Vor ein paar Monaten habe ich mir zum ersten Mal ein richtig teures Smartphone gegönnt: das Xiaomi 15 Ultra. Warum? Wegen der Kamera. Ich fotografiere viel analog, aber das Xiaomi ist meine »Immer-dabei-Kamera«. Es ist schnell zur Hand, liefert top Ergebnisse und ergänzt meine Filmkamera perfekt.
Aber ich habe mich gefragt: Wie sehr hängen wir eigentlich wirklich von diesen High-End-Geräten ab? Was, wenn ich mir selbst den Luxus mal bewusst wegnehme?
Also habe ich ein kleines Experiment gestartet. Zwei Wochen lang habe ich mein 1.300-Euro-Smartphone gegen ein 200-Euro-Handy eingetauscht. Konkret: das Doogee Note59 Pro+. Keine Schummelei. Kein Zweithandy. Einfach volles Commitment: WhatsApp, Bahn-Ticket, Fotos, Arbeit, YouTube – alles über das günstige Gerät.
Und tatsächlich: In einer Kategorie war das günstige Handy meinem Ultra-Smartphone sogar überlegen.
Mein neuer Begleiter: Doogee Note59 Pro+
Technisch ist das Doogee Note59 Pro+ gar nicht so schlecht, wie ich erwartet hatte:
- Prozessor: Unisoc T8200 (6 nm)
- Speicherkonfiguration: 512 / 12 GByte
- Hauptkamera: 50 Megapixel, F/1.8, 1/2.5-Zoll-Sensor
- Frontkamera: 8 Megapixel, F/2.2, 1/4-Zoll-Sensor
- Display: IPS LCD, 6.75 Zoll, 720 x 1600, 260 ppi, 120 Hz, 450 Nits
- Betriebssystem: Android 15
- Akku und Laden: 6.250 mAh, 18 Watt Schnellladen
- Gehäuse: Kunststoff, »Panda Glass«, 168 x 77,5 x 8,6 mm, 199 Gramm
- Konnektivität: Wi-Fi 5, Bluetooth 5.0
Klar, das Gehäuse ist aus Kunststoff und es wirkt in der Hand nicht gerade wie ein Premiumgerät. Aber der erste Eindruck war: »Okay, das ist nicht so schlimm, wie befürchtet.«
Das Gehäuse besteht aus Kunststoff und besitzt keine IP-Zeritifizierung. (Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech)
Was mich wirklich überrascht hat
Akkulaufzeit
Zwei volle Tage Nutzung, ohne Sparmodus und ohne Verzicht. Einfach machen, was man eben so macht. Mein Xiaomi 15 Ultra schafft das leider nur selten. Ich musste mich richtig umgewöhnen, weil ich ständig mit Akku-Nervosität rechne und plötzlich war sie weg. Das Doogee N59 Pro+ hatte mit seinem großen 6.250-mAh-Akku eine herausragende Akkulaufzeit.
120 Hz für unter 200 Euro
Ich hätte nicht gedacht, dass ich auf so einem günstigen Handy ein flüssiges UI bekomme. Aber ja: 120 Hz fühlen sich gut an, auch wenn das Display an sich sonst ziemlich limitiert ist (dazu gleich mehr).
Viel Speicher und sogar erweiterbar
512 GB intern. Plus: microSD-Slot. Die meisten High-End-Smartphones besitzen gar keine Möglichkeit, den Speicher mit einer microSD-Karte zu erweitern und größere Speicherkonfigurationen muss man teuer bezahlen. Warum können die günstigen Geräte, aber High-End-Handys nicht?
Alltag: funktioniert
Ich war auf Social Media, habe Musik gehört, Texte geschrieben, Maps genutzt, Fotos geschossen. Klar, es war alles ein bisschen träger. Apps haben mal ein oder zwei Sekunden länger gebraucht. Aber insgesamt: alltagstauglich. Und das hat mich ehrlich gesagt überrascht.
Was mir wirklich gefehlt hat
Kamera
Ich dachte vorher: »Na ja, wird schon okay sein.« War es aber nicht. Die Fotos waren matschig, die Farben komisch, der Autofokus langsam. Und abends? Vergesst es. Das Xiaomi spielt in einer völlig anderen Liga.
Die zweite Kamera auf der Rückseite ist übrigens nur Zierde. Ich bin mir fast sicher, dass sie gar nichts macht – oder vielleicht nur für Tiefeninfos zuständig ist. Auf optischen Zoom oder eine Ultraweitwinkel-Linse musste ich verzichten.
Die Frontkamera verwendet einen winzigen 1/4-Zoll-Sensor mit 8 Megapixel. Die Fotos sehen aus wie Screenshots einer Webcam.
Positiv gesehen: Die Fotos haben einen gewissen Retro-Charme. (Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech)
Display-Helligkeit
Ich war spazieren und wollte kurz was am Handy checken: schwierig. Bei maximaler Helligkeit (450 Nits) ist das Handy gerade noch alltagstauglich, jedoch habe ich selbst indoor die höchste Stufe genutzt. Und dann die Auflösung: 720 x 1600 Pixel auf 6,75 Zoll? Das ist einfach nicht mehr zeitgemäß.
Ich konnte das erste Mal seit vielen Jahren wieder einzelne Pixel auf dem Bildschirm eines Handys erkennen. Immerhin gibt es in diesem Preisbereich immer mehr Handys mit besserer Pixeldichte.
Verarbeitung
Kein Wasserschutz, kein Gorilla-Glas, kein Metall. Das Handy fühlt sich so an, wie es aussieht: günstig. Für den Preis okay, aber wer sein Smartphone viel benutzt oder öfter mal draußen unterwegs ist, sollte das im Hinterkopf behalten. Das Design der Rückplatte gefiel mir aber sehr gut.
Leistung bei aufwendigen Apps und Spielen
Ich bearbeite oft Fotos auf dem Handy oder schneide kleine Clips. Keine Chance mit dem Doogee. Auch Spiele liefen nur auf niedrigsten Einstellungen. Wer mehr will als Netflix und Instagram, stößt hier schnell an Grenzen.
Mein Fazit
Die zwei Wochen mit dem günstigen Handy haben mir gezeigt: Viele Features, die ich selbstverständlich halte, sind eigentlich Luxus. Man kann mit einem 200-Euro-Gerät durch den Alltag kommen – und zwar besser, als ich dachte.
Trotzdem war ich heilfroh, als ich mein Xiaomi 15 Ultra wieder in der Hand hatte. Vor allem die Kamera hatte ich wirklich vermisst. Wenn euch Fotografie egal ist oder ihr ohnehin eine gute Digitalkamera besitzt, dann ist ein günstiges Handy wie das Doogee Note59 Pro+ ein spannender Spartipp.
Aber für mich bleibt das Fazit: Bei der Akkulaufzeit gewinnt das günstige Handy. In allem anderen bleibe ich dann doch lieber bei der heute exzellenten Mittelklasse oder bei den Flaggschiffen.
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