Tiere zu schützen, ist ja eine feine Sache, aber manche Forscher gehen noch viel weiter: Sie lösen eine ethische Debatte aus, weil sie ein ausgestorbenes Tier wieder auferstehen lassen wollen

Nicht nur der Dodo steht im Fokus: Auch andere ausgestorbene Arten sollen folgen. Eine Forschung zwischen Hoffnung, Hype und offenen Fragen.

So sah der Dodo einst aus. Seine gebogener Schnabel ist sein Markenzeichen. (Bildquelle: Adobe Firefly, KI-generiert; Prompt: Alexander Köpf) So sah der Dodo einst aus. Seine gebogener Schnabel ist sein Markenzeichen. (Bildquelle: Adobe Firefly, KI-generiert; Prompt: Alexander Köpf)

Als im Film Jurassic Park (1993) Sam Neill als Dr. Alan Grant und Laura Dern als Dr. Ellie Sattler zum ersten Mal einem wiederauferstandenen Dinosaurier gegenüberstehen, verschlägt es ihnen die Sprache.

Doch nicht nur den Figuren im Film, auch den Zuschauern in den Kinos. Nie zuvor hatte man auf der Leinwand derart lebensecht animierte Urzeitechsen gesehen: Gigantische Kreaturen, seit Millionen Jahren verschwunden, stapften plötzlich quicklebendig durch die Filmpaläste. Ein kollektiver Gänsehautmoment, der Popkulturgeschichte schrieb.

Die Vision, ausgestorbene Tiere mit moderner Wissenschaft zurückzubringen, faszinierte und erschreckte zugleich. Im Film geschah das mit Dino-DNA, ergänzt durch Froschgensequenzen. Ein Trick, der bekanntlich im Chaos endete.

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Comeback des Dodo

Heute, über drei Jahrzehnte später, verschwimmen Fiktion und Realität: Ein Biotech-Unternehmen in den USA arbeitet daran, den längst ausgestorbenen Urvogel Dodo zurückzuholen.

Das etwa einen Meter große, flugunfähige Tier könnte also schon bald wieder auferstehen. Und das nicht nur einmal, sondern tausendfach. Möglich machen soll das ein Durchbruch (via 20 Minuten) der Firma Colossal Biosciences.

Forschern gelang es erstmals, sogenannte primordiale Keimzellen von Tauben zu züchten – Vorläufer von Spermien und Eizellen. Da die Nikobar-Taube eng mit dem Dodo verwandt ist, schließt sie die genetischen Lücken. Ganz wie im Film – nur dass es diesmal keine Frösche sind, sondern eben Tauben.

Begeisterung und Skepsis

Wir glauben, dass es noch fünf bis sieben Jahre dauern wird, aber es sind keine 20 Jahre mehr, sagt Geschäftsführer Ben Lamm. Sein Ziel: nicht nur zwei Dodos zu erschaffen, sondern eine stabile Population, die eines Tages wieder auf der Insel Mauritius ausgewildert werden kann.

Kritiker zeigen sich beeindruckt, mahnen aber zugleich zur Vorsicht. So spricht der Evolutionsbiologe Leonardo Campagna vom Cornell Lab of Ornithology von bemerkenswerten Fortschritten. Doch ob am Ende tatsächlich ein Dodo entsteht oder lediglich ein Vogel, der ihm ähnelt, sei fraglich. Auch die Folgen für das fragile Ökosystem bleiben unvorhersehbar.

Ein Tier, das dem Dodo nur gleichsieht, aber keiner ist, könnte sich kaum nahtlos in einen Lebensraum einfügen – selbst dann nicht, wenn es jener Ort wäre, an dem die Originale einst lebten.

Und doch geht es Colossal nicht um ein Spiel mit der Natur à la Jurassic Park. Es soll keine Show für Superreiche und auch kein Versuch werden, einen Tyrannosaurus rex auf die Erde zurückzuholen.

Wiedergutmachung im Anthropozän

Vielmehr wollen Lamm und seine Kollegen ein Stück Wiedergutmachung leisten: Arten zurückbringen, die wir Menschen selbst ausgerottet haben – durch Jagd, Kolonialisierung und Umweltzerstörung. Das Anthropozän (geochronologische Epoche des Menschen) hinterlässt tiefe Narben, und der Dodo könnte ein Symbol für Heilung werden.

Daher ist er streng genommen auch kein Urvogel. Dieser Titel gebührt dem Archaeopteryx. Aber populärwissenschaftlich darf man ihn so nennen: ein Relikt aus der Tiefe der Zeit, das vor rund 25 Millionen Jahren die Bühne der Evolution betrat und Ende des 17. Jahrhunderts sang- und klanglos verschwand.

Seine Tragödie ist bekannt: Mit den Schiffen der Kolonialmächte gelangten Ratten, Schweine und andere Haustiere auf Mauritius, für die die Gelege der arglosen, flugunfähigen Riesenvögel ein gefundenes Fressen waren.

Mehr als ein kurioses Kunststück?

Und nun, Jahrhunderte später, stellt sich die Frage: Wäre die Wiederauferstehung des Dodos nur ein kurioses Kunststück der Biotechnologie? Oder könnte sie zum Mahnmal einer Menschheit werden, die gelernt hat, nicht nur zu zerstören, sondern auch zu bewahren?

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