Bei Elektrofachhändlern lauert eine Falle: Wenn ihr nicht aufpasst, fallt ihr bei TVs auf »falsches« HDR herein

Hier zeigt sich mal wieder, dass es sich lohnt, das Kleingedruckte zu lesen – online wie offline.

So knackig können Farben aussehen, wenn ein TV HDR-Inhalte auch überzeugend darstellen kann. (Bildquellen: Philips, Maxe S., GameStar) So knackig können Farben aussehen, wenn ein TV HDR-Inhalte auch überzeugend darstellen kann. (Bildquellen: Philips, Maxe S., GameStar)

Das machen wir wohl alle gern: durch die TV-Abteilung des örtlichen Elektrofachhändlers spazieren und uns einfach mal von den vielen Fernsehern beeindrucken lassen. Oder aber online durchs Angebot scrollen, um zu sehen, was es dort so gibt.

HDR ist seit ein paar Jahren Standard. Von Einsteiger-TVs bis Flaggschiffen sowie Monitoren gehört die Kontrasterweiterung zum Standardrepertoire.

Wusstet ihr aber, dass HDR nicht gleich HDR ist? Selbst wenn es auf der Schachtel oder in der Beschreibung steht – und damit ist nicht der Unterschied zwischen HDR10 und Dolby Vision gemeint.

Achtung vor »falschem« HDR

Wir sprechen hier nicht von gefälschten HDR, aber die Krux ist Folgende: Das HDR10-Logo garantiert HDR-Wiedergabe – aber keine gute HDR-Wiedergabe. Nur weil ein Fernseher ein HDR-Signal verarbeiten kann, bedeutet das nicht, dass ihr am Ende auch ein ordentlich knackiges Bild herausbekommt.

Für überzeugendes HDR braucht ein Fernseher einen möglichst großen Kontrastumfang. Dazu gehören tiefes Schwarz und eine hohe Spitzenhelligkeit. Je heller einzelne Bildbereiche leuchten können, ohne dass dunkle Bereiche gleichzeitig grau werden, desto besser kann ein TV den großen Helligkeitsumfang von HDR nutzen.

Ebenfalls wichtig ist Wide Color Gamut (kurz: WCG). Das bezeichnet die Fähigkeit eines TVs (oder Bilddarstellungssystems), einen größeren Farbraum als herkömmliche Standards darzustellen. HDR10 nutzt den extrem großen Farbraum Rec.2020 als Grundlage. Selbst moderne Fernseher können ihn aber noch nicht vollständig darstellen.

Noch einmal zusammengefasst: Um HDR10-Inhalte wiedergeben zu können, muss ein Fernseher keine bestimmte Mindesthelligkeit oder Farbraumabdeckung erreichen. Das HDR10-Logo sagt deshalb zunächst nur aus, dass er das Format unterstützt – nicht, wie gut das Bild am Ende aussieht.

»Falsches« HDR vermeiden: Darauf solltet ihr achten

Einer der wichtigsten Werte eines Fernsehers überhaupt ist seine Spitzenhelligkeit.

  • Sie ist elementar für den Kontrast und den Kontrastbereich, in welchem sich ein Display bewegt.
  • Spitzenhelligkeit kann in einer hellen Umgebung helfen, Gegenlicht auszugleichen.

Achtet bei einem TV darauf, dass er eine möglichst hohe Spitzenhelligkeit besitzt. Als groben Orientierungswert für überzeugendes HDR sind 800 bis 1.000 Nits ein guter Richtungsweiser. Zwar können auch Fernseher mit geringerer Spitzenhelligkeit ein gutes HDR-Bild liefern, das sieht man den Geräten allerdings nicht an und ein HDR10-Prädikat gibt auch keinen Aufschluss darüber.

Beachtet hierzu zwei Dinge:

  1. Spitzenhelligkeit ist zwar wichtig, kann ein TV dunkle Bildbereiche aber nicht ausreichend dunkel darstellen, sinkt der Kontrastumfang. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass auch ein TV mit geringerer Spitzenhelligkeit ein gutes HDR-Bild liefern kann, wenn sie einen ordentlichen Schwarzwert besitzen.
  2. Die Spitzenhelligkeit steht so gut wie nie in den technischen Daten. Schaut dazu am besten in einen Test des entsprechenden Geräts.

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Findet ihr keine verlässlichen Angaben zur Spitzenhelligkeit, solltet ihr besonders vorsichtig sein. Wide Color Gamut ist zwar ein gutes Zeichen für eine größere Farbdarstellung, sagt aber im Grunde nichts über die HDR-Helligkeit oder den Kontrast aus.

Aussagekräftiger sind unabhängige Tests, die die Spitzenhelligkeit, Schwarzwert, Farbraumabdeckung und die tatsächliche HDR-Darstellung bewerten.

Zu guter Letzt gibt euch auch die Farbraumabdeckung Aufschluss darüber, was der TV imstande ist, darzustellen.

  • DCI-P3 ist ein großer Farbraum, den viele gute aktuelle Fernseher zu einem hohen Anteil abdecken. Je höher die Abdeckung, desto mehr der vorgesehenen Farben kann der TV darstellen.
  • Rec.2020 stellt noch einen viel größeren Farbraum dar, den aber sogar High-End-Modelle noch nicht vollumfänglich darstellen können.

Passend zum Thema:


Der sicherste Weg ist nicht unbedingt, einfach den teuersten Fernseher zu kaufen, auch wenn die technisch gesehen Mittelklasse- und Einsteiger-Modelle ausstechen.

Achtet stattdessen auf unabhängige Messungen von Spitzenhelligkeit, Kontrast und Farbraum. Gerade bei günstigen Modellen kann ein HDR-Logo nämlich mehr versprechen, als das Panel am Ende einlösen kann.


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