Kaum eine Technologie hat in den letzten Jahren einen so großen Siegeszug hingelegt, wie Balkonkraftwerke. Von ca. 61.000 im Jahr 2022 gemeldeten Anlagen ging es auf über 786.000 im Jahr 2024 auf aktuell über 1,4 Millionen. Alleine im ersten Halbjahr 2026 kamen gut 200.000 neue Anmeldungen dazu. Die Dunkelziffer dürfte noch einmal deutlich höher liegen.
Andere Länder folgen gerade: Die britische Regierung gibt Balkonsolar ab diesem Sommer auch für die Bürger frei, in den USA steht Kalifornien kurz davor. Und im Gegensatz zu früher kommen heute in vielen Fällen gleich Balkonkraftwerke mit Akku zum Einsatz.
Genug Anreiz für die großen Hersteller, die Systeme weiterzudenken. Die neuesten Entwicklungen von Anker, Zendure und EcoFlow verfolgen dabei einen ähnlichen Ansatz: Sie lassen die Grenzen zwischen Balkonkraftwerk und Dach-PV verschwimmen und schaffen damit neue Möglichkeiten für Einsteiger wie für Besitzer bestehender Anlagen.
Dach oder Balkon, das macht bald keinen Unterschied mehr
Für Singlebewohner energiesparender Wohnungen mit winzigem Balkon ist diese Entwicklung zwar weniger interessant - wer aber Platz für vier oder mehr Solarmodule erübrigen kann, bekommt spannende neue Möglichkeiten geboten.
Vorher aber noch kurz ein Abstecher, was ein Balkonkraftwerk überhaupt ist und warum da neuerdings ein Akku dazugehört. Ein Balkonkraftwerk ist eine einfache Solaranlage bestehend aus einem oder mehreren Solarmodulen und einem Wechelrichter, der den Solarstrom fürs Stromnetz umwandelt und einspeist. Bis zu 800 Watt (VoltAmpere) sind als Einspeiseleistung erlaubt.
Details zu den Begriffen und Regulierungen bietet euch dieser Artikel:
Da ein Balkonkraftwerk aber stur dann einspeist, wenn die Sonne scheint - und viele von euch dann wahrscheinlich bei der Arbeit, der Uni oder im Freibad sein dürften, kommt der Akku ins Spiel. Hier wird überschüssiger Strom gespeichert und abends oder in der Nacht eingespeist.
Hier war die Entwicklung der letzten Jahre bereits spannend: Preislich gab es einen massiven Absturz beispielsweise. Vor wenigen Jahren kostete eine Kilowattstunde Akkukapazität gut 1.000 Euro, heute bekommt ihr dafür schon 4-5 Kilowattstunden. Und auch die Features wurden interessanter: Bessere Einspeisekontrolle, Unterstützung von Smart-Metern für Nulleinspeisungen, AC-Notstromsteckdosen mit steigender Leistung, um nur einiges zu nennen.
Preis pro kWh Heimspeicher (ca.):
2022 ████████████████████ ~1.000 €
2023 ███████████████ ~700–800 €
2024 ██████████ ~500–600 €
2025 ███████ ~350–450 €
2026 ████ ~200–300 €
Aber mehr als 800 Watt einzuspeisen geht einfach nicht. Wenn der Herd, die Waschmaschine oder der Geschirrspüler laufen, wird doch noch der Großteil der Energie aus dem Netz bezogen. Das kostet nicht nur Geld, mich nervt auch, dass das in ungünstigen Zeiten bedeutet, dass mehr Gas und Kohle verbrannt werden muss.
Im Grunde lässt sich jetzt schon mit einem Akku-Balkonkraftwerk einer kleinen oder älteren Dach-PV-Anlage Konkurrenz machen. Bei mir beispielsweise stehen acht Solarpanels auf der Garage und rund ums Haus herum, die zwei Akkusysteme speisen - dank einer gemeinsamen Kontrolle darüber speist jedes System maximal 400 Watt ein, um die 800-Watt-Regel nicht zu brechen. Mehr Strom gibt es per Notstromdose, die an sonnigen Tagen sogar mein Auto lädt.
Anker, Zendure und EcoFlow verfolgen einen ähnlichen Ansatz
Rund um die Intersolar, einer Fachmesse in München, stellten drei der größten Hersteller von Akku-Balkonkraftwerken ihre neuen Produkte der gehobenen Leistungsklasse vor. Erstaunlich ist dabei, wie ähnlich sich die Ansätze sind: Alle drei lassen die Grenzen zwischen Balkonkraftwerk und Dach-PV verschwimmen und bauen gleichzeitig die Speicherkapazitäten deutlich aus.
| EcoFlow Stream 5000 | Anker Solarbank 4 Pro | Zendure SolarFlow 4000 Mix Pro | |
|---|---|---|---|
| Max. Einspeisung | 2.300 W | 2.500 W | 4.000 W |
| Max. PV-Leistung | 5.000 W | 5.000 W | 8.000 W |
| Max. Akkukapazität | 45 kWh (5 kWh Basis) | 30 kWh (5 kWh Basis) | 50 kWh (8 kWh Basis) |
| Besonderheit | flexibler Aufbau | klassische BKW-Erweiterung | String-Technik, Dach-PV-Anbindung |
| Preis | ca. 2.000 € | ca. 2.000 € | ca. 2.900 € |
Alle Systeme lassen sich weiterhin per Schuko-Stecker als klassisches Balkonkraftwerk mit bis zu 800 Watt Einspeiseleistung betreiben. Zusätzlich besitzen sie aber einen dedizierten Ausgang für deutlich höhere Leistungen. Dafür muss allerdings ein Elektriker eine spezielle Einspeisesteckdose installieren und prüfen, ob die vorhandene Leitung die dauerhaft höhere Leistung überhaupt verträgt.
Damit überschreiten die neuen Systeme bereits eine wichtige Grenze zur klassischen Dach-PV: Während Balkonkraftwerke bislang ohne Elektriker installiert werden konnten, ist für die neue Leistungsklasse ein Fachbetrieb erforderlich. Im Gegenzug bleiben sie bei Speicher- und Wechselrichterkosten günstiger als viele klassische Heimspeicher und lassen sich – je nach Hersteller – auf bis zu 50 Kilowattstunden Akkukapazität erweitern.
Ein gemeinsames Ziel, unterschiedliche Wege
Die Gemeinsamkeiten enden allerdings bei der grundsätzlichen Idee. Zendure orientiert sich deutlich stärker an klassischen Dach-PV-Anlagen. Statt wie üblich ein Solarmodul pro PV-Eingang anzuschließen, setzt das Unternehmen auf sogenannte Strings. Mehrere Solarmodule werden dabei in Reihe geschaltet und gemeinsam an einen Eingang angeschlossen. Das eignet sich vor allem für größere, zusammenhängende Dachflächen, weniger jedoch für den oft etwas improvisierten Modulmix eines Balkonkraftwerks.
Anker und EcoFlow bleiben dagegen den klassischen Balkonkraftwerk-Konzepten treuer. Hier wird weiterhin jedes Modul einzeln angesteuert, was beim Aufbau mehr Flexibilität bietet.
Auch bei der Einspeiseleistung zeigen sich Unterschiede: EcoFlow liefert bis zu 2.300 Watt, Anker bis zu 2.500 Watt und Zendure mit dem SolarFlow 4000 Mix Pro sogar bis zu 4.000 Watt. Gerade Zendure nähert sich damit deutlich stärker einer klassischen Dach-PV-Anlage an als die beiden Konkurrenten.
Zusammengefasst:
- Mit Balkonsolar starten, nach und nach zur immer größeren PV-Anlage erweitern
- Große Akkukapazitäten auch später möglich, wenn sich die Anforderungen ändern
- Einspeiseleistung wächst auf Wunsch von 800 Watt auf bis zu 4.000 Watt
- Das benötigt allerdings einen Elektriker für eine spezielle Einspeisedose
Was bedeutet das im Alltag?
Vor allem die Aufrüstbarkeit steigt erheblich. Wer heute mit zwei Solarmodulen beginnt, kann später problemlos auf bis zu 5.000 Watt PV-Leistung bei Anker und EcoFlow beziehungsweise sogar 8.000 Watt bei Zendure erweitern.
Zendure geht noch einen Schritt weiter: Das System lässt sich sogar an einen bestehenden Dach-PV-Wechselrichter anbinden und damit als Speichererweiterung einer vorhandenen Solaranlage nutzen.
Auch die Akkus wachsen deutlich. Während ältere Balkonkraftwerke oft ohne oder nur mit kleinen Speichern auskommen mussten, lassen sich die neuen Systeme auf bis zu 30 Kilowattstunden (Anker), 45 Kilowattstunden (EcoFlow) beziehungsweise 50 Kilowattstunden (Zendure) ausbauen. Das reicht je nach Verbrauch für mehrere Tage ohne Netzbezug.
| 2022 | 2026 |
|---|---|
| 600 W Einspeisung | 800 W oder bis 4.000 W mit Einspeisedose |
| 1–2 Module | bis 8.000 W PV |
| kaum Speicher | bis 50 kWh |
| keine Notstromversorgung | Notstrom und Smart Meter |
| kaum Erweiterbarkeit | Hybrid aus Balkonkraftwerk und Dach-PV |
Interessant sind schließlich auch die Preise. Je nach Hersteller starten die Systeme bei rund 2.000 Euro und reichen bis etwa 2.900 Euro. Dafür gibt es im Fall des Zendure SolarFlow 4000 Mix Pro bereits 8 Kilowattstunden Speicher, einen leistungsstarken String-Wechselrichter und Einspeiseleistungen, die sich einer klassischen Dach-PV deutlich annähern.
Balkonsolar wird damit erwachsen, gleichzeitig wird die klassische Dach-PV flexibler. Sollte die Einspeisevergütung künftig weiter an Bedeutung verlieren, werden große Akkus immer wichtiger – denn dann lohnt es sich, möglichst viel des selbst erzeugten Stroms auch selbst zu verbrauchen.
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