Weniger Geld für Solaranlagen: Ich kann die Regierung hier teilweise verstehen, auch wenn es weh tut

Ein neuer Gesetzesentwurf aus dem Wirtschaftsministerium deutet drastische Einschnitte bei der Förderung privater Solaranlagen an. Droht das Ende des profitablen Solardaches?

Kommen trübe Zeiten für private Solaranlagen auf uns zu oder sind die vom Wirtschaftsministerium geplanten Änderungen gar nicht so verheerend? (Bildquelle: GameStar Tech) Kommen trübe Zeiten für private Solaranlagen auf uns zu oder sind die vom Wirtschaftsministerium geplanten Änderungen gar nicht so verheerend? (Bildquelle: GameStar Tech)

Private Solaranlagen sind eine beliebte Möglichkeit, eigenen Strom unabhängig von Gas- oder Ölpreisen zu produzieren. Für Wirtschaftsministerin Reiche ein bisschen zu beliebt: Einem Entwurf für eine Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) zufolge, plant das Wirtschaftsministerium drastische Einschnitte bei der Förderung.

Dieser Arbeitsentwurf aus dem Januar 2026 sieht vier konkrete Einschnitte für kleine Solar-Dachanlagen vor. Balkonkraftwerke sind davon übrigens nicht betroffen - für diese gelten weiterhin deutlich lockerere Regelungen, eine Einspeisevergütung für nicht selbst genutzten Strom gibt es aber üblicherweise auch nicht.

Diese Punkte im EEG sollen sich ändern

Konkret handelt es sich um vier Punkte, die private Solaranlagen betreffen, sowie einen Punkt, der gewerbliche Anlagen anspricht:

  • Für privat genutzte Solaranlagen auf Wohnhäusern mit einer Leistung von weniger als 25 Kilowatt Peakleistung soll es keine Förderung mehr geben. Bislang konnten sich Besitzer einer solchen Anlage für 20 Jahre gesicherte Einspeisevergütungen von 6,73 bis 12,34 Cent pro Kilowattstunde sichern.
  • Generell sollen private Solaranlagen nur noch mit maximal der Hälfte ihrer Peakleistung ins Stromnetz einspeisen, bislang sind es 60 Prozent - mit einem installierten Smartmeter fällt diese Begrenzung momentan sogar ganz weg.
  • Bislang mussten Netzbetreiber den Solaranlagenbesitzern den eingespeisten Strom verpflichtend abnehmen, die EEG-Novelle streicht dieses Privileg und verpflichtet Anlagenbesitzer, sich selbst um einen Abnehmer auf der Strombörse zu kümmern.
  • Kleine Solaranlagen mit weniger als 7 Kilowatt Peakleistung sollen mit der EEG-Novelle verpflichtend ein Smartmeter nutzen.
  • Bonuspunkt für gewerbliche Anlagen: Bislang gibt es für Anlagen über 25 Kilowatt Peakleistung unterschiedlich hohe Fördersätze, in Zukunft soll es vereinheitlichte Fördersätze geben.

In der Solarbranche aber auch bei Elektrikern und Dachdeckern, die sich mit Solarinstallationen ein gutes Nebengeschäft aufbauen konnten und oft auch Personal dafür eingestellt haben, herrscht seit dem Bekanntwerden dieser Stichpunkte helle Aufregung. Killt Ministerin Reiche damit die private Energiewende in Deutschland?

Sind die geplanten EEG-Änderungen gut oder schlecht?

Ich persönlich halte viele kleine bis mittelgroße private Dach-Solaranlagen tatsächlich auch jetzt schon für profitabel, auch wenn es keine Einspeisevergütung geben würde. Die Preise für Anlagen bis 7 Kilowatt Peak sind stark gefallen - vor allem aber auch die Preise für Akkuspeicher. Hier kommt es natürlich auf die richtige Speichergröße, passend zum eigenen Verbrauch und der Wattleistung der Solaranlage, an. Zu kleine Akkus sind mittags voll, wohin dann mit dem Strom?

Photovoltaik ist gar nicht mehr so teuer, vor allem die Preise für Solarpanels sind massiv gesunken. Bisher galt daher: Dach vollmachen. Photovoltaik ist gar nicht mehr so teuer, vor allem die Preise für Solarpanels sind massiv gesunken. Bisher galt daher: Dach vollmachen.

Und genau da würde ein Wegfallen der auch für den Steuerzahler teuren Einspeisevergütung zu einem Umdenken führen können. Statt sich darauf zu verlassen, dass übrig gebliebener Strom sofort Geld bringt, dürfte die Speichergröße wachsen. Und auch ein Elektroauto beispielsweise ist ein Akku, der per Sonne geladen werden kann. Vielleicht ja ein Denkanstoß in Zeiten steigender Öl- und Benzinpreise.

Es ist im Sinne der Netzstabilität, wenn nicht jedes Hausdach ausgerechnet dann maximale Strommengen einspeist, wenn wahrscheinlich eh gerade ein Stromüberfluss das Netz an seine Grenzen bringt. Ein zügiger Netzausbau wäre natürlich sinnvoll, dauert aber.

Trotzdem sehe ich auch viele Kritikpunkte: Dass kleinere Anlagen ein Smartmeter vorgeschrieben bekommen, ist an sich schon eine gute Idee - allerdings kommen die Netzbetreiber jetzt schon nicht mit dem Smartmeter-Rollout hinterher.

Zudem ist ein kompletter Wegfall der Einspeisevergütung eine Meldung, die für Verunsicherung unter potenziellen Solaranlagenkäufern sorgen wird. Mitunter kreisen auch noch veraltete Zahlen zur Amortisation herum: Vor ein paar Jahren waren die Hardwarekomponenten einer Solaranlage noch deutlich teurer beispielsweise. Die Kilowattstunde Peakleistung ist von durchschnittlich 1.000 Euro auf unter 200 Euro gesunken, da Solarpanels sehr preiswert geworden sind.

Direktvermarktung ist eine bürokratische Hürde

Bauchgrummeln erzeugt bei mir auch der Punkt, dass Solaranlagenbesitzer sich selbst einen Abnehmer für die erzeugte Energie suchen müssen. Die meisten potenziellen Stromkunden dürften kein sonderlich großes Interesse an solchen Kleinstverträgen haben, am Ende könnten viele auf dem Strom sitzenbleiben und aus Frust per Nulleinspeisung radikal abriegeln - während anderswo dafür eventuell deutlich teurere Gaskraftwerke einspringen müssen. Schließlich geht es nicht nur um ein paar Watt, in Deutschland haben viele Millionen Häuser bereits Solarpanele verlegt.

Auch Elektroautos sind Akkus, die sich eventuell nutzen lassen, um Solarstrom zu speichern. Hier zapft gerade ein Adapter das Auto an. Auch Elektroautos sind Akkus, die sich eventuell nutzen lassen, um Solarstrom zu speichern. Hier zapft gerade ein Adapter das Auto an.

Der Punkt, der sich nicht an private Anlagen richtet, ist in meinen Augen ebenfalls kritisch zu betrachten: Vereinheitlichte Förderungsbedingungen dürften große und von Energieriesen betriebene Anlagen bevorzugen. Mit steigender Größe sinken die Kosten durch Synergieeffekte und sinkender Komponentenpreise bei größerer Abnahme. Ein Nachteil für kleinere Anlagen, beispielsweise auf Firmendächern.

Fazit: Es ist kompliziert mit der Solarförderung

Der Wegfall einer Einspeisevergütung für neue Solaranlagen (für alte soll es Bestandsschutz geben) könnte, richtig kommuniziert, sogar ein positives Zeichen sein: Schaut, Solaranlagen rechnen sich auch ohne Förderung, so günstig ist die Technologie geworden. Im Umkehrschluss sehe ich den Fokus der Empörung über die geplanten EEG-Änderungen auf diesen Förderungswegfall sogar kritisch: Sagt es doch nur aus, dass Solaranlagen sich ohne Förderung nie rechnen würden.

Mit ausreichend Akkukapazität und Verbrauchern wie Wärmepumpe und Elektroauto wird es sogar immer leichter, die Amortisationszeit zu drücken - vom Vorteil fürs Klima und der Versorgungssicherheit durch selbst erzeugte Energie ganz zu schweigen.


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Andere Punkte auf der Änderungsliste des Wirtschaftsministeriums hingegen klingen wenig sinnvoll oder bewusst zum Vorteil weniger Energieunternehmen ausgelegt. Smartmeter für kleine Solaranlagen? Gerne, dann aber bitte mit einem Plan, wie diese auch zu den Kunden kommen sollen. Bisher klappt das nämlich nicht sonderlich gut. Smartmeter Light, also etwas dümmere, aber problemloser zu installierende Messeinrichtungen, lehnt das Wirtschaftsministerium allerdings ab.

Wer nun angesichts des drohenden Förderstopps seine Strom-Überproduktion auf dem freien Markt loswerden will, dürfte Probleme bekommen: Ich befürchte, dass sich kaum Abnehmer dafür finden lassen werden. Alles in allem sehe ich die EEG-Pläne der Regierung zwar weniger kritisch, Begeisterung bricht bei mir angesichts meiner genannten Kritikpunkte aber auch nicht aus.

Vielleicht entscheiden sich jetzt mehr Menschen für ein bürokratiefreies Balkonkraftwerk an seiner Leistungsgrenze. Ob das dann aber auch in voller Kapazität angemeldet wird?

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