Gemeinhin als »Friendslop« bezeichnete Koop-Spiele haben in den letzten Jahren eine regelrechte Hochkonjunktur gefeiert. Spiele, wie Lethal Company, Peak oder Meccha Chameleon fahren auf Steam regelmäßig Bewertungen jenseits der 90 ein und verzeichnen Spielerzahlen, von denen die meisten Indie-Devs nicht mal zu träumen wagen würden.
Genau dieses Pfad beschreitet jetzt auch Big Walk von House House. Das kleine Entwickler-Team, das sich bereits mit dem sympathischen Untitled Goose Game einen Ruf erarbeiten konnte, knüpft mit dem neuen Spiel direkt an den vorangegangenen Erfolg an. In der Spielepresse regnet es Lob und auch die Spielerinnen und Spieler auf Steam sind ganz hin und weg.
Reden, Laufen, Arme
Big Walk richtet sich ausschließlich an Koop-Partner und -Gruppen, das dürfte euch jetzt nicht groß überraschen. Das Multiplayer-Adventure denkt dieses Genre allerdings völlig neu und verzichtet bewusst auf alles, was in jedem Handbuch zur Entwicklung eines potenziellen Koop-Hits stehen würde.
Es gibt kein konkretes Ziel, keine Map und keine Belohnungen. Alles, was hier Spaß macht, kommt aus den Spielenden selbst. Dafür macht sich Big Walk einen Proximity Chat zunutze, also einen Ingame-Voicechat, der auf der Distanz der Spielerinnen und Spieler basiert. Das ist natürlich keine innovative Funktion, denn inzwischen nutzen die meisten Friendslop-Spiele einen solchen Chat.
In Big Walk stellt der Proximity Chat aber einen besonders wichtigen Schwerpunkt dar. Die Entwickler demonstrieren das im Gameplay-Trailer selbst:
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Big Walk: Das neue Spiel der Macher von Untitled Goose Game räumt komplett mit Koop-Konventionen auf
Darum geht's: Ihr findet euch als Gruppe in einer Open World wieder, die zu großen Teilen aus Wald und Berglandschaft besteht. Ohne Map ist Verlaufen vorprogrammiert und solltet ihr von der Gruppe getrennt werden, gibt es auch keine Möglichkeit, euch einfach per Schnellreise zu euren Freunden zu porten.
Stattdessen bietet euch das Spiel verschiedene Gadgets, wie Leuchtpistolen, Megafone und Ferngläser an, damit ihr euch wiederfindet. Wer laut genug brüllt, kommt vielleicht auch an sein Ziel. Aber es sind nicht nur die Spaziergänge durch die Wildnis, die euch bei Laune halten sollen.
In der Welt sind überall Rätsel und Geschicklichkeitsherausforderungen verstreut, die ihr nur bestreiten könnt, wenn eure Kommunikation stimmt. Wenn euch die Worte fehlen, nutzt ihr die Beweglichkeit eurer Arme, um wild zu gestikulieren und vielleicht so zu einer gemeinsamen Lösung zu kommen. Wie genau ihr am Ende ans Ziel kommt, bleibt euch überlassen.
»Sowas gibt's nicht so schnell noch mal«
Mit dem entschleunigten Ansatz scheint Big Walk einen Nerv zu treffen. Auf Steam fuhr der Spaziergang-Simulator innerhalb von drei Tagen mehr als 4.000 Bewertungen ein, von denen 89 Prozent positiv ausfallen. Bei der Spielepresse fällt die Begeisterung sogar noch größer aus.
Bei Metacritic sitzt Big Walk auf einer Durchschnittswertung von 92 aus 100 möglichen Punkten, wobei gleich mehrere namhafte Medienhäuser die Höchstwertung vergeben, darunter Insider Gaming und Eurogamer. Josh Challies von Insider Gaming, der das Spiel zum Meisterwerk hochlobt, schreibt:
Seit Astro Bot im Jahr 2024 hat mich kein Spiel mehr so sehr beeindruckt; die Stunden, die ich gemeinsam mit einem Freund in Big Walk verbracht habe, boten nicht nur unendliche Unterhaltung, sondern haben auch unsere Freundschaft weiter gefestigt – auch wenn mein Koop-Partner bisweilen extrem frustriert über meine geistigen Aussetzer war oder darüber, dass ich einen wichtigen Gegenstand kurzerhand von einer Klippe beförderte, einfach nur, weil ich es konnte.
Die Reviews auf Steam zeichnen derweil ein ähnlich euphorisches Bild. Der einzige nennenswerte Kritikpunkt, der sich immer wieder herausliest, sind Probleme mit der Lautstärke der Spielerstimmen. Ein Patch, der das behebt, wurde aber bereits ausgerollt.
Eine der größten Überraschungen: Big Walk soll auch mit wildfremden Leuten eine extrem positive Spielerfahrung bieten. Hier eine Auswahl der Steam-Bewertungen:
- AxisKronos™: »Ich kann einfach nicht genug von diesem Spiel bekommen; die Rätsel machen gemeinsam mit Freunden Spaß und das Spiel wirkt sehr entspannend. Aber – und das muss ich wirklich sagen – zufälligen Lobbys über die Codes aus den Foren zu joinen, hat das Erlebnis für mich weit über das Niveau eines bloß coolen Koop-Spiels gehoben. Jeder Server, auf dem ich bisher war, war ein Riesenspaß. Selbst wenn man dasselbe Rätsel schon zum fünften Mal spielt, wird es nie langweilig, weil man den Sieg gemeinsam mit einer neuen Gruppe von Leuten feiern kann, die das Spiel gerade zum ersten Mal erleben.«
- Spiral: »Ein solches Erlebnis wird es wohl für geraume Zeit nicht mehr geben. [...] Dieses Spiel ist etwas ganz Besonderes. Es ist ein wunderschönes, mit viel Liebe zum Detail gestaltetes Erlebnis, geschaffen von Leuten, die genau wissen, wie man Kommunikation – und die besondere Verbindung zwischen Freunden – nutzt und in jedem Moment in den Vordergrund rückt.«
- Rozzy: »Das Spiel ist absolute Spitzenklasse. Herumlaufen, sich verlaufen, versuchen, die Dinge wiederzufinden, die man verloren hat, weil man beim Runterrutschen auf dem Hintern gelandet ist. Die Taschenlampe ständig an- und ausschalten, sich erneut verlaufen (diesmal im Dunkeln) und herausfinden, wie die Dinge funktionieren. Das Abenteuer ist fantastisch!«
Mit Reviews wie diesen kann sich Big Walk ernstzunehmende Hoffnungen machen, bei den diesjährigen Game Awards nominiert zu werden. Erst letztes Jahr konnte sich Peak einen Platz unter den Kandidaten für das beste Multiplayerspiel des Jahres sichern, auch wenn der Preis letzten Endes an Arc Raiders ging.
So abschätzig »Friendslop« auch klingen mag, das Genre kann durchaus mit den großen Titeln mithalten. Mit so phänomenalen Wertungen auch seitens der Spielepresse, könnte Big Walk sogar ein Anwärter auf den begehrtesten Titel der Preisverleihung in L.A. sein, dem »Game of the Year«-Award.
Was sagt ihr denn? Habt ihr das Spiel vielleicht schon selbst gespielt oder bei Streamern gesehen? Wie fällt euer Fazit aus? Schreibt es uns gern in die Kommentare!
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