Wissenschaftler haben 200.000 menschliche Neuronen mit einem Chip verbunden. Und sie haben sie Doom spielen lassen.

Wissenschaftlern gelang es, einem Chip mit menschlichen Gehirnzellen Doom beizubringen.

Nach Pong haben australische Wissenschaftler Gehirnzellen jetzt Doom spielen lassen. (Bildquelle: Cortical Labs) Nach Pong haben australische Wissenschaftler Gehirnzellen jetzt Doom spielen lassen. (Bildquelle: Cortical Labs)

Vergesst smarte Kühlschränke, Taschenrechner oder Ohrringe: Der ultimative »Kann man darauf Doom spielen«-Test hat die Grenzen der Elektronik gesprengt und die Biologie erreicht.

Das Bio-Computing-Unternehmen Cortical Labs hat etwas erschaffen, das direkt aus einem Science-Fiction-Film stammen könnte: In ihrem neuen Neuro-Computer CL1 spielen rund 200.000 lebende menschliche Gehirnzellen auf einem Mikrochip den klassischen Shooter.

Über eine spezielle Schnittstelle wird das Spielgeschehen in elektrische Impulse übersetzt, auf welche die Neuronen reagieren, um den Protagonisten zu bewegen und auf Dämonen feuern zu lassen.

Video starten 19:36 Doom: The Dark Ages ist ein (fast) perfekter Shooter! | Test/Review

Zusammengefasst läuft es so ab:

  • Auf einem Chip haben die Forscherinnen und Forscher rund 200.000 menschliche Gehirnzellen in einer Nährlösung platziert.
  • Das Videobild des Spiels wird in elektrische Impulse umgewandelt, weil die Zellen keine Augen haben.
  • Die Gehirnzellen reagieren auf diese Impulse, etwa einen auftauchenden Dämon auf der linken Bildschirmseite. Sie feuern eigene elektrische Signale ab, um zu kommunizieren.
  • Diese elektrischen Impulse werden gemessen und in Tastaturbefehle, wie »feuern« oder »nach rechts drehen« übersetzt.

Zu Beginn des Experiments spielten die Zellen wie ein Anfänger, der noch nie Doom oder einen anderen Shooter gespielt hat. Mit einer Feedback-Schleife wurde den Zellen mitgeteilt, ob eine Aktion gut oder schlecht war.

Durch dieses Training passten sich die Zellen an und lernten mit der Zeit, im Spiel besser zu werden.

In einem Video zeigen die Wissenschaftler ihr System:

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Das Forschungsteam von Cortical Labs gibt an, das grundlegende Problem der Schnittstelle, also der Kommunikation zwischen den Zellen und dem Computer, gelöst zu haben.

Für die Zukunft haben sie drei Ziele ins Auge gefasst:

  • Verbesserung der Lernfähigkeit der Zellen. Die Forscher möchten herausfinden, wie sie Informationen und Feedback besser vermitteln können.
  • Bewältigung von komplexeren Aufgaben, auch abseits von Videospielen.
  • Öffnung der Plattform für Entwickler, Hacker und Forscher.

Das Experiment von Cortical Labs ist weit mehr als nur ein kurioser Machbarkeitsnachweis für Retro-Gamer. Es liefert einen faszinierenden, wenn auch leicht unheimlichen Blick in die Zukunft des Bio-Computings.

Ganz neu ist der biologische Ansatz übrigens nicht. Bereits vor etwas mehr als zwei Jahren gelang es einer Forscherin, Doom auf Darmbakterien zum Laufen zu bringen.

Um diese Entwicklung rasant voranzutreiben, übergibt das Team das Ruder nun an Entwickler und Forscher weltweit. Wie Dr. Alon Lurl das Projekt so passend schließt:

Die API ist offen, die Cortical Cloud ist offen und die Neuronen sind bereit. Die einzige Frage, die noch bleibt, ist: Was werdet ihr ihnen als Nächstes beibringen?

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