Seit vier Jahren nutze ich ein Balkonkraftwerk, seit etwas über einem Jahr steht ein Elektroauto in der Garage. Schade nur, dass so ein Balkonkraftwerk das Auto mit seinen bescheidenen 800 Watt Ausgangsleistung nicht eigenständig laden kann. Da hängt ja auch noch die Hauselektronik dran, viel Überschuss gibt es da nicht.
So richtig in Ruhe gelassen hat mich das Thema allerdings dann doch nicht. Hey, eine eigene Tankstelle auf der Auffahrt haben undkostenlos Sonnenstrom tanken können? Das hätte doch was! Da wir hier aber nur zur Miete wohnen, können wir nicht einfach das Hausdach mit Solarmodulen voll knallen und nebenbei die gesamte Strominstallation umbasteln. Was tun? Die neue Generation Balkonsolar mit Akku und Notstromfähigkeit eröffnet endlich bisher nicht vorhandene Möglichkeiten.
Balkonkraftwerk und E-Auto? Das klappt doch nie!
Eine der regulatorischen Besonderheiten von Balkonkraftwerken ist die Begrenzung auf 800 Watt Einspeiseleistung. Mehr gibt's nicht, wenn das System bürokratisch bevorzugt behandelt werden soll - ihr also weder einen Elektriker noch umfangreiche Anmeldebürokratie heraufbeschwören wollt. Ebenfalls sehr praktisch: Ein Balkonkraftwerk gilt als privilegierte Maßnahme und darf von Vermietern ohne wirklich gute Gründe nicht abgelehnt werden.
Ein Kompromiss ist die größere Ausbaustufe von Balkonsolar: Bis zu 7.000 Watt an Peak-Solarmodulleistung ist bei maximal 800 Watt Einspeiseleistung sogar ohne den Einbau eines Smart Meters erlaubt, dann aber mit verpflichtender Einspeisesteckdose (also einem Elektrikerbesuch, lasst den bei der Gelegenheit gleich noch ein Smart-Meter-light wie das Shelly EM3 Pro einbauen) und etwas mehr Formulararbeit für die Netzagentur.
Ihr wollt mehr über Balkonkraftwerke und ihre Regularien wissen? Wir haben da einen umfangreichen Artikel für euch.
Und natürlich ist mir bewusst, dass eine solche Lösung nicht für jeden funktioniert. Das E-Auto muss schon in Stromkabelreichweite zum Akkusystem geladen werden können, es muss Platz für die Solarmodule vorhanden sein und so weiter - aber wer die Möglichkeit hat, findet vielleicht ja eine Inspiration fürs eigene Solar-Carport.
Mit den 800 Watt lädt so ein Auto trotzdem nicht wirklich
Der Trend, Balkonkraftwerke gleich mit einem Akku auszustatten, um den Sonnenstrom auch in den Abend- und Nachtstunden nutzen zu können und generell um weniger Strom zu verschenken, spielt meinem Tankstellenplan aber in die Hände. Diese Akkus speichern zwar im Auto-Kontext nicht viel mehr als in einen kleinen Reservekanister an Benzinkilometern passt, dafür will ich sie aber gar nicht einsetzen.
Viel praktischer ist ein weiterer Trend, nämlich der zur Notstromsteckdose am Akku. Bei Blackout funktioniert ein Balkonkraftwerk nämlich nicht, es braucht ein funktionierendes Stromnetz, um arbeiten zu können. Ein zusätzlicher Wechselrichter im Akku sorgt aber nun bei immer mehr Produkten dafür, dass an einer AC-Steckdose am Akku Strom entnommen werden kann. Und daran lässt sich ein simpler AC-Ladeadapter für Elektroautos anschließen.
45:02
Balkonkraftwerk für Gamer: Lohnt sich das?
Mein Plan: Viele Solarmodule und geringe Ladeleistung
Ein solcher Ladeziegel ist schon vorhanden, das Modell von GoNeo gehört zu den flexiblen Varianten, bei denen sich die Leistung einstellen lässt. Bedeutet: Der Adapter zieht nicht immer stumpf seine maximale Leistung von über 3 kW aus der Steckdose. Die Einstellung beginnt bei 6 Ampere und endet bei 16 Ampere. Kleiner Physikausflug: Bei 220 Volt ergibt sich bei 6 Ampere eine Ladeleistung von 1,38 kW, bei 16 Ampere sind es 3,68 kW. Da auf dem Weg ins Auto noch Verluste auftreten, schwankt die Range dessen, was im Autoakku ankommt, aber eher zwischen 1,1 und 3,2 kW, während die höheren Nettowerte aber tatsächlich angefordert werden.
Eine Notstromdose, die nur 1.200 Watt ausgeben kann, was aktuell auf die Mehrzahl der Balkonsolar-Akkus mit AC-Ausgang zutrifft, würde also selbst bei der kleinsten Einstellung nicht ausreichen. Wer jetzt aber ein aktuelles Modell kauft, hat gute Chancen auf eine Ausgangsleistung von 2.400 Watt. Ich nutze für mein Experiment die Zendure SolarFlow 2400 Pro, da diese Leistung dort gegeben ist und das System auch eine anständige Solarladung mit bis zu 4x750 Watt bietet. Mein Tipp für den Kauf von PV-Modulen: Sucht in eurer Umgebung, per Kleinanzeigen beispielsweise. Das spart die horrenden Versandkosten.
Nutzen kann ich die Peak-PV-Leistung allerdings nicht, meine Panels schaffen maximal 440 Watt pro Modul, unter Idealbedingungen also 1.760 Watt. Das sollte reichen, um das Auto mit 1,3 kW laden zu können, bei schlechterer Sonne kann der vorab solar geladene Akku die Differenz beisteuern.
Balkonkraftwerk als E-Auto-Tankstelle: Lösbare Probleme
Beim ersten Versuch im Inselbetrieb, also ohne dass der Akku mit dem Hausstromnetz verbunden ist, lieferte der Ladeadapter jedoch nur eine Fehlermeldung. Ein Blick ins Handbuch zeigte: Keine Erdung vorhanden.
Übersetzt bedeutet das: Bei einer Fehlfunktion besteht im Inselbetrieb weniger Schutz, was den Ladeadapter zur Notabschaltung bewegt hat. Sinnvoll. Allerdings misst der Ladeadapter nur einmal, beim Anstecken. Trennt man also den Akku danach erst vom Stromnetz, arbeitet alles einfach weiter. Da aber dauerhaft recht hohe Leistungen fließen, ist das wohl keine Lösung, die einen Elektriker (oder die Versicherung im Falle eines Falles) wirklich überzeugen könnte.
Schade, ich hatte gehofft, um ein Stromkabel zum Haus herumkommen zu können. Das ginge sicherlich, wäre aber unbequem und aus Sicherheitsgründen bestenfalls fragwürdig. Da das Setup aber später eh in der Garage stehen soll, kein Problem. Beachtet das aber, solltet ihr ein Solar-Carport ohne Netzanschluss planen.
Die Realität: Funktioniert, ist aber langsam
Die Wolken schieben sich zur Seite, die Sonne strahlt kräftig und tatsächlich liefern die Solarzellen am Zaun über 1.000 Watt. Noch nicht genug, um das Auto nur damit zu laden, die Differenz steuert der Akku bei. Dessen 2,5 Kilowattstunden Kapazität würden ohne Solarunterstützung nur für wenige nachgeladene Kilometer reichen - da aber die Sonne die primäre Arbeit übernimmt, sind trotzdem mehrere Stunden Autoladen selbst bei zu schwacher Sonne möglich.
Sogar an bewölkten Tagen kam oft noch genug Energie für 20-30 Kilometer im Auto an, an wolkenfreien Sommertagen dürfte es dann auch mehr als nur die Einkaufsfahrt geladen werden.
Das dauert natürlich, mit 1,1 kW Ladeleistung lässt sich selbst dann, wenn das Auto den ganzen Tag per Sonne laden kann, kein leerer Akku komplett füllen. Eine Schnellladesäule wäre zwischen 50 und 300 Mal schneller. Aber wie oft ist der Akku tatsächlich komplett leer gefahren? Meistens laden wir nur wenige Prozent in der Nacht, so eine Fahrt meines Sohnes zur Ausbildung und zurück lässt den Akku beispielsweise auch nur um 20 Prozent entladen.
Fazit: Ein einfacher Weg zum Solar-Carport
Meine DIY-Tankstelle liefert ein wenig zusätzlichen Strom und ermöglicht so günstige Alltagsfahrten. Mit einem Verbrenner schwer umzusetzen. Die neue Generation der Balkonsolarakkus beweist zudem, dass es sehr einfach sein kann, sich einen eigenen Solar-Lade-Carport zu bauen. Im Grunde ist jede ausreichend sonnenbeschienene Fläche in der Lage, unabhängiger von Strompreisen zu werden - und wenn das Auto gerade nicht lädt, senkt das System als Balkonkraftwerk den Strombedarf im Haus.
Ob sich das rechnet? Bei täglich 6-10 kWh Ertrag bei einem Strompreis von 30 Cent/kWh lassen sich gut 2-3 Euro pro Tag einsparen. Bei Schmuddelwetter eher weniger. Auch wenn das nach kleinen Summen klingt - über die Monate sammelt sich da einiges zusammen. Allerdings kostet das von mir genutzte Set aus 4x 440 Watt PV-Modulen und dem Zendure SolarFlow 2400 auch gut 1.400 Euro. Dazu kommt eventuell noch der AC-Ladeadapter für 100-120 Euro.
Über sechs Monate im Jahr dürften sich damit gut 30-40 Euro im Monat sparen lassen, bei 6 wirklich ertragreichen Monaten (konservativ angesetzt) wären das im Jahr 180-240 Euro. In der Realität könnte es eher etwas mehr sein. In 6 bis 7 Jahren hätte sich die Investition also rein finanziell gerechnet - den Experimentierspaß nimmt euch keiner mehr. Und keine Sorge wegen der Ladezyklen des Akkus, der verträgt rein rechnerisch eher 10-12 Jahre täglicher Komplettentladung. Ich würde es wieder so machen!


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