Mit knapp über vier Metern Länge ist der EV2 das kleinste Elektroauto, das Kia in Deutschland verkauft. Und auch der Akku ist mit 42,2 kWh eher klein bemessen. Zum Vergleich: Der EV4 bietet beinahe die doppelte Kapazität.
Auf dem Papier klingt das nach viel Kompromiss. Kia verspricht bis zu 317 Kilometer nach WLTP, in der Praxis sind es je nach Fahrprofil und Witterung aber deutlich weniger. Da kann ich euch schon fast murmeln hören: Was will ich denn mit so wenig Reichweite?
Denn klar: Der EV2 ist kein Langstreckenmonster, mit dem man von Greifswald in die Toskana düst. Doch nach zwei Wochen Testfahrt weiß ich: Der kleine Akku ist weniger schlimm, als es auf den ersten Blick scheint – und hat sogar einen Vorteil.
Was ist der Kia EV2 für ein E-Auto?
Der EV2 ist Kias Einstieg in die E-Mobilität: ein kleines Crossover-SUV aus dem slowakischen Werk in Žilina, das sich mit dem VW ID. Polo und dem Renault 5 anlegt. Los geht es bei 26.600 Euro für die Ausstattung Light
.
Die ist allerdings recht mager. Ihr bekommt Stahlfelgen und nur vier Sitzplätze mit fester Rückbank. Abstandstempomat, Spurhalteassistent und Rückfahrkamera sind aber schon hier serienmäßig an Bord.
Mein Testwagen kommt in der Ausstattung Earth
mit fünf Sitzen und fast allen Paketen daher. Damit landet der kleine Koreaner bei schon stattlicheren 37.500 Euro. Welche Pakete ihr davon wirklich braucht, verrate ich weiter unten.
| Technische Daten | Kia EV2 42,2 kWh FWD |
|---|---|
| Leistung | 108 kW (146 PS), 250 Nm |
| Akku | 42,2 kWh (41,0 kWh nutzbar) |
| Reichweite (WLTP) | 317 km (16 Zoll) / 308 km (18 Zoll) |
| Stromverbrauch kombiniert | 15,5 kWh/100 km |
| CO2-Emissionen kombiniert | 0 g/km, CO2-Klasse A |
| Laden DC | bis 118 kW, 10 bis 80 Prozent in ca. 29 Minuten |
| Laden AC | 11 kW (optional 22 kW) |
| Kofferraum | 362 Liter (Viersitzer bis 403 Liter), dazu 15 Liter Frunk |
| Länge | 4,06 m |
| Vehicle-to-Load | bis 3,6 kW (Winter-Connect-Paket) |
| Preis | ab 26.600 Euro (Earth ab 31.300 Euro) |
Innenraum: Fühlt sich nicht nach Billig-Kleinwagen an
Bei einem günstigen Kleinwagen vermutet man vielleicht im Innenraum eine Hartplastik-Wüste. Nicht so beim EV2.
In den Türen trifft Stoffgewebe auf Flächen in Metalloptik, auch die Knöpfchen in der Mittelkonsole und an der Tür setzen auf diesen Mix. Das wirkt wohnlich und deutlich hochwertiger, als ich es in dieser Preisklasse erwartet hätte. Mir gefällt das richtig gut.
Dazu kommen angenehme Stoffsitze, die mir besser gefallen als so mancher Kunstleder-Bezug. Über das Armaturenbrett zieht sich ein breites Display-Band aus zwei 12,3-Zoll-Bildschirmen, dazwischen sitzt die Klimasteuerung. Sieht cool aus und ist gut ablesbar.
Auch das Platzangebot geht für die kleine Kiste völlig in Ordnung.
Kofferraum: Wocheneinkauf ja, Urlaubsgepäck nein
Hinten passen bei dem Fünfsitzer 362 Liter rein. Das reicht für den Alltag wie den Wocheneinkauf dicke aus – bei uns sogar ein Zweiwocheneinkauf für drei Personen, um genau zu sein.
Anders sieht's aus, wenn ihr mehrere Reisekoffer unterbringen oder gar sperrige Gegenstände unterbringen wollt. In meinen Octavia schmeiße ich einfach Urlaubstaschen und Kinderfahrrad rein und es ist immer noch Platz. Beim Kia EV2 muss man da schon erfinderisch werden.
Unter dem Kofferraum habt ihr noch Platz für Notfallkit, Reifenset und so weiter. Das Ladekabel samt Tasche landet dagegen in den nahezu winzigen 15-Liter-Frunk unter der Fronthaube – was anderes würde dort vermutlich ohnehin nicht reinpassen.
Wer flexibler sein will, greift beim Earth
und GT-Line
zum Viersitzer. Hier lassen sich die beiden Rücksitze einzeln verschieben, ganz nach vorn geschoben wächst der Kofferraum auf 403 Liter. Dafür fällt der mittlere Sitzplatz weg.
Der Kofferraum bietet Platz für zahlreiche Einkäufe. Der Frunk ist dagegen recht knapp bemessen. Für ein Ladekabel reicht er aber.
Fahren: Kia-Software, wie ich sie mag
Wer meine bisherigen Kia-Artikel kennt, weiß: Ich mag die Software der Koreaner. Und der EV2 macht da keine Ausnahme.
Mein Highlight bleibt die Rekuperation, die sich über die Wippen am Lenkrad penibel einstellen lässt. Vom sanften Segeln bis zum i-Pedal-Modus, bei dem ich fast nur noch mit dem Gaspedal fahre, ist alles dabei.
Auch der Abstandstempomat samt Lenkassistent hat mir den Alltag spürbar entspannter gemacht. Wie andere Kias tendiert der EV2 dabei gern mal Richtung Mittellinie. Insgesamt bin ich mit den Assistenten aber zufrieden.
Ebenfalls gelungen: das Navi. Es zeigt Lademöglichkeiten direkt auf der Karte an, die Suche nach einer Säule geht dadurch schnell. Eine Einschränkung gibt es jedoch: Beim Earth kostet das Navi extra, es steckt im Technology
-Paket.
Überrascht hat mich jedoch der üppige Wendekreis. Mit rund 11,7 Metern ist der für so eine kleine Kiste erstaunlich groß.
Das allgemeine Fahrgefühl ist E-Auto-typisch einfach nur wunderbar. Geräuschlos, geruchlos, aber nicht emotionslos. Denn die 146 Pferdestärken reichen, um schnell aus dem Quark zu kommen – zumal die Motorleistung sofort bereitsteht, ohne Gangwechsel, ohne Drehmomentaufbau.
Auf der Autobahn konnte ich gut mit dem Verkehr mitfließen und hatte genügend Reserven, um auch mal mit einer 150 zu überholen. Wobei dem kleinen Kerlchen dann die Luft ausgeht und der Verbrauch exorbitant in die Höhe schießt.
Reichweite: Knapp 300 Kilometer im Alltag
Und damit sind wir bei der wichtigsten Frage bei so einem kleinen Akku: Wie weit komme ich wirklich?
Im Oktober bei 10 bis 16 Grad zeigt mir die App einen Gesamtschnitt von 14,7 kWh auf 100 Kilometer bei einer Gesamtstrecke von ungefähr 1.500 Kilometern.
Bedenkt, dass es extrem viele Faktoren den Verbrauch beeinflussen, darunter die Temperatur, Radgröße und Reifen, Topografie, Gewicht, Wind und Witterung. Meine Werte zeigen folgendes Bild:
- Gesamtschnitt laut App (Oktober, 10 bis 16 Grad): 14,7 kWh/100 km
- Stadt und Landstraße: eher 12-14 kWh / 100 km
- Aus Altenberg im Erzgebirge zu mir nach Hause (überwiegend bergab): unter 8 kWh/100 km
- Autobahn bei 120 bis 125 km/h: je nach Wetter und Fahrprofil bis zu 20 kWh/100 km
Für euch heißt das: Im gemischten Alltag sind knapp 300 Kilometer realistisch. Wer täglich 50 bis 60 Kilometer pendelt, muss nur etwa einmal pro Arbeitswoche an den Stecker.
Auf der Autobahn sieht das anders aus. Bei rund 20 kWh schmilzt die Reichweite auf etwa 200 Kilometer zusammen. An der Schnellladesäule ist der EV2 zwar mit bis zu 118 kW in rund 30 Minuten von 10 auf 80 Prozent geladen. Für die 500-Kilometer-Fahrt in den Urlaub heißt das trotzdem: mindestens zwei Stopps.
App: Das Handy wird zum Autoschlüssel
Zu den besten Seiten eines E-Autos gehört für mich das Vorheizen übers Handy. An kühlen Oktobermorgen schalte ich über die Kia-App Klimaanlage, Sitz- und Lenkradheizung ein, bevor ich überhaupt die Schuhe anhabe.
Auch Frontscheibe, Heckscheibe und Außenspiegel lassen sich aus der Ferne beheizen, das Eiskratzen könnt ihr euch im Winter also sparen. Im Sommer funktioniert das Ganze umgekehrt und der Wagen kühlt vor.
Noch bequemer: Das Smartphone ersetzt den Autoschlüssel. Auf- und Zusperren klappt per Handy, den digitalen Schlüssel könnt ihr mit bis zu drei Personen teilen. Wer doch mal unsicher ist, ob er abgeschlossen hat, verriegelt einfach aus der Ferne nach.
Richtig praktisch ist die App beim Laden. Ich sehe jederzeit, wie weit der Akku schon ist, und bekomme eine Mitteilung, sobald er voll ist. So erreichte mich die Nachricht vom vollen Akku, während wir gerade auf der Burg Stolpen unterwegs waren.
Dazu zeigt die App, wo der Wagen steht, und schickt Ziele direkt ans Navi, sofern ihr das Technology-Paket habt. Auch die Verbrauchswerte, um die es gleich geht, lese ich dort ab. Kia stellt die App sieben Jahre lang kostenlos zur Verfügung.
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Laden: Ihr braucht keine Wallbox
Der kleine Akku hat einen Vorteil, der gern übersehen wird. Er ist auch an der ganz normalen Haushaltssteckdose schnell wieder voll.
Ich habe den EV2 zu Hause mit 10 und 12 Ampere an der Schuko-Steckdose geladen. Von komplett leer auf 100 Prozent dauert das etwa 17 bis 21 Stunden. Das klingt lang, nur fahrt ihr den Akku im Alltag ja kaum aufs letzte Prozentpünktchen runter.
Hängt der Wagen über Nacht zwölf Stunden an der Steckdose, kommen grob 25 bis 30 kWh in den Akku. Das reicht für 170 Kilometer und mehr, also für drei Tage Pendeln.
Eine Steckdose in Garage, Keller oder am Stellplatz genügt damit völlig. Lasst sie aber vorher unbedingt von einem Elektriker prüfen. Stundenlanges Laden ist eine Dauerbelastung, für die nicht jede ältere Leitung ausgelegt ist. Auch Steckdosen können schmoren.
Apropos Strom: Der EV2 kann ihn auch abgeben. Per Vehicle-to-Load liefert er bis zu 3,6 kW an externe Geräte, etwa für Kaffeemaschine, Beamer oder Werkzeug. Was damit im Alltag möglich ist, habe ich beim Camping mit dem Kia EV5 ausprobiert.
Welche Ausstattung lohnt sich?
So sah mein Testwagen aus:
- Kia EV2 Earth, 42,2 kWh, Frostblau: 31.290 Euro (Basis Earth) plus 390 Euro Lack
- Winter-Connect-Paket (V2L, Wärmepumpe): 1.390 Euro
- Technology-Paket (Navi, Harman/Kardon, Autobahnassistent): 1.190 Euro
- Design-Paket (18-Zoll-Felgen, Ambientelicht): 990 Euro
- DriveWise-Park-Paket (360-Grad-Kamera, Fernparken): 990 Euro
- 22-kW-AC-Paket: 990 Euro
- Sitz-Paket: 300 Euro
- Gesamtpreis: 37.530 Euro
Nicht alles davon braucht ihr. Das 22-kW-Paket lohnt sich nur, wenn ihr regelmäßig an schnellen AC-Säulen ladet – in der Regel sind aber in der Stadt eher langsamer 11 kW-Säulen verbreitet. Für die Steckdose oder eine 11-kW-Wallbox bringt das Paket ebenso nichts.
Auch das DriveWise-Park-Paket ist bei einem Auto dieser Größe eher Luxus. Wer darauf verzichtet, muss allerdings auch das Design-Paket streichen, denn das gibt es nur in Kombination.
Mal ehrlich: Mit Winter-Connect und Technology-Paket habt ihr alles Wichtige. Damit landet ihr bei rund 33.900 Euro. Nicht wenig, aber abzüglich Förderung könnte der Wagen somit für euch unter die magische 30.000-Euro-Grenze rutschen.
Alternativen
Der direkteste Rivale ist der VW ID. Polo ab 25.000 Euro. Mit 37 kWh und bis zu 334 Kilometern WLTP spielt er in derselben Liga und bietet mit 441 Litern mehr Kofferraum.
Der Renault 5 startet bei rund 26.300 Euro und setzt stärker auf Design. Der EV2 hält mit bis zu 118 kW beim Schnellladen, der 22-kW-Option und den serienmäßigen Assistenten dagegen.
Wer öfter lange Strecken fährt, sollte sich den EV2 mit 61-kWh-Akku (bis zu 453 Kilometer WLTP, ab 33.500 Euro) oder gleich eine Klasse höher anschauen.
Meine Einschätzung
Ich mag den EV2. Er ist kein Auto für alles, will das aber auch gar nicht sein.
Der kleine Kia ist ein Pantoffel: bequem, nicht unbedingt so schick wie ein Sportschuh, aber gemacht für den Alltag statt für die große Wanderung. Wer ein Zweitauto sucht, vor allem in der Stadt unterwegs ist oder täglich zur Arbeit pendelt, bekommt einen hochwertigen, durchaus sparsamen Begleiter, der nicht einmal eine Wallbox braucht.
Mit Familie und Gepäck in den Urlaub würde ich damit dagegen nicht fahren wollen. Dafür sind Kofferraum und Autobahn-Reichweite für mich zu knapp.
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Für meinen Alltag zwischen Homeoffice, Einkauf, Schwimmbad und Ausflügen ins Erzgebirge reicht der kleine Akku locker, zumal die Steckdose in der Garage über Nacht alles wieder auffüllt.
Erst auf der Autobahn merkt ihr, wie schnell 42 kWh weg sind. Und genau das ist die ehrliche Antwort auf die Frage aus der Überschrift: Das beste E-Auto für Pendler ist der EV2 für mich durchaus. Solange ihr nicht auf die Autobahn wollt.
![Mobile Wallbox [1-Phasig]](https://images-toolbox.webediagaming.de/wp-content/uploads/2026/04/Widget-Wallbox-7kw.jpg)
![Mobile Wallbox [3-Phasig]](https://images-toolbox.webediagaming.de/wp-content/uploads/2026/04/Widget-Wallbox-11kw.jpg)
![Mobile Wallbox [3-Phasig]](https://images-toolbox.webediagaming.de/wp-content/uploads/2026/04/Widget-Wallbox-22kw.jpg)
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