Bugfest statt Spielspaß
Dazu hat schon Sims 3 gezeigt, dass neue Erweiterungen ab einem bestimmten Zeitpunkt ein echtes Problem wurden. Für jeden durch das Entwickler-Team beseitigten Bug kamen gefühlt zwei neue hinzu, ein voll ausgestattetes Spiel mit allen Erweiterungen wurde eher früher als später zu einem ruckeligen Performancefresser.
Sims 4 leidet selbst als ungemoddete Version inzwischen unter denselben Krankheiten, ich habe das durch einen unschönen Zufall vor einiger Zeit selbst auf die harte Tour gelernt.
Nach einem Umzug auf einen neuen und besseren Rechner hatte ich mir voller Vorfreude Sims 4 samt aller Erweiterungen, Gameplay- und Accessoirespacks installiert, nur um dann festzustellen, dass ich mir von meinem Spielstand auf dem alten Rechner keine Sicherungskopie gemacht hatte. Natürlich war die alte Festplatte längst formatiert.
Meine jahrelang gehegten Familien, meine Alienkolonie: Alles weg! Aber in diesem Verlust lag auch die Schönheit eines Neubeginns auf jungfräulichem Simsboden. Ziemlich schnell musste ich aber feststellen, dass sich trotz eines Spiels ohne jegliche Altlasten und ohne irgendwelche Mods ein guter Haufen Bugs tummelten.
Auch bei mir waren die Inhalte des Hochzeitsgeschichten-Gameplaypacks nahezu unspielbar, obwohl ich hauptsächlich vom Spiel generierte NPCs auf meine Feiern einlud, keine Eigenkreationen. Wenn Sims 4 bei einer frischen Installation und einem neuen Gesamtsave dermaßen hakelt, kann man sich vorstellen, wie das bei Leuten aussieht, die mit ihren seit 2014 aufgebauten Sim-Haushalten unterwegs sind.
Noch mehr neue Erweiterungen dürften das Problem also eher verschlimmern als verbessern: Eine Sisyphusarbeit für das erst im Mai 2024 zusammengestellte Team, das sich hauptsächlich um die technischen Probleme des Spiels kümmert.
1:21:27
Ist Inzoi doch nur ein Grafikblender?
Quo vadis, Sims?
Das Beharren auf der nun zehn Jahre alten Sims-Version hat einen weiteren Haken: Alle neuen Inhalte orientieren sich zwangsläufig an den vorhandenen Mechaniken. Sollte es tatsächlich mal Innovationen für einen frischen Ansatz geben, müssten sich diese dem Spielgerüst unterordnen.
EA hat zwar versprochen, Kernmechaniken zu aktualisieren, aber bislang waren weder die Bugjagd erfolgreich, noch wirkliche Abwechslung in Sicht. Ausnahmen wie die Aufdeckung eines Geheimnisses im Gameplaypack StrangerVille von 2019, die Geisterjagd in Paranormale Phänomene (2021) oder der Ausflug in die Star Wars-Welt in Reise nach Batuu (2020) bestätigen die sonstige Regel von thematisch sortierter Deko plus Fähigkeitenaufbau mit ein paar Extras.
Das konnten auch die zur Terminhatz zwischen Unterrichtsstunden verkommenen Highschool-Jahre (2022) im Stil der Begleitkarrieren aus dem herrlich witzigen, aber ebenfalls buglastigen An die Arbeit! (2015) nicht wirklich rausreißen.
Klar träumen Fans seit vielen Jahren davon, online gemeinsame Sim-Abenteuer zu erleben. Aber tun sie das denn nicht schon, indem sie in Streams, auf Social Media und in YouTube-Videos eigene Geschichten aus ihren Sims-Welten erzählen und ihre liebevoll gehegten Sims mit anderen teilen? Statt das finanzielle Wagnis einer Neuinterpretation der Sims-Mechaniken zu wagen, verlässt sich EA abermals auf den vorhersehbareren und damit investorenfreundlicheren Weg, den Onlinemodus.
Da wirkt die Aussage, EA wolle künftig »neue und innovative Erlebnisse schaffen, die Spielenden entgegen kommen«, wie wohltemperierter Hohn. Statt den eigenen bugverseuchten Keller ordentlich aufzuräumen oder ein neues Haus ohne Kinderkrankheiten zu bauen, werden einfach noch ein paar weitere Liter Zuckerguss über das knirschende Konstrukt gekippt.
Dass mir das Spiel immer mal wieder um die Ohren fliegt, vergesse ich sicher schnell, wenn ich künftig mit einem Beyoncé-Foto Beyoncé-Sims finden kann. Meine erste Reaktion auf die Neuigkeiten zu Sims 5 wird so vermutlich auch weiterhin dieselbe bleiben: Was soll das, EA?

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