Man kennt es ja: Neue Technik kommt auf den Markt, und irgendwer schafft es immer, sie innerhalb der ersten Woche entweder zu grillen oder ins Jenseits zu flashen. Doch bei Nvidias Flaggschiffen geschieht das vereinzelt fast von selbst.
Denn während sich Spieler eigentlich nur über Framerates und nicht über Feuerschutz Gedanken machen sollten, sorgt die RTX 5090 mit ihrem Stromanschluss in bislang zwei Fällen für brenzlige Situationen – im wahrsten Sinne des Wortes.
Ein Blick zurück
Erinnern wir uns: Vor gut zwei Jahren tauchten erste Berichte über geschmolzene 12VHPWR-Anschlüsse an der RTX 4090 auf. Eigentlich ein Problem, das man aus Sci-Fi-Filmen kennt: Der Reaktor überhitzt!
Doch das passierte tatsächlich – Kabel verschmorten, Stecker verkohlten, und selbst ganze Grafikkarten und Netzteile mussten ihr Leben lassen.
Die Erklärung damals? Schlecht angeschlossene Adapter oder Billigkabel von Drittanbietern. Wer brav die Originalhardware von Nvidia verwendete und diese ordnungsgemäß verbaute, sah sich auf der sicheren Seite – zumindest in der Theorie.
Um auf Nummer sicher zu gehen, wurde nach den Schmelzproblemen der 4090 der 12VHPWR-Stecker verbessert – die Neuauflage wird 12V-2x6 genannt. Sensor-Pins wurden dabei verkürzt und Leiteranschlüsse verlängert, damit sichergestellt ist, dass das Stromkabel richtig sitzt und sich nicht unbemerkt lockert.
Doch jetzt, mit der RTX 5090, geht das Drama in die nächste Runde.
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Warum sind wieder Kabel (fast) geschmolzen?
Eine mögliche Antwort: Der neue Stecker war gar nicht involviert. Die Probleme treten bei Netzteilen mit dem alten 12VHPWR-Anschluss auf. So auch bei Reddit-Nutzer Ivan, dessen RTX 5090 beinahe Feuer fing.
Roman der8auer
Hartung, Hardware-Guru und Hobby-Brandermittler, hat sich das genauer angesehen. Ivan hatte ihm die angeschmolzene RTX 5090 Founders Edition samt verschmortem Netzteil und Kabel zur Verfügung gestellt. Aber auch bei seinem eigenen Testsystem machte er eine Entdeckung, die potenziell ein Fall für den Feuerlöscher ist.
Zwei der sechs Stromleitungen werden viel zu heiß – bis circa 80 Grad. Und an den Steckern selbst? Teils mehr als 150 Grad! Das ist nicht mehr nur warm
, das ist der Moment, in dem man sich fragt, ob die Grafikkarte gleich den Räucherofen ersetzt.
Die Ursache
Obwohl der Stecker korrekt sitzt und deshalb eigentlich kein 12V-2x6-Kabel nötig sein sollte, scheinen einzelne Stromleitungen nicht vollen Kontakt zu haben. Das kann damit zu tun haben, dass Roman als Tester das Kabel oft ein- und aussteckt und es sich daher abgenutzt hat.
Bei dem Kabel des Reddit-Nutzers wiederum, der versichert, ebenfalls alles korrekt verbaut zu haben, kann trotz grundlegend guter Qualität ein Produktionsfehler oder eine ungünstige Kombination aus Goldkontakten und Zinn vorliegen. So oder so ist in beiden Fällen die Konsequenz, dass nicht alle sechs 12-Volt-Kabel gleichmäßig belastet werden.
Und wenn dann ein oder zwei statt sechs Kabel die gesamte Last von bis zu 575 Watt tragen, liegt dort plötzlich eine Stromstärke an, die normalerweise für eine Kleinsäge reicht. Ich spreche hier von bis zu 48 Ampere anstatt acht.
Kein Wunder, dass das Kabel irgendwann in Flammen aufgeht und Netzteil und Grafikkarte gleich mit in den Abgrund reißt.
Ein Problem mit der Platine?
Der wahre Fehler liegt meiner Meinung nach nicht mal unbedingt am Stecker oder am Kabel, sondern am Platinen-Design der RTX 4090 und RTX 5090.
Dort sind maximal zwei Shunts (kleine Widerstände zur Strommessung) für den 12VHPWR-Anschluss verbaut, wenn ich die Bilder der Platinen richtig interpretiere. Trotzdem laufen alle sechs 12-Volt-Leitungen letztlich zu einer zusammen – selbst wenn ein Shunt ausschlägt.
Bei der RTX 5090 Founders Edition ist sogar nur ein Shunt verbaut, weil es keinen Unterschied macht, wenn ohnehin alle Leitungen zusammengeführt werden.
Bedeutet: Die Karte hat keine Ahnung, ob eine einzelne Ader gerade heillos überlastet wird. Abschalten? Fehlanzeige! Stattdessen wird weitergezogen, bis es schmilzt.
Nvidia verlässt sich hier offenbar darauf, dass der überarbeitete 12VHPWR-Anschluss als Sicherheitsmaßnahme ausreicht und alle diesen nutzen.
Früher war das anders: Die RTX 3090 Ti zum Beispiel verfügt über drei Shunt-Widerstände am 12VHPWR-Anschluss für sechs Zuleitungen, die über drei interne 12-Volt-Adern mit den Spannungswandlern verbunden sind, weshalb es bei gleicher Leistungsaufnahme wie bei der RTX 4090 (beide 450 Watt) nie zu Problemen kam.
Und die RTX 5090 zieht sogar bis zu 125 Watt mehr als das Vorgängermodell.
Was mich daran beunruhigt: Man kann sich ohne Überprüfung einfach nicht hundertprozentig sicher sein, dass alles gutgeht. Und ob der verbesserte Stecker das Risiko wirklich restlos eliminiert, bleibt abzuwarten.
Panik ist dennoch unbegründet: Denn vorerst handelt es sich um Einzelfälle, die besonderen Umständen geschuldet sein können, wie ich sie oben beschrieben habe.
Was tun?
Mein Tipp: Falls ihr eine RTX 5090 besitzt, führt einen Stresstest durch – beispielsweise mit 3DMark Speed Way (kostenpflichtig) oder FurMark (kostenlos).
Fühlt dann einfach mit dem Finger an den Ummantelungen von Kabeln und Steckern. Wenn ihr sie nach längerem Betrieb (15 bis 30 Minuten oder mehr) noch problemlos anfassen könnt, ist das ein gutes Zeichen.
Eine Garantie stellt das aber nicht dar, und genau die sollte es in Form unausweichlicher Schutzmaßnahmen meiner Meinung nach geben.
Asus hat etwa bei seiner ROG Astral RTX 5090 OC Edition gleich sechs zusätzliche Shunts verbaut, damit jede Leitung einzeln überwacht werden kann. Eine gute Entscheidung, denn so kann die Karte im Notfall vor Überhitzung warnen und sich gegebenfalls abschalten.
Ich habe Nvidia bereits zu dem Thema kontaktiert. Sollte ich eine aufschlussreiche Antwort erhalten, erfahrt ihr es auf GameStar.de.

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