Das Thema »europäische Alternativen zu US-amerikanischer Technik« ist nicht neu. In vielen Bereichen wie digitalen Dienstleistungen (Software) oder Laptops (Hardware) ist es relativ unkompliziert, auf unserem Kontinent zu bleiben.
Gestern wurde bekannt, dass das US-Medienunternehmen Fox den ebenfalls in den USA ansässigen Streaming-Service Roku einverleibt (unter anderem berichtete Golem). Die sind hierzulande vor allem bekannt durch ihren Streaming-Stick.
Das treibt vor allem US-amerikanische Streaming-Fans um, die sich um viele konservative Inhalte sorgen. Für mich war das aber der Startschuss, doch mal nach europäischen Alternativen umzuschauen.
O Junge.
O JUNGE.
Europa hinkt hier so meilenweit hinterher.
Ein Hinweis, bevor wir einsteigen: Ich beziehe mich inhaltlich vor allem auf Plug-and-Play-Lösungen, also Alternativen zum Fire TV-Stick und Konsorten. Der Fokus liegt also vor allem auf Zugänglichkeit, eben das, was diese Geräte so beliebt macht.
Die USA sind fast alternativlos
Wenn ihr an die gängigsten Streaming-Sticks und -Boxen denkt – Fire TV-Stick, Apple TV, Chromecast –, dann kommen die alle ausnahmslos von jenseits des Atlantiks. Und genau die wollte ich ausschließen.
Was bleibt da noch?
Mein erster Gedanke ging in Richtung Thomson Streaming Box, immerhin stammt der Hersteller aus Frankreich. Wichtiger Partner ist die StreamView GmbH aus Österreich. Oder besser gesagt: war. Das Unternehmen meldete im April Insolvenz an (via CE Markt).
Über SatVision bin ich dann darauf gestoßen, dass der offizielle Markeninhaber die Talisman Brands, Inc. (operiert namentlich als »Established«), ist. Die sitzen in Delaware in den USA. Mist.
Hier kommt die vermutlich größte Krux: Selbst wenn man bei Streaming-Hardware auf vermeintlich europäische Hersteller setzen will, tritt eines von zwei Szenarien ein (oder beide):
- Die Hardware läuft mit einem US-amerikanischen Betriebssystem, zum Beispiel Android TV.
- Die Lizenz gehört nicht mehr dem Gründer, sondern wurde von einem Unternehmen außerhalb Europas aufgekauft.
Strong zum Beispiel stammt eigentlich aus Europa. Deren Streaming-Geräte setzen aber allesamt auf Google, da reicht ein Blick ins Portfolio auf der Webseite. Ach ja, und die Firma gehört mittlerweile Skyworth, einem chinesischen Unternehmen, zu welchem Metz und seit 2026 auch die TVs von Panasonic gehören. Ergo, nicht europäisch.
Bei Waipu beispielsweise handelt es sich zwar um das deutsche Unternehmen Exaring GmbH aus München, aber auch hier setzt man beim Betriebssystem auf Android TV. Die Amerikaner sind also wieder mit von der Partie.
Doch es gibt sie, die »echte« europäische TV-Hardware – mit einem Haken.
Streaming-Souveränität, aber die Hürde ist hoch
Jetzt kommt wahrscheinlich eine Überraschung: Zwei Alternativen zu Streaming-Sticks und -Boxen kommen sogar aus Deutschland. Dreambox und VU+ heißen sie und bieten entsprechende Receiver an.
Der Haken ist, dass es sich bei besagten Receivern im Kern um Linux-Computer fürs Wohnzimmer handelt. Einige von euch fragen sich sicher, warum das ein Nachteil sein soll. Nun, anschließen und einen Streaming-Dienst starten – US-amerikanisch oder nicht – ist hier nicht so einfach drin.
Dadurch geht Plug-and-Play verloren, das, was den Fire TV-Stick und Co. so attraktiv für viele Nutzerinnen und Nutzer macht.
7:12
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Versteht mich nicht falsch. Diese Receiver sind unfassbar flexibel, weil sie so offen sind:
- IPTV empfangen
- Heimnetzwerk-Medien abspielen
- NAS-Inhalte wiedergeben
- Kodi-ähnliche Funktionen übernehmen
- Jellyfin/Plex-Server nutzen
Man braucht dafür allerdings eine gewisse Technikaffinität, die meinen Eltern beispielsweise fehlt. Solche Receiver sind hervorragend, allerdings für eine vergleichsweise kleine Zielgruppe, weil sie einen anderen Weg als herkömmliche Streaming-Endgeräte gehen. Als direkte Konkurrenz zu den praktischen Produkten aus Übersee fallen sie daher flach.
Im Sinne von Plug-and-Play schließe ich diese Receiver für ein größeres Publikum daher aus. Sie können die kinderleichte Handhabe eines Apple TV 4K schlichtweg nicht ersetzen.
Die Alternative mit dem (vermutlich) wenigsten US-Einfluss
Tatsächlich hat sich seit dem 1. Juni 2026 eine Alternative aufgetan: Sky. Die RTL-Gruppe (Sitz in Luxemburg) hat die Sky-Geschäfte in Deutschland, Österreich und der Schweiz übernommen, so DWDL.
Die Sky Stream Box wäre damit also eine gute Anlaufstelle – theoretisch. Seit 2018 gehört das ehemals britische Sky zum US-amerikanischen Telekommunikations-Giganten Comcast. Ja, die DACH-Geschäfte werden von RTL abgewickelt, aber ich gehe davon aus, dass die nach wie vor die US-amerikanische Schnittstellen nutzen.
- Das Betriebssystem Entertainment OS basiert auf RDK (Reference Design Kit), ein Unterbau, der nach wie vor zu Comcast gehört.
Bei Sky lässt sich die US-Amerikaner also am weitesten wegsubtrahieren, aber ganz aus der Gleichung streichen kann man sie nicht. Zumal noch hinzukommt, dass es die Sky Stream Box nur in Verbindung mit einem Sky-Abo gibt. Eine weitere Hürde also.
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Fazit
Wie man es dreht und wendet: In Sachen Hardware stehen wir in Europa auf verlorenem Posten. Entweder greift man zu einem Receiver und setzt sein eigenes System auf – oder bleibt eben doch bei der US-amerikanischen Originaltechnik, wenn es um fixes Plug-and-Play geht.
Klar gibt es auch Hardware von Waipu, Thomson und Strong, aber hier seid ihr auf ein Betriebssystem aus den USA angewiesen. Die scheinbar »europäischste« Variante ist Sky – das dann natürlich ein Abo bei Sky voraussetzt und selbst hier lassen sich die Amis nicht vollends ausschließen.
Einen Silberstreif am Horizont gibt es. Wir haben immerhin deutsche Streaming-Anbieter wie RTL+, Joyn, MagentaTV oder MUBI. Wenn sich US-amerikanischer Hersteller bei der Hardware nur schwer ausklammern lassen, so geht das bei den Anbietern zumindest recht leicht.



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