E-SUV-Bike mit 100-Nm-Motor & Vollfederung unter 1.900 Euro: Das Engwe E26 3.0 Pro ist besser, als ich dachte

Ein Mittelmotor mit 100 Nm, Vollfederung und GPS-Tracking für unter 1.800 Euro – das Engwe E26 3.0 Pro bietet überraschend viel fürs Geld. Im Test verrate ich euch, ob's einen Haken gibt.

Das Engwe E26 3.0 Pro hat mich im Test überzeugt. Das Engwe E26 3.0 Pro hat mich im Test überzeugt.

Engwe verspricht mit dem E26 3.0 Pro ein »eSUV« fürs breite Publikum: kraftvoller 100-Nm-Mittelmotor, echte Vollfederung, Schnellladefunktion, GPS-Tracking und App-Anbindung – Features, die man sonst eher bei Trekkingrädern jenseits der 2.500-Euro-Marke vermuten würde. Dabei kostet das E26 2.0 Pro mit 1.900 Euro (UVP) nur einen Bruchteil.

Das ist eine Ansage – und machte mich im Vorfeld neugierig und skeptisch zugleich. Ich habe das E-Bike eine Woche lang über Asphalt, Wald- und Schotterwege gejagt, um herauszufinden, wo Engwe spart.

Preis-Leistungs-Tipp
Engwe E26 3.0 Pro
Engwe E26 3.0 Pro
Das Engwe E26 3.0 Pro liefert mit seinem Mivice-Mittelmotor eine Kraftentfaltung, die sich erstaunlich natürlich anfühlt, dazu eine Federung, die Kopfsteinpflaster und Waldwege souverän wegsteckt. Kleinere Abstriche gibt es bei Klingel, Display und der gewohnt ungenauen Engwe-Montageanleitung. Ein starkes Gesamtpaket für den Alltag auch abseits befestigter Straßen, das für diesen Preis kaum zu schlagen ist.
  • Kraftvoller 100-Nm-Motor
  • Natürliches Fahrgefühl (Drehmomentsensor)
  • Vollfederung meistert Kopfsteinpflaster und Waldwege
  • Komfortabler Tiefeinsteiger-Rahmen
  • Umfangreiches Smart-Paket (GPS, Alarm etc.)
  • Starkes Preis-Leistungs-Verhältnis
  • Hohes Gewicht (34 kg)
  • Display bei Sonne schwer ablesbar
  • Montageanleitung ungenau
  • Digitale Klingel nicht StVZO-konform
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Die Montage

Ihr habt den Wertungskasten ja bereits gesehen: Ich habe am E26 3.0 Pro kaum etwas auszusetzen. Eine Sache nervte aber schon, bevor ich überhaupt losrollen konnte – die Montage.

Die Montageanleitung ist nämlich ungenau, und das ist mir inzwischen bei jedem Engwe-Bike aufgefallen, das ich getestet habe. Allen voran beim Einbau des Frontrads ist die Bebilderung so verwirrend, dass man beinahe raten muss, wie sich die Einzelteile zusammensetzen. Doch das ist nicht alles.

Besonders die Montage der Frontleuchte war kaum nachvollziehbar beschrieben. Es mag an mir liegen, doch ich habe bisher einige Fahrräder zusammengeschraubt und die Lampe hat mich einige Nerven gekostet. Das sollte Engwe angehen, vor allem bei Modellen jenseits der 1.500 Euro.

Erster Eindruck

Das Engwe E26 3.0 Pro ist mit 34 Kilo Kampfgewicht ein Brummer, und das sieht man ihm mit seinen breiten 26x3.0-Zoll-Reifen und dem Vollfederungsrahmen auch an. Dennoch lässt es sich dank der obligatorischen Anschubhilfe leicht bewegen und in den niedrigen Gängen kommt ihr auch komplett ohne Motorunterstützung vom Fleck.

Das Engwe E26 3.0 Pro in seiner ganzen Pracht in der Farbe Blau. Das Engwe E26 3.0 Pro in seiner ganzen Pracht in der Farbe Blau.

Besonders gefällt mir der hohe Komfort. Griffe und Sattel sind bequem, der Tiefeinstieg erleichtert Auf- und Absteigen enorm. Obwohl ich es durchaus sportlich mag, schätze ich einen tiefen Einstieg im Alltag immer mehr.

Und apropos Sattel: Bei meinen 1,68 Metern Körpergröße reichte die Sattelstütze problemlos aus. Deutlich größere Fahrer über 1,80 Meter sollten vor dem Kauf aber Probefahren.

Von der wuchtigen Optik solltet ihr euch nicht täuschen lassen. Denn das Gewicht vergesst ihr, sobald der kraftvolle Motor anspringt.

💡 Wissenswertes zum Test
So habe ich getestet

Ich bin das Engwe E26 3.0 Pro eine Woche lang im Alltag gefahren, auf Asphalt, Schotter und Waldwegen. Wir haben in unserer ländlichen Umgebung viele Schlaglöcher und Unebenheiten sowie Steigungen und einen Wald mit vielen Wurzeln. Der Test fand bei Temperaturen um die 25-30 Grad statt. Ich bin 1,68 m groß und wiege 59 Kilo.

Technische Daten im Überblick
EigenschaftSpezifikation
MotorMivice X700 Mid-Drive, 250 W, 48 V
Drehmoment100 Nm
Unterstützungsstufen5
Akku720 Wh (48V, 15Ah), LG-Zellen, entnehmbar
Reichweite (Hersteller)bis zu 135 km
Ladezeitca. 4–5 Stunden (4A-Lader)
SchaltungShimano Altus, 8-Gang
Bremsen180 mm hydraulische Scheibenbremsen
Federung vorn/hinten80 mm (einstellbar) / 30 mm Luftdämpfer
Reifen26x3.0" All-Road
Gewicht34 kg (mit Akku)
Display3,5 Zoll, farbig
RahmenTiefeinsteiger (Step-Thru)
FarbenNavy Blue, Grey
Preis1.799–1.899 Euro

Motor & Fahrgefühl

Der Drehmomentsensor arbeitet erstaunlich weich, das hat Engwe inzwischen einfach raus. Statt der befürchteten Alles-oder-nichts-Charakteristik günstiger Mittelmotoren setzt die Kraft sanft ein und baut sich mit eurem eigenen Tritt auf.

Im Alltag reichen mir Unterstützungsstufe 2 oder 3 völlig aus, beide sind fürs gemütliche Touren gut abgestimmt. Stufe 5 dagegen ist richtig spritzig. Damit komme ich auch mühelos die steilsten Berge meiner Gegend hoch, ohne auch nur annähernd ins Schwitzen zu geraten – trotz des ordentlichen Gesamtgewichts von Rad und meinem eigenen Körpergewicht von 59 Kilo.

Die 100 Nm sind für den normalen Alltag auf Asphalt, aber auch abseits befestigter Wege und für Steigungen absolut ausreichend. Mehr gibt's nur bei teils deutlich teureren Premium-E-Bikes.

Der kräftige Mittelmotor mit 100 Nm hat ordentlich Power. Der kräftige Mittelmotor mit 100 Nm hat ordentlich Power.

Bei der Drosselung nimmt sich der Motor spürbar, aber nicht abrupt zurück. Auf der höchsten Stufe zieht die Toleranz sogar bis auf etwa 26,6 km/h mit, bevor Schluss ist. Dank der Schaltung lässt sich das Rad auch auf höheren Unterstützungsstufen noch in einer angenehmen Kadenz fahren, statt dass ihr in die Pedale treten müsst wie gegen einen Widerstand.

Ganz ohne Motorunterstützung sieht die Sache anders aus. Rein mit Muskelkraft war bei mir auf ebener Strecke bei rund 30 km/h Schluss, dann versagten meine untrainierten Beinchen.

Federung, Reifen & Bremsen

Die breiten 26x3.0-Zoll-Reifen spürt und hört ihr auf Asphalt deutlicher als bei schmaleren Trekking-Reifen. Dafür dämpfen sie ordentlich weg, was sowohl bei Schlaglöchern und Bordsteinkanten als auch abseits der Straße nicht zu unterschätzen ist.

Der richtige Luftdruck vorausgesetzt, könnt ihr damit über Kopfsteinpflaster brettern, ohne mit der Wimper zu zucken. Das macht einfach Spaß.

Zum Fahrkomfort trägt aber auch die Vollfederung bei. Auf Kopfsteinpflaster und im Wald über Wurzeln und Steine hatte ich mit der 80-mm-Federung vorn und dem 30-mm-Luftdämpfer hinten keinerlei Probleme. Für ein E-Bike dieser Preisklasse ist das alles andere als selbstverständlich.

Die 26x3.0-Zoll-Reifen haben ein hörbares Abrollgeräusch auf Asphalt, aber auch eine immense Dämpfwirkung. Die 26x3.0-Zoll-Reifen haben ein hörbares Abrollgeräusch auf Asphalt, aber auch eine immense Dämpfwirkung.

Bei den Bremsen zeigt sich jedoch, wo Engwe im Vergleich zu teureren Modellen spart. Die 180-mm-Hydraulikscheiben verzögern solide und sind meilenweit entfernt von den Billig-Bremsen, wie sie bei manchen günstigen China-E-Bikes verbaut werden.

An das Niveau des rund 800 Euro teureren Schwestermodells MapFour Roam, das dem E26 3.0 Pro erstaunlich ähnlich sieht, kommen sie aber nicht heran.

Die Shimano-Altus-Schaltung mit ihren acht Gängen macht ihren Job zuverlässig und ist deutlich robuster als die Billig-Schaltungen, die bei Mittelmotor-Bikes dieser Preisklasse oft verbaut werden.

Bei einem 100-Nm-Motor lastet ordentlich Kraft auf Kette und Kassette, da hätte ich eine einfache Shimano Tourney befürchtet – die kommt hier zum Glück nicht zum Einsatz.

Das Engwe E26 3.0 Pro hat eine hintere Federung – bei dieser Preisklasse eine Besonderheit. Das Engwe E26 3.0 Pro hat eine hintere Federung – bei dieser Preisklasse eine Besonderheit.

Alltagstauglichkeit

Im echten Alltag zahlt sich vor allem die Kombination aus Tiefeinsteiger-Rahmen und satter Federung aus. Ob kurzer Stopp beim Bäcker mit Einkaufstüten am Gepäckträger oder längere Tour übers Kopfsteinpflaster in der Dresdner Altstadt: Das Engwe nimmt beides gelassen.

Auch auf Waldwegen mit Wurzeln und losem Geröll bleibt das Fahrgefühl entspannt, ohne dass ihr die Sitzposition wechseln oder besonders vorsichtig fahren müsstet. Für ein Bike, das primär auf Alltag und Trekking ausgelegt ist, reicht das völlig. Doch auch wenn es durchaus den Anschein erweckt: Ein Rad für dauerhaft grobes Gelände ist es nicht.

Akku, Reichweite & Laden

Der 720-Wh-Akku mit LG-Zellen ist derselbe wie beim erwähnten MapFour Roam. Engwe gibt eine Reichweite von bis zu 135 Kilometern an.

Ganz leergefahren habe ich den Akku im Testzeitraum nicht. Nach meiner Beobachtung, bei Wetter um die 25-30 Grad, würde ich bei der Mischung aus Unterstützungsstufen 2-5 aber realistisch von rund 90 Kilometern ausgehen.

Bedenkt aber, dass hier viele Faktoren reinspielen. Temperatur, Fahrergewicht, Zuladung, Luftdruck, Untergrund und so weiter. Unter idealen Bedingungen dürften auch 100 Kilometer drin sein.

Bei der Ladezeit zeigt sich der größte Unterschied zum Roam. Der mitgelieferte 4-Ampere-Lader braucht rund vier bis fünf Stunden für eine volle Ladung. Das Modell der Schwestermarke mit seinem 8-Ampere-Schnelllader schafft dasselbe in etwa der Hälfte der Zeit.

Für den Alltag – wo ihr den Akku eh über Nacht ladet – spielt das kaum eine Rolle, für spontane Nachlade-Pausen zwischendurch schon eher.

Engwe E26 3.0 Pro
Engwe E26 3.0 Pro
Komfortables SUV-E-Bike
100-Nm-Mittelmotor, Drehmomentsensor, Vollfederung, GPS + Diebstahlsicherung
1.899 €

Display, App & Diebstahlschutz

Etwas nervig: Das 3,5-Zoll-Display ist bei direkter Sonneneinstrahlung schwer ablesbar, und die angezeigten Informationen bleiben eher rudimentär. Positiv immerhin: Der Akkustand wird in Prozent angezeigt, nicht nur als ungenaue Balkenanzeige.

Bei Helligkeit erkennt man nur noch wenig vom Display. Bei Helligkeit erkennt man nur noch wenig vom Display.

Die Klingel ist digital gelöst. Das muss man mögen, ich persönlich bin kein Fan davon. Vom persönlichen Geschmack aber mal abgesehen ist die Hupentaste in Deutschland gar nicht zulassungsfähig. Ärgerlich, zumal eine eine mechanische Klingel nicht beiliegt.

Wer das Engwe auf öffentlichen Straßen bewegt, muss also zwingend eine nachrüsten, sonst drohen bei einer Kontrolle bis zu 15 Euro Bußgeld.

Beim Smart-Paket zeigt sich, wie viel Ausstattung Engwe für den Preis unterbringt: GPS-Tracking, Bewegungsalarm, App-Anbindung und eine Navigations-Projektion aufs Display gehören serienmäßig dazu – Features, für die ihr bei anderen Herstellern oft deutlich tiefer in die Tasche greifen müsst.

Die Nutzung dieser Services ist allerdings nur für ein Jahr kostenlos, danach sind 39 Euro pro Jahr fällig. Immerhin: Der Dienst verlängert sich nicht automatisch.

Der direkte Vergleich: Engwe E26 3.0 Pro vs. MapFour Roam

FeatureEngwe E26 3.0 ProMapFour ROAM
AntriebKette & Schaltung (Shimano Altus, 8-Gang)Riemenantrieb + Shimano-Nexus-5-Nabenschaltung
Federung80 mm vorn / 30 mm hinten100 mm vorn / 60 mm hinten (echtes Trekking-Fully)
Reifen26x3.0" All-Road (breiter)Klassische, schmalere Trekking-Reifen
Ladezeitca. 4–5 Std. (4A)ca. 2 Std. (8A-Schnelllader)
Reichweite (Hersteller)bis 135 kmbis 150 km
Preis (UVP)1.799–1.899 €2.599 €

Beide Räder teilen sich die Antriebs-DNA: derselbe 100-Nm-Mittelmotor, derselbe 720-Wh-Akku, dasselbe Smart-Paket aus GPS, Bewegungsalarm, App und Navigations-Projektion.

Der Aufpreis beim Roam fließt spürbar in drei Dinge: den wartungsärmeren Riemenantrieb statt Kette, die satter abgestimmte Federung und die deutlich kürzere Ladezeit. Wer diese drei Punkte nicht als kaufentscheidend einstuft, bekommt beim Engwe für 800 Euro weniger ein fast ebenbürtiges Fahrerlebnis.

Der Riemenantrieb macht sich vor allem langfristig bezahlt: keine Ölflecken an der Hose, kein Nachölen, weniger Verschleiß. Wer sein Rad aber ohnehin regelmäßig zur Inspektion bringt, für den relativiert sich dieser Vorteil – und genau da setzt das Engwe an, indem es die restliche Ausstattung fast unangetastet lässt und nur an den Stellen spart, die sich im Alltag am wenigsten bemerkbar machen.

Im Wald fühlt sich das Engwe E26 3.0 Pro ebenfalls wohl. Im Wald fühlt sich das Engwe E26 3.0 Pro ebenfalls wohl.

Mein Fazit

Für wen lohnt es sich?

  • Wer ein kraftvolles, vollgefedertes E-SUV-Bike für unter 2.000 Euro sucht.
  • Wer auf dicke, komfortable Reifen steht und Trekking- sowie Alltagstauglichkeit verbinden will.
  • Wer auf einen Riemenantrieb und noch schnelleres Laden verzichten will.

Für wen nicht?

  • Wer Wert auf ein möglichst leichtes, wendiges E-Bike legt.
  • Wer viel bei praller Sonne unterwegs ist und ein gut ablesbares Display braucht.

Mein Urteil: Ein starker, natürlich abgestimmter Mittelmotor, eine Federung, die mehr kann, als der Preis vermuten lässt, und ein Smart-Paket, das sonst deutlich teureren Rädern vorbehalten ist. Kleinere Abzüge bei Bremsen, Display und der altbekannten Engwe-Montageanleitung ändern daran wenig.

Das Engwe E26 3.0 Pro tritt gegen deutlich teurere Modelle an – und schlägt sich dabei so gut, dass es sich unseren Preis-Leistungs-Tipp verdient.

Lest auch: Mein Test zum Engwe L20 3.0 Boost.

Wer bereit ist, für Riemenantrieb, straffere Federung und kürzere Ladezeiten draufzuzahlen, greift zum MapFour Roam, das mich ebenfalls beeindruckt hat. Alle anderen bekommen beim Engwe E26 3.0 Pro fast dasselbe Fahrerlebnis für 800 Euro weniger, und genau das macht dieses Rad zu einer der besten Preis-Leistungs-Empfehlungen, die ich in diesem Jahr getestet habe.


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