»Menschen möchten Dinge besitzen« – Für Gen Z sind DVDs und Blu-rays das neue Vinyl

In Zeiten, in denen Streaming immer unattraktiver wird, greifen junge Menschen vermehrt wieder zu DVDs und Blu-rays.

DVDs und Blu-rays sind für Gen Z das, was für Millenials Schallplatten sind. (Bildquelle: rohappy, fergregory - adobe.stock.com) DVDs und Blu-rays sind für Gen Z das, was für Millenials Schallplatten sind. (Bildquelle: rohappy, fergregory - adobe.stock.com)

Dank Streaming-Diensten haben wir Abertausende Filme und Serien zur freien Verfügung. Was einst als Untergang der Silberscheibe galt, verhilft ihr heute zu neuem Auftrieb – vor allem bei der Gen-Z.

Die haben gute Gründe, nicht unzählige Abos zu buchen und stattdessen wieder zu DVD und Blu-ray zu greifen.

Im Zuge dieses Trends hat die LA Times sowohl mit Angehörigen der Gen Z als auch Profis aus der Branche gesprochen – mit interessanten Erkenntnissen.

Besitz statt Miete

Der Artikel zitiert Gannon, der erst jüngst ins Silberscheinsammeln eingestiegen ist:

Ich möchte etwas, das ich mir ins Regal stellen kann. Ich möchte einfach in meinen Schrank gehen, etwas herausholen und es einschalten, anstatt eine Stunde lang durch Netflix zu scrollen, um etwas zu finden, und dann doch wieder dieselbe Fernsehserie anzuschauen.

Die Qual der Wahl ist nur eines der Probleme, wieso Menschen wieder vermehrt zu physischen Kopien greifen. Gemäß der LA Times sind die DVD-Verkäufe in den USA von 2023 auf 2024 um 20 Prozent gefallen.

Der Trend verlangsamt sich allerdings wohl. Die Digital Entertainment Group, welche die Marktzahlen in Nordamerika analysiert, hat festgestellt, dass der Verkauf von DVDs, Blu-rays und 4K-Blu-rays letztes Jahr nur um 9 Prozent gefallen ist.

Im selben Atemzug befinden sich spezialisierte Kinos wie Criterion Collection und Videotheken wie Vidiots in Übersee wieder im Aufschwung.

Der Präsident von Criterion zeichnet ein positives Bild. Er habe selbst nicht daran geglaubt, dass junge Menschen sich noch einmal für physische Medien interessieren könnten.

Ein Beispiel zwei junger Frauen geht in eine ähnliche Richtung. Lauren und Garcia suchten zwei eher unbekannte Titel, die es nicht auf Streaming-Plattformen gab. Für die beiden sind der Kauf und Verleih physischer Medien ein sicherer Hafen.

Wenn etwas von einer Online-Plattform gelöscht wird, kann ich es mir trotzdem ansehen, weil ich eine physische Kopie davon habe. Es ist ein wirklich wertvolles Gefühl, Dinge physisch zu besitzen und nicht von den finanziellen Entscheidungen der Studios abhängig zu sein.

Lauren

Damit sind vorrangig zwei Dinge gemeint:

  1. Im Zuge von Lizenzwechseln kommt es immer wieder vor, dass Titel den Streaming-Dienst wechseln. Sei es aus Kostengründen, weil Anbieter die Lizenzgebühren nicht länger zahlen möchten, oder weil andere Anbieter mehr bieten.
  2. Aufgrund von Steuerabschreibungen. Werden Titel nicht genügend gestreamt, kann es sich für Netflix und Co. als profitabler erweisen, Filme und Serien abzuschreiben, so How to Geek. So hat etwa Disney Plus seine eigene Serie »Willow« aus dem Programm genommen.

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Besitzen als Akt der Rebellion

Garcia, die zweite der beiden jungen Frauen, sieht den Besitz von Scheiben auch als ein Zeichen der Auflehnung.

Im Moment bin ich gezwungen, sechs verschiedene Abonnements zu haben, was total verrückt ist, und trotzdem finde ich nicht, was ich mir ansehen möchte. Warum zahle ich so viel dafür, dass sie mir einen Film für ein Jahr zur Verfügung stellen und ihn mir dann wieder wegnehmen?

Garcia

Netflix’, das als erster Dienst das Streaming in die weltweiten Wohnzimmer gebracht hat, ist schon lange nicht mehr allein – und jeder Anbieter kostet.

Anstatt gemeinsam einen Film zu streamen, besuchen freitagabends Gruppen von jungen Leuten Vidiots, erzählt ein Mitarbeiter der LA Times.

Im Zuge ihrer Recherchen sprach die Zeitung auch mit Branchenexperten. Barnes & Noble gehört zu den letzten großen Läden in den USA, die noch physische Medien verkaufen.

Deren Leiter der Musik- und Videoabteilung gab zu, dass sich DVD- und Blu-ray-Verkäufe letztes Jahr im zweistelligen Bereich gesteigert haben.

Wir stellen fest, dass auf allen unseren Plattformen – Bücher, Vinyl, einfach alles – die Verkaufszahlen bei uns stark gestiegen sind. Die Leute möchten Dinge besitzen und sich eine Sammlung aufbauen. Das ist praktisch. Sie können sie jederzeit anhören oder ansehen. Sie müssen sich keine Gedanken darüber machen, welcher Streaming-Dienst das Angebot gerade im Programm hat.

Bill Castle, Leiter der Musik- und Videoabteilung bei B&N

Auch ein Produzent aus Hollywood kam zu Wort: Ed Saxon, der unter anderem an »Das Schweigen der Lämmer« beteiligt war. Er bläst ins selbe Horn wie die Gen Z, die wir im Rahmen des Artikels zitiert haben, obwohl sie Jahrzehnte trennen.

Die unendliche Auswahl ist anstrengend. Die Menschen haben einfach genug davon. Sich ein Stück Kultur zu eigen zu machen, ist in gewisser Weise subversiv und ein Akt des Widerstands gegen die Kontrolle durch die Plattformen. Physische Medien stehen nicht im Wettbewerb mit Streaming. Sie bieten vielmehr einen Ausgleich in Bezug auf Kontext und Engagement.

Ed Saxon, Produzent

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Streaming wurde zu dem, was es einst versprach, zu bekämpfen. Dieser Meinung ist nicht nur unser Autor Maxe, sondern auch die Menschen, die im Artikel der LA Times zu Wort kamen. Das große Ende der Silberscheiben könnte damit vorerst abgesagt sein.

Gen Z greift wieder vermehrt zu DVDs und Blu-rays, da Streaming-Dienste immer schlechter zu werden scheinen. Auf welcher Seite steht ihr: Streaming oder Silberscheibe? Glaubt ihr, die Disk kann sich erholen? Oder werden wir schlussendlich bei Streaming-Diensten bleiben? Schreibt eure Meinung gerne in die Kommentare.

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