweis, nicht die ganze Zeit das Handy hochzuhalten und schon gar nicht reinzurufen. Hinweise, an die sich 11.000 Menschen dann sogar wirklich gehalten haben.
Doch auch das Set, die Musik, die Gewandung der Leute hat dazu beigetragen, die Geschichte in meinem Kopf lebendig werden zu lassen.
Noch ein ehrlicher Hinweis
Ich will euch hier aber nicht nur davon erzählen, wie sehr mich die Show als Fan mitgerissen hat. Ich will auch ein wenig Erwartungsmanagement betreiben. Damit ihr für den Fall, dass Critical Role nach Deutschland zurückkehrt (oder in ein umliegendes, europäisches Land), genau wisst, ob es euch den Preis wert ist oder nicht.
Dabei spare ich jetzt mal lokale Besonderheiten aus wie etwa die Uber Arena als Location – hier war ich vor allem verwirrt, dass von den vielen Essensausgaben nur etwa die Hälfte geöffnet war und dadurch absurde Schlangen entstanden sind - vor allem bei der Rückgabe der Pfandbecher. Laut Kollegin Sophia kam es schon Stunden vor der Show zu einer Schlange, die sich um die ganze Arena gewickelt hat, um etwas vom Merchstand abzugreifen.
Doch unabhängig von der Arena sollte euch klar sein, dass das Format der Show etwas speziell ist. Es geht hier um meistens acht Leute, die an einem Tisch sitzen und Würfelspiele spielen. Gleichzeitig wird auch mit Gestik und Mimik gearbeitet, um etwa für Lacher zu sorgen oder die emotionale Lage zu transportieren.
Das sind oft Details, die einem ohne die großen Monitore entgangen wären. Ich hatte Tickets der höchsten Preisklasse und saß damit noch ziemlich zentral und relativ weit vorne. Und selbst ich musste ziemlich oft auf den Monitor gucken, um alles mitzubekommen. Die Darsteller waren für mich dafür in der Ferne einfach zu klein.
Ich kann mir vorstellen, dass manch einer davon enttäuscht sein könnte. Immerhin geht man nicht unbedingt für viel Geld in eine Arena, um dann primär auf einen Bildschirm zu gucken. Wenn ihr wirklich so nah an euren Idolen wie möglich sein und nicht von Bildschirmen abhängig sein wollt, müsst ihr schon ganz weit vorne sitzen.
Ansonsten würden mir als mögliche Kritikpunkte höchstens noch einfallen, dass gelegentlich die Musik die Stimmen übertönt hat. Das war es allerdings auch schon.
Lohnt es sich?
Sollte Critical Role morgen direkt die nächsten Tickets für eine Show in 348 Tagen anbieten – ich für meinen Teil würde wohl wieder zuschlagen. Ich würde vielleicht höchstens darauf hoffen, noch ein Stück näher dran zu sein, wobei man das bei Ticketkäufen mit viel Andrang nur so halb kontrollieren kann. Doch die Erfahrung war für mich als Fan schlicht zu ergreifend und besonders, um darauf zu verzichten.
Und trotzdem würde ich Critical-Role-Live nicht uneingeschränkt empfehlen. Ich sehe etwa wenig Sinn in der mittleren Preisklasse der Tickets. Für mein Empfinden sieht man in den meisten Arenen in der dritten und vierten Reihe genau so wenig wie in der fünften und sechsten, zahlt aber mehr. Überlegt euch also sehr gut, welche Plätze sich für euch lohnen.
Letztlich ist der Sitzplatz bei dem ganzen Event aber gar nicht so wichtig. Es geht hier vor allem um die Leidenschaft und die Energie der Fans. Sowas erlebt man in dieser Form nur ganz selten.
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