Mogelpackung? Die ersten USB-Sticks hatten kaum etwas mit USB zu tun - und mussten tricksen, um zu funktionieren

Im Jahr 2000 brauchte der USB-Stick einen Trick, um überhaupt erkannt zu werden. Heute ist er das Symbol universeller Kompatibilität.

Der USB-Standard glänzt durch seltene Kontinuität. (Bildquelle: Adobe Stock, Creative Concepts) Der USB-Standard glänzt durch seltene Kontinuität. (Bildquelle: Adobe Stock, Creative Concepts)

Große Innovationen wie Smartphones oder das Internet prägen die digitale Welt sichtbar. Doch kaum ein anderes Gerät hat sie so leise verändert wie der USB-Stick. Er passt an jeden Schlüsselbund, speichert ganze Bibliotheken und wird bald dreißig Jahre alt.

Allerdings: Die ersten USB-Sticks waren streng genommen noch gar keine echten USB-Sticks.

Erst kam der Schnittstellenstandard

Als der USB-Standard Mitte der Neunzigerjahre vorgestellt wurde, war die Idee, Daten damit zu übertragen, zwar noch nicht weitverbreitet, sie war jedoch bereits ein zentraler Bestandteil der Entwicklung.

USB sollte zuerst einmal ein einheitlicher Anschluss für viele Gerätearten sein, darunter eben auch Speichermedien.

Die Idee eines universellen Anschlusses für Speichergeräte war also schon vorhanden, doch das Software-Protokoll existierte noch nicht und geeignete Flash-Speicher fehlten: Sie waren zu klein, zu teuer und zu spezialisiert.

Die Geschichte des USB-Sticks reicht daher sogar weiter zurück, bis zu den frühen Anfängen des Flash-Speichers.

Von Flash-Speicher zu USB-Stick

Das Prinzip des Flash-Speichers, also eines Mediums, das Daten dauerhaft in winzigen Zellen auf Basis von Transistoren speichert, wurde Anfang der Achtzigerjahre vom japanischen Ingenieur Dr. Fujio Masuoka entwickelt und 1984 von Toshiba vorgestellt.

Zunächst kam sogenannter NOR-Flash zum Einsatz, der bald durch NAND-Flash ersetzt wurde. Diese Variante bot höhere Speicherdichten und war zudem effizienter, was sie bis heute zum Standard macht.

In den Achtzigern und frühen Neunzigern fehlte jedoch ein einheitlicher Schnittstellenstandard. Hersteller nutzten verschiedene Formate wie PCMCIA oder SCSI, oft inkompatibel zueinander. Ähnlich war es bei Grafik- oder Netzwerkanschlüssen, bis sich Lösungen wie VGA, HDMI oder RJ-45 etablierten.

Die Geburt des Universal Serial Bus

Zwischen 1994 und 1996 arbeitete ein Industriekonsortium aus Intel, Microsoft, IBM, Compaq, DEC, NEC und Nortel unter Leitung des indischen Ingenieurs Ajay Bhatt an einer gemeinsamen Lösung: dem Universal Serial Bus.

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1996 wurde USB offiziell vorgestellt. Version 1.0 richtete sich in erster Linie an Peripheriegeräte wie Tastaturen, Mäuse und Drucker, berücksichtigte aber auch den Datentransfer für Speicherlösungen.

Erste USB-Anschlüsse auf Mainboards mit Intel 440FX-Chipsatz erschienen noch im selben Jahr, meist als interne Header für Frontanschlüsse am Gehäuse.

Allerdings blieb USB anfangs eine Nischentechnik. Erst Version 1.1 (1998) und besonders USB 2.0 (2000) sorgten für den Durchbruch.

Tricksen für Kompatibilität

Ende der Neunziger wurden schließlich die ersten USB-Sticks entwickelt. Modelle wie der DiskOnKey von M-Systems, der von Firmenchef Dov Moran aus der Not geboren wurde, oder der ThumbDrive von Trek 2000 boten acht bis 32 Megabyte Speicherplatz.

Moran kam die Idee nach einer missglückten Präsentation, als sein Laptop abstürzte und alle Daten verloren gingen. Aus dieser Panne entstand der Plan, ein kompaktes, robustes Speichermedium zu schaffen, das jederzeit einsatzbereit war und kein Laufwerk benötigte.

Doch die gängigen Windows-Versionen erkannten die neuen Geräte damals nicht automatisch. Die Betriebssysteme verstanden noch nicht, dass es sich bei dem eingesteckten Medium um einen Speicherstick handelte.

Entwickler bauten deshalb Controller-Chips ein, die dem PC vorgaukelten, das Gerät sei eine klassische Festplatte oder ein anderes Wechselmedium.

Erst mit Windows ME und Windows 2000 führte Microsoft universelle Treiber für USB-Massenspeicher ein. Ab diesem Zeitpunkt startete der eigentliche Erfolg des USB-Sticks.

Vom Megabyte zur Terabyte-Ära

Mit fallenden Preisen für Flash-Speicher und wachsender Software-Unterstützung wurden USB-Sticks rasch zum Standard. USB 2.0 erreichte theoretisch 480 Mbit/s, also rund 60 MB/s, in der Praxis meist 20 bis 30 MB/s.

Heute lesen die schnellsten Sticks auf dem Papier mit bis zu 1.000 MB/s und schreiben mit etwa 800 MB/s. In der Realität liegen die Werte meist deutlich darunter, auch weil Geschwindigkeit und Temperatur sich gegenseitig beeinflussen. Spitzenmodelle bieten außerdem bis zu zwei Terabyte Speicherplatz.

Trotz neuerer Standards ist USB 2.0 auch 2025 noch weitverbreitet. Und selbst die neuesten Spezifikationen bieten Abwärtskompatibilität.

Mehr Power: Wenn USB Geräte antreibt

Im Laufe der Jahre verbesserte sich nicht nur die Geschwindigkeit, sondern auch die Stromversorgung. Durch USB Power Delivery (USB-PD 3.1) können via USB-C-Anschluss heute bis zu 240 Watt übertragen werden.

Damit eignet sich USB auch zum Betrieb von leistungsstarken Geräten wie Notebooks, Monitoren oder Dockingstations. Was früher nur eine Maus mit Strom versorgte, kann heute ganze Arbeitsplätze antreiben.

Versionswirrwarr und Namenschaos

Der Erfolg brachte aber auch neue Herausforderungen. Die offiziellen Bezeichnungen (USB 3.0, 3.1, 3.2) und die Marketingnamen (USB 3.2 Gen 1, Gen 2, Gen 2x2) führen bis heute zu Verwirrung.

Wer die tatsächliche Geschwindigkeit eines Anschlusses wissen will, muss genau hinschauen – oder schlicht ausprobieren.

USB4: Alles in einem Anschluss

Seit 2019 vereint USB4 erstmals Thunderbolt 3 und USB-Protokolle in einem Standard. Mit bis zu 80 Gbit/s (USB4 2.0) und dem USB-C-Stecker als einzigem Anschluss bietet USB4 maximale Geschwindigkeit und Flexibilität.

Damit ist USB heute so vielseitig wie nie zuvor: ein einziger Anschluss für Daten, Video, Strom und Peripherie.

Viele Fachleute erwarten, dass USB und Thunderbolt künftig vollständig verschmelzen und so das bestehende Versionschaos ein für alle Mal beenden.

Fazit

USB-Sticks haben sich vom cleveren Notbehelf der Neunziger zu einem unersetzlichen Begleiter entwickelt. Sie stehen exemplarisch für die Evolution der Technik – vom improvisierten Trickgerät zum universellen Werkzeug.

Vielleicht liegt die wahre Stärke von USB nicht in der Technik selbst, sondern in ihrer Beständigkeit.

Sie hat geschafft, was in der IT selten gelingt: ein Stück Kontinuität in einer Welt der ständigen Erneuerung.

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