Dungeons & Dragons trifft Disco Elysium: Mit diesen Worten lässt sich das neue Rollenspiel Esoteric Ebb perfekt zusammenfassen – und damit klingt es direkt nach dem perfekten Spiel für mich. Ich liebe Pen & Paper, ich liebe Rollenspiele, ich liebe Entscheidungen, Dialoge und bissigen Humor.
Ehrensache also, dass ich mich sofort auf die kostenlose Steam-Demo gestürzt habe, nachdem bei X (früher Twitter) erste Loblieder auf Esoteric Ebb erklangen. Und ich kann schon nach der ersten Stunde sagen: Das hier wird in meine Rollenspiel-Favoriten wandern. Wahrscheinlich auch für einige von euch.
Was genau ist Esoteric Ebb?
Kurz zusammengefasst: Ein Rollenspiel-Adventure-Mix, der auf den Regeln der 5. Edition Dungeons & Dragons basiert, wie etwa auch Baldur's Gate 3. Klassenauswahl gibt's nicht, ich bin automatisch ein (ziemlich inkompetenter, aber bemühter) Kleriker. Meine Startwerte darf ich selber festlegen.
Das Gameplay selbst erinnert stark an Disco Elysium: Ich klicke auf Objekte und Personen, um mit ihnen zu interagieren und manchmal würfle ich Proben, ob ich Erfolg habe oder patze. Das Grundprinzip ist also denkbar simpel, macht aber schon in den ersten Minuten richtig Spaß. Ich finde, die offizielle Beschreibung trifft den Nagel auf den Kopf: Es ist ein »wunderbar lächerliches« kleines Spiel, eine Liebeserklärung an Pen & Paper und textlastige Rollenspiele.
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Esoteric Ebb: Neues Rollenspiel wirkt wie Disco Elysium, aber mit Dungeons & Dragons
Mein Charakter erwacht nach der Erstellung aufgebahrt in einem Keller, klitschnass, umgeben von Leichen, mit vagen Erinnerungen an eine Explosion in einem Teeladen. Nun gut, passiert den Besten von uns. Leider wurde bei meinem rätselhaften Unfall auch mein Buch mit göttlichen Zaubersprüchen ruiniert, nur wenige Seiten sind unversehrt – so erklärt das Spiel, warum ich auf Stufe 1 starte und gerade mal eine Handvoll Zauber kenne.
Wie in Dungeons & Dragons habe ich nur begrenzte Zauberplätze zur Verfügung, muss mir also gut überlegen, wann ich einen Spruch einsetze. Zudem kann ich nur eine bestimmte Anzahl von Zaubern vorbereiten, sprich, in meine Schnellleiste packen – Wechsel sind nur beim Meditieren an göttlichen Schreinen möglich.
Okay, die D&D-Regeln kenne ich ja längst, also erstmal aufstehen und die Umgebung erkunden. Mein Durchgang fängt direkt mit einem kritischen Fehlschlag an – mein Würfelpech transzendiert eben Raum, Zeit und verschiedene Medien.
Für meinen Kleriker klingt es nach einem verpatzten Wurf nach einer tollen Idee, die verfluchte Leiche auf dem Nachbartisch anzufassen und ich kassiere direkt so viel Schaden, dass ich umfalle. Automatisch werden Rettungswürfe fällig, die mich entweder ins Jenseits befördern oder mit einem Lebenspunkt wieder aufstehen lassen – wie in Disco Elysium kann man ganz schnell den Löffel abgeben, was aber ziemlich lustig statt frustrierend ist. Freies Speichern gibt's auch, also kein Problem.
Schnell sammle ich erste Infos und Quests, rede mit Charakteren, schließe mich mit einem Goblin zusammen und lerne mehr über das Setting: Ich bin nicht im klassischen Faerûn unterwegs, sondern in einer vom Entwickler erdachten Welt. Sehr cool dabei: In den Texten kann ich auf bestimmte Begriffe klicken, dann wird mir erklärt, was es damit auf sich hat. So blicke ich problemlos durch die erwähnten Götter, Ortsnamen, Fraktionen und so weiter durch. Sollte Standard sein!
Stimmen im Kopf
Dialoge und Handlung laufen fast ausschließlich über Textboxen ab. Die ähneln auch optisch klar Disco Elysium, allerdings mit einem DnD-Twist: Statt Stimmen aus meiner Psyche sprechen meine sechs Attribute mit mir, also meine Weisheit, Intelligenz, Stärke und so weiter. Bin ich stark, treibt mich das zu Konfrontationen, bin ich weise, bemerke ich Hinweise, die mir sonst verborgen bleiben. Ich kann nach dem Anspielen noch nicht einschätzen, wie sehr sich das wirklich auswirkt und wie hoch der Wiederspielwert ausfällt – das schaue ich mir dann im fertigen Spiel an.
Manche Dialogzeilen sind vertont, was eine nette Überraschung war. Besonders einen Zwerg mit schwedischem Akzent fand ich super, es muss nicht immer Schottisch sein! An dieser Stelle muss ich manchen von euch einen kleinen Wermutstropfen ins Getränk mischen: Esoterik Ebb erscheint erstmal nur auf Englisch. Das Spiel wird von einem einzelnen Entwickler, Chris Bodegård, erschaffen und verfügt über ein entsprechend begrenztes Budget. Bei Erfolg könnten aber ausdrücklich weitere Sprachausgaben folgen.
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