Ich bin für eine Woche vom Galaxy S24 Ultra zum Nokia 3210 gewechselt – das Ergebnis hat mich überrascht

Eine Woche ohne Smartphone in der Tasche. Autor Patrick weiß jetzt, wie es sich anfühlt.

Adieu Galaxy S24 Ultra, hallo Nokia 3210: Für eine Woche war ich nur via SMS und Telefon erreichbar. Adieu Galaxy S24 Ultra, hallo Nokia 3210: Für eine Woche war ich nur via SMS und Telefon erreichbar.

SIM-Karte aus meinem Galaxy S24 Ultra nehmen, Rückklappe des Nokia-Handys öffnen, einstecken.
Mist. Vergessen, die Kontakte zu exportieren. SIM-Karte wieder raus, wieder ins Smartphone rein, aber nun die Kontakte kopieren!

Jetzt aber. Kein Social Media mehr, keine ständige Erreichbarkeit via WhatsApp, Telegram, Signal und Co. Kein Circle to Search, kein S-Pen für schnelle Notizen oder sonstiger Schnickschnack.

Ruhe.

Warum ich das mache? Dafür muss man wissen, wie mein Verhältnis zum Smartphone bisher aussah.

Patrick Schneider
Patrick Schneider

Unser Autor Patrick ist bei GameStar Tech hauptverantwortlich für den Bereich Smartphones.
Damit beschäftigt er sich nicht mehr nur privat, sondern auch beruflich mit dem Thema. Sein erstes Smartphone, das HTC Desire HD, hat er 2010 in den Händen gehalten. Seitdem ist er selten längere Zeit ohne Smartphone und meist immer erreichbar. Für eine Woche änderte sich das schlagartig – mit positivem Ergebnis.

Wie viel Zeit verbringe ich normalerweise am Handy?

Die meiste Zeit auf meinem Smartphone verbringe ich damit, Nachrichten aus aller Welt zu lesen, über meine Hobbys rund um Computerspiele, Kameras und ja, auch über Themen rund um Smartphones und Smartwatches.

Gleich dahinter – so sagt es mir das Smartphone – verbringe ich meine Zeit mit Messenger- und Social-Media-Diensten wie WhatsApp und Instagram. Ich bin ständig erreichbar und habe das Smartphone die meiste Zeit griffbereit in meiner Nähe. Keine WhatsApp-Nachricht entgeht mir.

Ich gebe zu: Manchmal scrolle ich auch sinnlos durch Instagram. Schließlich kann das nächste Reel noch lustiger sein als das letzte. Das Belohnungssystem zeigt zumindest bei mir Wirkung.

  • Auch Streamingdienste wie YouTube und Spotify werden häufig als Medienquelle genutzt, um Videos zu schauen oder Podcasts zu hören.
  • Wenn ich unterwegs bin und meine Kamera gerade nicht dabei habe, zücke ich auch das Smartphone für den einen oder anderen Schnappschuss.

Ihr merkt es vielleicht selbst: Das Smartphone ist tief in meinem Alltag verwurzelt. Und dann sind da noch die ganzen Komfortfunktionen wie Online-Banking, Navigation, Kochrezepte oder der digitale Einkaufszettel. Aber auch KI-Funktionen, die mein aktuelles Smartphone mitbringt, werden genutzt.

In Zahlen ausgedrückt: Ich verbringe täglich zwischen zwei und fünf Stunden mit meinem Handy. Eine Woche ohne Smartphone? Geht nicht. Dachte ich zumindest bisher.

Das Nokia 3210 als Ersatz für eine Woche

Das neue alte Nokia 3210. Das neue alte Nokia 3210.

Ich war neugierig: Wie fühlt es sich an, eine Woche ohne Smartphone zu verbringen, ohne das Gefühl, ständig am Smartphone zu hängen? Das neu aufgelegte Nokia 3210 ist ideal für dieses kurze Experiment. Man könnte (!) das Nokia in die Kategorie der Dumbphones einordnen, auch wenn das Handy mehr kann.

Was sind Dumbphones? Dumbphones sind einfache Mobiltelefone, die sich auf Grundfunktionen wie Telefonieren und SMS beschränken. Sie bieten keinen Zugang zu Anwendungen oder sozialen Medien.

Sie erfreuen sich vor allem in den USA großer Beliebtheit bei Menschen, die eine einfache und weniger ablenkende Technologie bevorzugen und sich von der ständigen Vernetzung, die mit den heutigen Smartphones verbunden ist, lösen wollen.

Wenn ich mein neues Handy zum ersten Mal einrichte, merke ich schnell, wie sehr ich mich der heutigen Smartphone-Ära angepasst habe. Das Nokia geht nicht an, woran liegt das?

In der Verpackung befindet sich noch ein separater Akku, der erst in das Handy eingesetzt werden muss. Ups.

Dann kann der Spaß auch schon losgehen. Naja, im Grunde geht »nichts« los. Das Nokia 3210 beschränkt sich auf die Stärken längst vergangener Tage: SMS und Anrufe, sofern mich überhaupt jemand auf diesem Wege erreichen will.

Will ich Kontakt aufnehmen, muss ich auf die gute alte T9-Tastatur zurückgreifen, die nach mehr als 15 Jahren komplett aus meinem Muskelgedächtnis gelöscht wurde. Das Tippen dauert länger und ist umständlicher, als ich es in Erinnerung habe.

Was gibt es sonst noch über meinen neuen Begleiter zu berichten? Auf dem Nokia kann man Snake spielen, kein Witz! Das macht genauso viel (oder wenig) Spaß wie früher.

Mit der 2-Megapixel-Kamera lassen sich auch kleine Schnappschüsse machen, Retro-Look inklusive. Schaut euch an, wie sich die Fotografie auf dem Smartphone entwickelt hat:

Außerdem besitzt das Nokia 3210 Mobilfunkempfang über LTE, das heißt: Ihr könnt theoretisch ins Internet. Glaubt mir, wenn ich euch sage: Das wollt ihr nicht.

Zwar bin ich frei von dem Gefühl der 2000er-Jahre, beim Öffnen des Internets Millionenschulden bei seinem Provider zu hinterlassen, aber die Ansicht und die Tatsache, dass man auf T9 tippen muss, machen jede Freude über den Internetzugang gleich nach dem Start wieder zunichte.

Wann muss das Handy an die Steckdose? Mit dem 1.450-mAh-Akku habe ich etwa fünf Tage durchgehalten, dann musste ich das Handy wieder aufladen. In der Zeit habe ich das Nokia hauptsächlich zum Telefonieren und als Wecker benutzt.

Eine Woche ohne Smartphone - so ist es gelaufen

Die ersten beiden Tage waren Nostalgie pur. Plötzlich sind bei der Nutzung auch Erinnerungen hochgekommen – an eine Jugendsünde: die eingeschlichene Gewohnheit des Rauchens, feste Routinen, wann ich mir eine Zigarette in den Mund stecke.

Aber die Woche ohne Smartphone hieß auch Umstellung: Eigentlich ist es Teil meiner festen Morgenroutine, die Nachrichten aus Politik, Welt und Technik zu lesen. Der Swipe nach links geht sonst fast wie im Schlaf. Den Wetterbericht lese ich leider auch nur auf dem Laptop. Ohne Smartphone beginnt mein Tag also schon morgens ungewohnt anders.

Wenig präsent war tatsächlich die ständige Erreichbarkeit über Kurznachrichtendienste, im Gegenteil: Durch die ungewohnte »Ruhe« machte sich langsam Begeisterung breit.

Im Notfall kann auch mein Handy klingeln, Familie und Freunde haben schließlich meine Nummer. Alle anderen Nachrichten sind nebensächlich. Es tut gut, nicht ständig erreichbar zu sein. Wer ruft 2024 schon an oder schickt eine SMS?

Richtig, kaum jemand.

Das habe ich während der sieben Tage gelernt

Am Ende der Woche steht die Erkenntnis: Eigentlich fehlt mir nichts. Wenn ich informiert bleiben will, nutze ich meine Zeit und greife bewusst zum Laptop. Habe ich genug Nachrichten konsumiert, klappe ich das Gerät wieder zu.

Wie oft habe ich schon unbewusst auf dem Smartphone gescrollt, wollte eigentlich das eine prüfen und habe mich dann vom anderen ablenken lassen. »Verdammt, wo ist die Zeit hin?« Wer kennt das nicht.

Ich achte viel mehr auf das, was hier und jetzt passiert.

  • Schaue ich Serien oder Filme mit langweiligen Passagen, greife ich nicht zum Smartphone, um kurz die Nachrichten zu checken.
  • Sitze ich an meinem Windows-PC, spiele ich ausschließlich oder lese Nachrichten ohne jegliche Ablenkung. Wo das Handy währenddessen ist, weiß ich oft nicht.
  • Sitze ich im Restaurant, beobachte ich meine Mitmenschen, wie sie mit ihrem Smartphone Fotos vom Essen machen oder allgemein in ihr Gerät vertieft sind. Ich kann mein Handy höchstens auf neue SMS-Nachrichten überprüfen.

Was habe ich wirklich vermisst?

Das Smartphone kann mittlerweile ganz schön fies sein, wenn es um Ablenkung geht. Nicht umsonst haben fast alle Smartphone-Hersteller sogenannte Fokus-Modi implementiert, um bei der Arbeit oder anderen Tätigkeiten nicht unnötig abgelenkt zu werden.

Egal ob iPhone oder Android: Die Navigation am Smartphone ist mittlerweile essenziell für mich. Egal ob iPhone oder Android: Die Navigation am Smartphone ist mittlerweile essenziell für mich.

Man mag die smarten Geräte verteufeln, aber sie haben auch ihre praktischen Seiten, die im Alltag durchaus ihren Nutzen finden. Das ist neidlos anzuerkennen.

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  • Lesen: Ich verbringe die meiste Zeit am Smartphone damit, Nachrichten zu lesen. Das hat mir natürlich gefehlt.
  • Navigation: Wer hat noch ein Navigationsgerät zu Hause? Das Handy bringt mich immer ans Ziel und das ist für mich unverzichtbar geworden.
  • Musik hören: Während der Arbeit und abends beim Kochen konnte ich mein Smartphone nicht mit meiner Musikbox verbinden, um Musik oder Podcasts zu hören. Das habe ich ziemlich vermisst.
  • Einkaufsliste und Rezepte: Mit meiner Partnerin teile ich eine digitale Einkaufsliste, was sehr praktisch ist. Außerdem sind viele meiner Lieblingsrezepte auf dem Handy gespeichert. Klar, beides geht auch mit Stift und Papier. Im Notfall könnte man auch darauf verzichten.

Fazit: Ich werde es wiederholen

Patrick Schneider

»Eine Woche ist nicht lang!«. Für einige mag das mit Sicherheit stimmen, aber nicht für mich. Es war nicht das erste Mal, dass ich mein Smartphone bewusst für mehrere Tage zur Seite gelegt habe, aber nicht für eine ganze Woche und nicht im geregelten Alltag.

Ich werde meine Smartphone-Kur wiederholen, vielleicht wieder eine ganze Woche, vielleicht auch länger, aber vor allem im nächsten Urlaub. Das Abschalten von der ständigen Erreichbarkeit ist für mich der größte Gewinn und nach ein paar Tagen wird klar: Eigentlich fehlt mir nichts.

Was habe ich jetzt davon? Mein Smartphone ist nicht mehr ständig griffbereit, Social-Media-Apps wie Instagram sind vom Startbildschirm verschwunden und mein Homescreen ist auf die Apps beschränkt, die ich wirklich brauche.

Ich »verschwende« heute weniger Zeit am Smartphone mit sinnlosem Scrollen. Alleine dafür hat sich die Woche mit dem Nokia für mich gelohnt.

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