Ich verbringe gerade jeden freien Abend in der Karibik – zumindest virtuell, denn Assassin’s Creed: Black Flag Resynced entfaltet für mich exakt den gleichen Zauber wie das Original vor über zehn Jahren.
Ja, im Kern klappere ich immer noch Fragezeichen auf einer Weltkarte ab, ja, das Kampfsystem spielt sich immer noch strunzstupide, und ja, die Story ist mehr Road Movie als stringentes Assassinen-Epos. Aber dieses Gefühl, wenn du von deinem Schiff ins azurblaue Meer springst, an Stand schwimmst, Edward sich das Salzwasser von den Klamotten schüttelt und du auf eine unbewohnte Insel voller Felswindungen, Palmen und verborgener Schätze blickst … auch nach all den Jahren gibt mir das kein anderes Spiel so wie Black Flag.
Kann man also sagen: Deckel drauf, damals gut, heute gut, weitermachen. Aber je länger ich Resynced spiele, desto häufiger stolpere ich über eine Stärke, die noch kein anderes Assassin’s Creed so entfaltet hat. Und sie ist per Definition unsichtbar.
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Die Schätze jenseits der Marker
Schon gewusst? Wenn ihr in Nassau einem grölenden Saufbold eine halbe Minute lang zuhört, schenkt er euch einen geheimen Seemannsgesang. Und kennt ihr schon die namenlose Insel in der westlichen Gibara-See? Dort kann Edward eine untote Crew anwerben. Oh, und das Entdecker-Outfit verbirgt sich an der vermeintlich zufälligen Koordinate 28,292 tief unten im Meer in einer Schatztruhe. Nichts davon wird irgendwo markiert.
Doch Schätze sind nicht alles. Bei den Koordinaten 624,49 findet ihr einen streunenden Hund auf einem verlassenen Sandstrand. Direkt hinter der Sandbank erspäht Edward eine alte Hütte. Ein Brief offenbart, dass der Besitzer als Piraten-Kollaborateur von der British Navy aufgeknüpft wurde. Sein Doggo spaziert seither einsam und allein am Strand entlang und wartet auf sein Herrchen.
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Vergesst epische Seeschlachten! Historiker analysieren AC Black Flag Resynced |mit Geschichtsfenster
Und bei 473,822 verbirgt sich eine ebenfalls namenlose kleine Insel, auf der ein exzentrischer Spanier sich eine kleine Freiluftkapelle eingerichtet hat, um vor Vogelscheuchen in britischer Navy-Kluft zu predigen.
Ich könnte den ganzen Tag so weitermachen. Black Flag Resynced ist das erste Assassin’s Creed seit … jemals, in dem es so viel jenseits der Marker zu entdecken gibt. Und das verändert völlig, wie ich die Open World erkunde.
Die Abkehr von der Formel?
Seit den Tagen von Assassin’s Creed 2, also seit 17 Jahren, konditionieren mich Ubisoft-Spiele wie einen pawlowschen Hund: Wenn du einen Map Marker siehst, kannst du anfangen zu sabbern, denn da gibt’s Belohnung. Alles andere ist nur Kulisse. Der Grund dahinter ist simpel: Damit die Leute sich in den gigantischen Open Worlds nicht verirren, bekommen sie ganz konkrete Indikatoren (also Map Marker und Fragezeichen) an die Hand, um das Unwichtige vom Wichtigen zu trennen.
Der Rest ist eine Geschichte, die ihr wahrscheinlich alle kennt: Über die Jahre wurde die Kritik immer lauter, dass Ubisoft-Spiele zu reinen Abklapper-Erfahrungen verkommen. Ich öffne 100 Stunden lang die immer gleichen Truhen, befreie die immer gleichen Gefangenen, stürme die immer gleichen Festungen. Auch wenn ich diesen Vorwürfe in seiner Schärfe übertrieben finde, stimme ich dem Kern doch zu: Durch die Ubisoft-Formel verlernt man, eine Open World ganz intuitiv zu erkunden. Mit den eigenen Augen.
Erst Spiele wie The Legend of Zelda: Breath of the Wild oder Red Dead Redemption 2 haben diesen Zauber zurückgebracht. Und nun lernt auch Ubisoft endlich daraus. Wie in Red Dead markieren Rauchsignale beim Durchschippern der Karibik, auf welchen Inseln es irgendwas zu entdecken gibt. Und dieses »Irgendwas« ist so spannend wie schon ewig nicht mehr.
Wenn ich an Land gehe, habe ich oft keinen Schimmer, was mich erwartet. Irgendeine coole kleine Geschichte, eine unmarkierte Belohnung oder, ja, auch mal klassischer Ubisoft-Sammelkram. Doch auch innerhalb der Sammelkram-Inseln verstecken sich überall Geheimnisse, die nicht näher definiert werden. Mal eine Kiste unter der Wasseroberfläche, mal ein reicher Schnösel, dem ich die Brieftasche abknöpfe, mal der 150 Jahre alte Rum des Wachhauptmanns.
Black Flag Resynced beerdigt die Ubisoft-Formel nicht, keine Frage, aber es weicht sie auf wie lange kein Assassin’s Creed mehr. Und das sollte sich Ubi fürs anstehende Codename Hexe dringend, dringend beibehalten.
📖 Was ich gerade lese
- Alle Ankündigungen zur Comic-Con 2026: Kollegin Franzi hat sich das Wochenende um die Ohren gehauen, um alle wichtigen Neuigkeiten der San Diego Comic-Con zusammenzufassen. Unbedingt lesen!
- Titel des neuen Kingdom Come enthüllt: Kollegin Steffi macht eigentlich in Prag Urlaub und hat diesen Artikel mit ihrem Handy getippt. Ich hätte das niemals so typo-frei hingekriegt.
- Bis zu 160 Euro für EA Sports FC: Mikrotransaktionen in Spielen werden jedes Jahr schlimmer. Kollege Dennis bringt die Kritik bei Nicht-mehr-FIFA auf den Punkt.
🎮 Was ich gerade (neben Black Flag) spiele
- Anno 117: Ich wollte meinen neuen Rechner mal so richtig zum Glühen bringen. Dank Anno hab ich’s geschafft.
- The Adventures of Elliot: Square hat ein wunderschönes Oldschool-Zeldalike veröffentlicht. Falls ihr mal schlechte Laune habt, spielt es unbedingt!
- Gears of War Reloaded: Vor E-Day will ich die Gears-Spiele nochmal durchspielen. Leider ist Reloaded kein sonderlich gelungener Port.
📺 Was ich gerade streame
- Agent Carter: Ich wollte das Captain-America-Spinoff unbedingt nachholen. Bisher keine Sekunde enttäuscht.
- The Ghost in the Shell: Die brandneue Serie sieht zum Anbeißen gut aus, inhaltlich aber sehr gewöhnungsbedürftig.
- Hell House LLC ist der beste Beweis, warum Indie-Horror dem Genre so extrem gut tut. Kaum Budget, aber schaurig gute Ideen.
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