Laptop-Hersteller kleben oft Teile der eigenen Lüftung zu – was nach Unsinn klingt, hat einen guten Grund

Habt ihr euch auch schon mal gefragt, warum Hersteller von Laptops Gehäuseöffnungen abkleben? Hier ist die Antwort.

Gibt es einen Grund dafür, warum bei vielen Laptops ein Teil des Lüftungsgitters abgeklebt wird? (Quelle: ZDETGU) Gibt es einen Grund dafür, warum bei vielen Laptops ein Teil des Lüftungsgitters abgeklebt wird? (Quelle: ZDETGU)

Vor einigen Tagen hatten wir uns angesehen, warum die Hersteller von Laptops häufig Bauteile wie RAM und/oder SSD mit Folie abkleben. Doch im Inneren eines Notebooks gibt es noch mehr zu entdecken. 

Beim genaueren Hinsehen fällt ein auf den ersten Blick bizarr wirkendes Detail auf: Hinter den schicken Kunststoff- oder Metallgittern, die sich am Boden von fast jedem Laptop befinden, kleben innen oft schwarze Folien oder Plastikblenden. Ein Teil dieser Öffnungen wird damit wieder verschlossen. Doch warum lassen die Hersteller Gehäuseöffnungen mühsam stanzen, nur um sie danach wieder abzukleben?

Der unsichtbare Windkanal

In der Welt der Laptops ist Luft nicht einfach nur da, sie wird geführt wie Wasser in einem Kanalsystem. Ein Notebook-Gehäuse ist im Inneren eigentlich ein optimierter Windkanal auf engstem Raum.

Die Lüfter in einem Laptop saugen nicht nur Frischluft von außen an, sie erzeugen im Inneren auch einen Unterdruck, der zum Teil auch die erwärmte Luft mitzieht. Würden alle Schlitze offenbleiben, würde der Lüfter die frische Luft nur auf dem kürzesten und leichtesten Weg einsaugen, und das wäre dann direkt neben dem Lüfterrad selbst.

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Die Folge: Die Luft strömt rein und sofort wieder raus, ohne dass ein funktionierender Luftstrom die kritischen Hotspots wie Spannungswandler oder Arbeitsspeicher erreicht. Durch das gezielte Abkleben bestimmter Bereiche erzeugen die Hersteller, wie bereits erwähnt, einen kontrollierten Unterdruck.

Die Luft wird so gezwungen, erst an den passiv gekühlten Komponenten vorbeizustreichen, bevor sie vom Lüfter erfasst und aus dem Gehäuse befördert wird. Die Folie ist also kein Hindernis, sondern eine Art Wegweiser. Allerdings kommen die genannten Abdeckungen nicht zwangsweise auch bei jedem Laptop zum Einsatz. Ob sie erforderlich sind, hängt individuell vom Aufbau des Gerätes ab.

Eine Gehäuse für viele Konfigurationen

Neben der Physik spielt auch die Betriebswirtschaft eine entscheidende Rolle. Die Spritzgussformen für Laptop-Gehäuse kosten Unsummen in der Entwicklung und Herstellung. Um Kosten zu sparen, nutzen Hersteller oft ein Chassis für eine ganze Produktfamilie.

Bei diesem Laptop-Gehäuse ist gut zu erkennen, dass ein großer Teil der Lufteinlässe abgedeckt ist. (Quelle: ZDETGU) Bei diesem Laptop-Gehäuse ist gut zu erkennen, dass ein großer Teil der Lufteinlässe abgedeckt ist. (Quelle: ZDETGU)

Anstatt für jede Konfiguration ein eigenes Gehäuse zu gießen, wird quasi ein Universal-Lüftungsgitter verwendet, das je nach Innenleben mit Folien an die spezifische Hardware angepasst wird. Das spart in der Produktion sehr viel Geld.

Mehr als nur Luft: Schutz und Strahlung

Doch es geht nicht nur um Temperatur. Die unscheinbaren Aufkleber erfüllen häufig auch eine Doppelfunktion:

  • EMV-Abschirmung: Viele dieser Folien sind auf der Innenseite mit einer hauchdünnen Metallschicht bedampft. Sie dienen als Barriere für elektromagnetische Strahlung, damit das Notebook die strengen Grenzwerte für Funkstörungen einhält.
  • Staub- und Spritzschutz: Sie fungieren als erste Verteidigungslinie gegen Krümel oder versehentlich verschüttete Flüssigkeiten an Stellen, an denen keine aktive Lauftansaugung erforderlich ist.

Finger weg von der Folie

Für den passionierten Bastler mag es verlockend klingen, die Folien zu entfernen, um dem Gerät mehr Luft zum Atmen zu geben. Ich rate euch von diesem Vorgehen allerdings dringend ab. Wer die Folien abzieht, riskiert, dass der Luftstrom im Inneren zusammenbricht und lokale Hitzenester entstehen, die das System auf lange Sicht schädigen oder zum Drosseln der Leistung führen können.

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