Vergesst die Wallbox: Mit diesem Gadget ladet ihr euer E-Auto an jeder Steckdose

Ohne Wallbox kein E-Auto – dieses Vorurteil hält sich hartnäckig. Ich habe es an meiner ganz normalen Steckdose am Stellplatz auf die Probe gestellt.

Ihr braucht nicht zwingend eine Wallbox. Ein Ladeziegel wie der NRGkick reicht. Ihr braucht nicht zwingend eine Wallbox. Ein Ladeziegel wie der NRGkick reicht.

Wenn ich erzähle, dass ich mir im Frühjahr 2027 ein E-Auto zulege, kommt fast immer dieselbe Frage: »Und wo willst du laden? Du hast doch gar keine Wallbox.«

Stimmt. An meinem Stellplatz und in meiner Garage hängen nur ganz normale Schuko-Steckdosen, wie in Millionen Garagen, Kellern und Waschküchen.

Ihr denkt jetzt sicher: E-Auto an der Haushaltssteckdose, das ist doch höchstens was für den Notfall (oder gleich ein Fall für die Feuerwehr).

Die Lösung nennt sich mobile Wallbox, oder umgangssprachlich Ladeziegel. Ich hatte die Chance, einen davon auszuprobieren: Mit dem NRGkick aus Österreich habe ich den Kia EV2 geladen, den ich zuletzt zwei Wochen im Hands-on gefahren bin.

Wie viel Strom dabei über Nacht zusammenkommt, hätte ich so nicht erwartet.

Was ist der NRGkick?

Im Grunde ist der NRGkick eine mobile Wallbox, die ihr nicht an die Wand schraubt. Ihr könnt sie überallhin mitnehmen. An einem Ende steckt der Typ-2-Stecker fürs Auto, in der Mitte sitzt die eigentliche Ladeeinheit. Am anderen Ende klickt ihr einen Steckeraufsatz für die jeweilige Steckdose auf.

So kam der NRGkick bei mir an: mit 7,5 Meterm Kabellänge und allen möglichen Adaptern in einer Tragetasche. So kam der NRGkick bei mir an: mit 7,5 Meterm Kabellänge und allen möglichen Adaptern in einer Tragetasche.

Entwickelt und gebaut wird er von Dinitech in der Steiermark. Es gibt ihn mit 16 Ampere (bis 11 kW) oder 32 Ampere (bis 22 kW), als abgespeckte »light«-Version oder als »Pure« mit WLAN, Bluetooth und App ab Werk. Dazu kommen drei Kabellängen: 5, 7,5 und 10 Meter.

Ich hatte den 16A Pure mit 7,5 Metern im Bundle, in dem die Lizenz fürs Solarladen schon freigeschaltet ist. Der Clou: In der Tasche stecken Aufsätze für Schuko, die blaue Campingsteckdose und die rote Starkstromdose. Bei mir lagen zusätzlich der Typ-2-Aufsatz für öffentliche Ladesäulen und eine passende Wandsteckdose bei.

Somit hat man in der Tasche alles, was einem daheim, auf dem Campingplatz oder unterwegs auf Reisen an Steckdosen so begegnen kann. Flexibler geht es nicht.

NRGkick samt Aufsätze für Schuko, blaue und rote CEE-Dose, Typ-2 sowie einem Reiseadapter. NRGkick samt Aufsätze für Schuko, blaue und rote CEE-Dose, Typ-2 sowie einem Reiseadapter.

Einrichtung: Einstecken, piepen, losladen

Die Einrichtung ist kinderleicht, hier könnt ihr nichts verkehrt machen. Schuko-Aufsatz (oder einen anderen Adapter) drauf, rein in die Steckdose, fertig.

Der NRGkick meldet sich sofort mit einem Piepen und leuchtet auf, damit ihr wisst, dass etwas passiert. Die eingestellte Stromstärke zeigt er direkt am Gerät an, ändern lässt sie sich dort über den einzigen Knopf, den es gibt.

Die Stromstärke könnt ihr direkt am Gerät ablesen und einstellen. Bei Schuko-Dosen ist allerdings bei 13 Ampere Schluss. Die Stromstärke könnt ihr direkt am Gerät ablesen und einstellen. Bei Schuko-Dosen ist allerdings bei 13 Ampere Schluss.

Mehr Möglichkeiten habt ihr in der App. Gekoppelt wird per Bluetooth oder je nach NRGkick-Modul auch via WLAN, das ist in ein paar Minuten erledigt.

Zu Beginn tragt ihr euren Strompreis und die Akkugröße des Autos in Kilowattstunden ein. Danach seht ihr jederzeit, welche Spannung anliegt, wie viel Strom fließt, was die Ladung kostet und weitere Statistiken.

10 oder 12 Ampere? Mein Alltag an der Schuko-Dose

Wichtig vorab: Schuko-Steckdosen sind in Deutschland zwar für 16 Ampere ausgelegt, aber nicht für stundenlange Dauerlast. Genau deshalb habe ich mich vorsichtig rangetastet und erst mal mit 10 Ampere geladen, das sind an der 230-Volt-Dose rund 2,3 kW.

Für den Sprung von 82 auf 100 Prozent zeigte mir der Kia daraufhin 4 Stunden und 25 Minuten an.

Das Laden via Schuko ist kein Problem. Wie schnell das Ganze geht, hängt aber nicht nur von der Stomstärke ab, sondern auch vom Akkustand. Das Laden via Schuko ist kein Problem. Wie schnell das Ganze geht, hängt aber nicht nur von der Stomstärke ab, sondern auch vom Akkustand.

Für gerade mal 7,6 kWh ist das zäh. Allerdings ist das auch der langsamste Abschnitt überhaupt, kurz vor voll nimmt jedes E-Auto den Fuß vom Gas. Am bestem ladet ihr einen E-Auto-Akku im niedrigen Bereich um die 10 Prozent, um das Maximum aus der Ladekurve herauszuholen.

Also habe ich auf 12 Ampere hochgedreht, knapp 2,8 kW. Prompt stand eine halbe bis dreiviertel Stunde weniger auf der Uhr.

Steckt euer E-Auto aber nie einfach stundenlang an eine Dose und geht dann weg. Gerade bei den ersten Ladungen solltet ihr zwischendurch an Stecker und Steckdose fühlen. Wird dort etwas spürbar warm, brecht ab und lasst einen Elektriker draufschauen – lieber einmal zu vorsichtig als einmal zu spät.

In der App könnt ihr die Stromstärke sowie das Ladelimit anpassen. In der App könnt ihr die Stromstärke sowie das Ladelimit anpassen.

Mehr als 13 Ampere lässt der NRGkick am deutschen Schuko-Aufsatz übrigens gar nicht zu. Nur an speziellen »Green Up«-Steckdosen, die für Dauerlast gebaut sind, gibt er bis zu 16 Ampere frei.

Bis aufs letzte Prozentpünktchen habe ich nur für den Test geladen. Im Alltag würde ich in der App vom Auto oder direkt vom NRGkick ein Ladelimit von 80 Prozent setzen. Das schont ohnehin den Akku und spart die zäheste Ladephase.

Denn Akkus, das kennt ihr sicher vom Handy, laden auf 80 Prozent fast genauso schnell wie von 80 auf 100.

Der NRGkick samt Schuko-Aufsatz in einer normalen Steckdose. Es funktioniert. Der NRGkick samt Schuko-Aufsatz in einer normalen Steckdose. Es funktioniert.

Reicht das für den Alltag?

Das kommt drauf an. Hängt das Auto 10 bis 12 Stunden über Nacht mit 10 Ampere an der Dose, landen nach Abzug der Ladeverluste rund 20 bis 25 kWh im Akku. Bei meinem Schnitt von 14,7 kWh auf 100 Kilometer wie zum Beispiel im Kia EV2 sind das 135 bis 170 Kilometer.

Pro Nacht.

Für die meisten Pendler reicht die Steckdose damit locker. Und wer mehr fährt, lädt ja nicht jede Nacht von fast leer aus Maximum (NMC-Akkus sollte man ohnehin lieber auf rund 80 Prozent laden).

Für den Akku ist das gemütliche Laden mit 2 bis 3 kW ohnehin mit das Beste, was man ihm antun kann. Stress machen ihm vor allem ständiges Schnellladen und dauerhaft hohe Ladestände, und genau dagegen hilft das Ladelimit.

Und klar: Habt ihr eine blaue oder gar rote Dose, verkürzt sich die Ladezeit drastisch.

Der NRGkick passt mit oder ohne Tasche in euren Frunk oder in den unteren Laderaum. Der NRGkick passt mit oder ohne Tasche in euren Frunk oder in den unteren Laderaum.

Der Haken: Ladeverluste

Langsames Laden hat aber auch einen Nachteil. Denn je langsamer ihr ladet, desto größer ist der Anteil, den das Auto für Bordelektronik, Kühlung und Ladetechnik selbst verbraucht. Ihr habt also Ladeverluste.

Der ADAC hat das 2026 an fünf E-Autos nachgemessen. An der Haushaltssteckdose gingen meist 13 bis 15 Prozent verloren, an der Wallbox mit voller Leistung weniger als 7 Prozent.

Auf ein Jahr gerechnet bleibt das überschaubar. Bei 12.000 Kilometern macht der Unterschied grob 50 Euro aus, eine fest installierte Wallbox kostet mit Elektriker dagegen schnell 800 bis 2.400 Euro.

Den Ladestrom drosseln könnt ihr bei vielen Autos auch direkt im Fahrzeug oder per Hersteller-App. Beim NRGkick habt ihr das aber unabhängig vom Auto selbst in der Hand, am Gerät und in der App sogar in 0,1-Ampere-Schrittchen.

Sicherheit: Die Features, die ihr nicht seht

Der NRGkick hat zudem ein paar coole DSicherheits-Features im Gepäck, die ihr nicht seht, aber dennoch enorm nützlich sind.

Die größte Sorge beim Steckdosenladen ist, dass eine alte Dose unter Dauerlast heiß wird und schmort. Das kann mit dem NRGkick nicht passieren.

Denn im Gegensatz zu einigen Konkurrenzprodukten misst Schuko-Aufsatz die Temperatur an beiden Kontaktstiften. Wird es warm, regelt die Box den Strom selbstständig runter und pausiert im Zweifel ganz. Angst, dass eure Steckdose zum Grillanzünder wird, müsst ihr also nicht haben.

Dazu kommt ein Lichtbogenschutz. Zieht ihr den Stecker mitten im Ladevorgang, kappt der NRGkick den Strom, bevor sich die Kontakte trennen. Sonst können Funken die Kontakte mit der Zeit beschädigen.

Video starten 2:16 Ferrari Luce: So sieht das neue Elektroauto aus Maranello aus

Obendrauf gibt es einen eingebauten Fehlerstromschutz, Über- und Unterspannungsschutz, eine Prüfung auf falschen Anschluss und eine Selbstprüfung bei jedem Start. Das Gehäuse ist wasser- und staubdicht (IP67), schlagfest und laut Hersteller sogar überfahrsicher.

Auch heiße Sommertage sind kein Thema, ausgelegt ist der NRGkick für minus 40 bis plus 70 Grad. Und weil er bei jeder Kleinigkeit piept oder leuchtet, wusste ich immer, was Sache ist. Mich haben diese ganzen Sicherheitsvorkehrungen auf jeden Fall beruhigt.

Lasst eure Steckdose vorher checken

So sicher der NRGkick ist, eure Hausinstallation kann er nicht reparieren. Eine Dose, die stundenlang mit 10 oder 12 Ampere belastet wird, sollte in gutem Zustand sein und idealerweise an einem eigenen Stromkreis hängen.

Lasst das im Zweifel von einem Elektriker prüfen, das kostet einen Bruchteil einer Wallbox-Installation. Meine Dose am Stellplatz hängt an einem eigenen Stromkreis mit eigener Sicherung. So soll’s sein!

Wer ohnehin einen Elektriker bestellt, kann sich auch gleich eine blaue oder rote CEE-Dose legen lassen. Das ist meist deutlich günstiger als eine Wallbox, und an der blauen Dose lädt der NRGkick mit bis zu 3,7 kW. Ich werde mir jedenfalls in meine Garage die blaue Dose verlegen lassen, das reicht für mein Fahrprofil aus.

Das E-Auto daheim laden fühlt sich gut an – und ist meist deutlich günstiger als an öffentlichen Säulen. Das E-Auto daheim laden fühlt sich gut an – und ist meist deutlich günstiger als an öffentlichen Säulen.

Ein Aufsatz für jede Dose

Mich hat vor allem das Schuko-Laden zu Hause interessiert, weil das die Situation der meisten Menschen ohne Wallbox ist. Die eigentliche Stärke des NRGkick ist aber, dass er nicht an diesem einen Ort hängt.

Mit den CEE-Aufsätzen ladet ihr auf dem Campingplatz, im Ferienhaus oder bei den Schwiegereltern in der Werkstatt. Für viele Länder gibt es passende Aufsätze, mit dem Typ-2-Aufsatz klappt es sogar an öffentlichen Ladesäulen ohne festes Kabel.

Die Box erkennt den jeweiligen Aufsatz automatisch und begrenzt den Strom auf das, was dort erlaubt ist. Unterwegs verstaut ihr das Paket im Frunk oder Kofferraum, und zieht ihr um, kommt eure »Wallbox« einfach mit.

Die App: kein Schönling, aber fleißig

Die NRGkick-App gewinnt keinen Designpreis. Sie ist aber funktional und zeigt euch dank WLAN auch von unterwegs Spannung, Stromstärke, geladene Energie und Kosten an.

Darunter steckt eine ganze Menge: Zeitpläne, ein Ladelimit mit automatischem Stopp und Ladeberichte als PDF oder CSV.

Wer eine Solaranlage hat, lädt mit PV-Überschuss, ganz ohne zusätzliche Hardware. In meinem Set war die Lizenz dafür schon dabei, sonst kostet sie extra.

Was mich am NRGkick stört

Ganz makellos ist der NRGkick nicht, auch wenn ich die Kritikpunkte mit der Lupe suchen muss.

Größe und Gewicht. Die Ladeeinheit ist schon ein ordentlicher Ziegel in der Hand. Mit dem 7,5-Meter-Kabel wirkt das Ganze in der Tasche entsprechend wuchtig, und je länger das Kabel, desto fummeliger wird das Ab- und Aufrollen. Wer nah an der Dose parkt, ist mit 5 Metern besser bedient.

Angestaubte App. Wie gesagt: funktional ja, hübsch nein. Die Optik wirkt, als hätte sie ein paar Updates verpasst. Das geht noch etwas besser.

Der Preis. Gemessen an einem simplen Notladekabel ist der NRGkick eher teuer. Wie viel ihr wirklich ausgeben müsst, hängt aber stark von der Variante ab. Hier zahlt ihr auf jeden Fall für die Flexibilität und die ganzen Sicherheitsfunktionen.

Preis und Alternativen

Den von mir getesteten 16A Pure mit PV-Lizenz und 7,5 Metern bekommt ihr ab rund 900 Euro, Aufsätze und Tasche kommen allerdings noch dazu. Die einfachere 16A light im Set mit Schuko- und CEE-Aufsätzen und 7,5 Metern liegt bei rund 850 Euro.

Es geht aber deutlich günstiger. Wer wirklich nur an der Schuko-Dose laden will und mit 5 Metern Kabel auskommt, nimmt die nackte 16A light und kauft nur den Schuko-Aufsatz dazu.

Zusammen sind das aktuell rund 560 Euro. App und WLAN lassen sich später gegen Aufpreis freischalten.

Die wichtigsten Alternativen:

  • Juice Booster 3 air: kompakt, viele Adapter, rund 1.200 Euro
  • Go-e Gemini flex 11 kW: gute App, Adapter extra, rund 550 Euro
  • Mercedes Flexibles Ladesystem Pro: zwei Adapter dabei, rund 900 Euro
  • Green Cell Habu: nur CEE-Stecker, rund 600 Euro

Lasst die Finger von No-Name-Ladeziegeln für unter 200 Euro. Dort fehlt oft schon die Herstellerkennzeichnung, und beim stundenlangen Laden an meiner Hausinstallation wäre mir das persönlich zu unsicher.

NRGkick
NRGkick
Hergestellt in Österreich
Eine günstige Wallbox-Option. Testsieger in der Kategorie Wallboxen bis zu 11 kW.
545 €
go-e Charger Gemini Flex
go-e Charger Gemini Flex
Maximale Flexibilität
Dank verschiedener Adapter-Lösungen kann diese Wallbox an so gut wie jede Steckdose angeschlossen werden.
624 €
Juice Booster 3 air
Juice Booster 3 air
Extrem robust
Funktioniert auch bei extremen Temperaturen und ist überfahrsicher. Auch ein eigener Stromzähler ist mit von der Partie.
1189 €

Fazit: Für wen lohnt sich der NRGkick?

Ich hatte mit einem billig wirkenden Plastikklotz gerechnet. Bekommen habe ich ein durchdachtes, robustes Gerät, bei dem ich an der Steckdose zu keinem Zeitpunkt ein mulmiges Gefühl hatte.

Für mich ist der NRGkick ein Generalschlüssel fürs Stromnetz. Er passt in die Garagendose, an die Campingsäule und an die Starkstromdose beim Nachbarn.

Er lohnt sich für alle, die keine Wallbox haben oder keine wollen und Wert auf Flexibilität legen, für Mieter, die irgendwann umziehen, und für Camper. Wer ohnehin eine Wallbox an der Wand hat und nie verreist, braucht ihn nicht.

Lest auch: Nach 600 Kilometern im E-Auto: Warum meine Sorgen vor der Reichweite völlig unbegründet waren

Lasst euch also nicht einreden, dass ein E-Auto ohne Wallbox nicht funktioniert. Eine geprüfte Steckdose und ein guter Ladeziegel reichen für viele völlig aus.

Ich jedenfalls hänge mein eigenes E-Auto im Frühjahr 2027 ohne Bauchschmerzen an die Steckdose am Stellplatz, ob mit oder ohne neue Ladestelle. Vergesst die Wallbox, zumindest fürs Erste.


Kommentare(0)
Kommentar-Regeln von GameStar
Bitte lies unsere Kommentar-Regeln, bevor Du einen Kommentar verfasst.

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.