Ich liebe Die nackte Kanone. Wenn ich nur daran denke, fallen mir gleich ein Dutzend dämlicher Sprüche ein, die sich für immer in mein Hirn gebrannt haben. Toller Pelz
, Nein, Halbire. Mein Vater stimmt aus Wales
oder Ich trinke nie beim Schlafen
reichen schon aus, um mir ein dümmliches Kichern zu entlocken.
Jetzt läuft eine neue Nackte Kanone in den Kinos und ich muss nach meinem Besuch der Pressevorführung mit Erschrecken feststellen: Moment mal, irgendwie ist hier überhaupt nichts hängen geblieben! Kein blöder Spruch, keine herrliche Situationskomik.
Dabei habe ich mir im Vorfeld sogar erlaubt, mit einer Prise vorsichtigem Optimismus in die neue Nackte Kanone zu gehen. Und das, obwohl es das sogenannte Legacy Sequel
bei mir als Hardcore-Fan der legendären Leslie-Nielsen-Reihe natürlich besonders schwer hat.
Doch mit Liam Neeson in der Hauptrolle, Akiva Schaffer von The Lonely Island als Regisseur sowie Drehbuchautor, einer wirklich sympathischen Marketing-Kampagne und euphorischen ersten Reaktionen, wollte ich die Neuauflage nicht vorschnell verurteilen.
Was ist also schief gelaufen?
2:01
Die nackte Kanone: Liam Neeson tritt in Leslie Nielsens Clownschuh-große Fußstapfen
Viele Witze, wenig Story - also alles beim Alten
Bevor ich ans Eingemachte gehe, lasst mich unbedingt eine Sache klarstellen: Die neue nackte Kanone ist keine Katastrophe und kein völlig vermurkster Film. Im Gegenteil: Wollt ihr ein wenig kurzweilige Unterhaltung in überschaubarer Länge von nur 85 Minuten, dann dürft ihr guten Gewissens einen oder auch zwei Blicke riskieren.
Gerade die drei wichtigsten Darsteller (Liam Neeson, Pamela Anderson und Danny Huston) gehen mit einer konsequenten Ernsthaftigkeit voll und ganz in ihren Rollen auf und sind sich für die dümmsten Gags nicht zu schade. Und an Witzen mangelt es an der neuen nackte Kanone ganz und gar nicht.
Ganz im Sinne der Original-Trilogie folgt ein Witz auf den nächsten, während der Plot maximal rudimentär und zweckmäßig ausfällt. Frank Drebin Jr. (Neeson) kämpft um seinen Platz in der modernen Welt und versucht gleichzeitig ein wahnwitziges Komplott zu stoppen, in das er natürlich völlig ungewollt hineinstolpert.
Was für ein Komplott, fragt ihr euch? An dieser Stelle überlasse ich ganz frech Kingsman-Bösewicht Richmond Valentine (Samuel L. Jackson) das Wort. Denn Die nackte Kanone hat mindestens genauso frech den diabolischen Masterplan aus der 2014 veröffentlichten Actionkomödie einfach geklaut.
Leslie Nielsen Liam Neeson ist ... sehr verdächtig
Kommen wir zum springenden Punkt: Leider fühlt sich die neue nackte Kanone über die Laufzeit von 85 Minuten allgemein wie ein Aufguss altbekannter Scherze und Ideen an.
Das mag an manchen Stellen vielleicht noch als liebevolle Hommage an die alten Filme durchgehen - und als Fan davon freue ich mich natürlich über die ein oder andere Anspielung, wenn zum Beispiel Frank Drebin Jr. genauso wie Sr. eine absolute Bedrohung im Straßenverkehr darstellt.
Viel zu oft lässt sich Die nackte Kanone aber auch von Gags … inspirieren
, die schon das Original oder ganz andere legendäre Komödien durchgenudelt haben. Paradebeispiel gefällig? Mir kann zum Beispiel niemand erzählen, dass bei dem bereits im Trailer offenbarten Silhouetten-Gag nicht Austin Powers Pate gestanden hat! Ich meine, kommt schon ...
Und dann wäre noch die Krux mit dem Timing. Gute Comedy braucht vor allem eins: Gutes Timing. Wird ein guter Gag nur eine Sekunde lang überstrapaziert oder kommt eine Sekunde zu kurz, fliegt die Pointe in 99 Prozent aller Fällen auf die Schnauze.
Dieses Problem macht auch gerne mal diesem Film zu schaffen. Viel zu oft habe ich mich selbst bei einem müden Schmunzeln statt eines lauten Lachens und dem Gedanken ertappt: Ja, ich verstehe den Witz, aber fühle ihn leider nicht.
Gute Comedy erfordert Fingerspitzengefühl und Raffinesse und der fehlt es Regisseur und Drehbuchautor Akiva Schaffer.
Alles in allem ist die Die nackte Kanone ein netter Versuch, einer der besten (und einer meiner liebsten) Komödien der Filmgeschichte neues Leben einzuhauchen - nicht mehr und nicht weniger.
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