Im Gameplay Deep Dive zu FC 27 tauchen kaum neue Features auf: Was dort steht, ist eine Liste von Dingen, die EA euch wegnimmt: automatische Tacklings, Reichweite bei KI-Abfangbällen, die unsichtbare Hand, die eure Flanke schon irgendwie auf den Kopf eures Stürmers lenkt.
Principal Gameplay Designer Gilliard Lopes begründet das mit einem Satz: Die Spieler hätten weniger Automatik und mehr Kontrolle über die entscheidenden Momente gefordert.
Doch es ist ziemlich wahrscheinlich, dass EA genau dafür abgestraft wird.
Was in FC 27 wirklich neu ist ...
Fairerweise zuerst das, was sich nicht wegdiskutieren lässt, denn ein paar echte Neubauten gibt es.
- Ecken funktionieren in zwei Schritten: Ihr zielt und ladet wie gewohnt, danach wechselt die Kamera in den Sechzehner, und ihr habt wenige Sekunden, um mit einem Spieler Position zu beziehen. Dazu eine neue Mechanik, mit der ihr euch schlängelnd durch die Menschentraube bewegt, ohne blockiert zu werden.
- Genauso die Deep Free Kicks: Bei Freistößen aus der eigenen Hälfte könnt ihr künftig auf einen Mitspieler wechseln, ihn laufen lassen und ihm den Ball dorthin schicken. Bisher hatte die verteidigende Mannschaft den Vorteil, weil sie sich bewegen und Passwege zustellen konnte.
- Neu ist außerdem das Off-Balance-Dribbling, ausdrücklich von Messi inspiriert: Wer angerempelt wird und ins Stolpern kommt, behält die Kontrolle und kann den Ball in die gewählte Richtung mitnehmen.
Dazu kommen »Pass and Follow«, vier neue Skill Moves und, für mich die beste Änderung des ganzen Pakets, realistischere Reaktionszeiten der Torhüter. Die absurd schnellen Handbewegungen im Eins-gegen-eins sollen weg.
Das ist eine solide Liste, doch sie betrifft fast ausschließlich Standards und Sonderfälle. Die Punkte, mit denen FC 27 als Umbruch verkauft wird, sind andere.
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Manuelles Verteidigen, neue Ecken, neue Dribblings: Das Gameplay-Video zu FC 27
... und was nur ein verschobener Wert ist
Die große »Revolution« von FC 27 ist die Entautomatisierung: Automatische Tacklings der KI werden abgeschaltet. Die Reichweite von KI-Verteidigern beim Abfangen sinkt unter die eines von euch gesteuerten Spielers. PlayStyles werden weniger mächtig sein. Die Reichweite manueller Stehtacklings wird größer – und, und, und.
Jeder einzelne Punkt ist sinnvoll. Aber keiner davon ist eine Mechanik, die es vorher nicht gab. Es sind Wertanpassungen an bestehenden Systemen, und man kann sie in beide Richtungen drehen.
Doch all diese Regler wurden schon in FC 26 einmal in dieselbe Richtung gedreht.
Update 1.1.0, veröffentlicht im Oktober 2025 und damit gut einen Monat nach Release, hat die Jockey- und Sprint-Jockey-Reaktionsfähigkeit für von euch gesteuerte Spieler erhöht. Im selben Update wurden Steckpässe ausdrücklich weniger assistiert und stärker abhängig von eurer Zieleingabe gemacht. Beide Punkte stehen jetzt wieder in den FC-27-Notes, diesmal als Verbesserung gegenüber FC 26.
Update 1.4.0 im Januar brachte laut EA eine Änderung an der KI-Verteidigung. Update 1.5.0 im März hatte das erklärte Ziel, den Einfluss bestimmter PlayStyles zu senken und mehr Gewicht auf die Kern-Attribute zu legen. In der FC-27-Präsentation heißt derselbe Vorgang, man verlagere Wirkung von den PlayStyles zurück in die Attribute. Zehn PlayStyles sind bereits dokumentiert, weitere sind angekündigt.
Warum EA darum nun so großen Wirbel macht, erschließt sich mir nur bedingt. FC 27 verkauft hier keine Revolution, sondern die nächste Runde an Justierungen auf einer Dauerbaustelle, die jedes Jahr neu eröffnet wird.
Zum Release schiebt EA die Regler in Richtung weniger Automatik und mehr Eigenverantwortung. Ein paar Monate später kann ein Update dieselben Werte wieder zurückdrehen, weil das Spiel zu schwer, zu langsam oder zu frustrierend geworden ist.
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EA Sports FC 27: Der erste Trailer ist da – und bringt eine komplett neue Spielwelt mit
EA sagt selbst, dass es Feintuning ist
Der eigentliche Grund für meine Skepsis steckt aber nicht in den alten Patchnotes, sondern in der Gameplay-Präsentation, die nur ausgewählte Pressemitglieder zu sehen bekommen haben. Man muss da nur zuhören, wie EA über das eigene Spiel spricht.
Nach den Änderungen an Angriff und Abwehr folgt der Hinweis, man werde weiter beobachten, ob das Spiel im Gleichgewicht bleibt. Begründung: Man wolle eine bestimmte Menge an Toren pro Partie, zu viele seien kein Fußball, zu wenige machten keinen Spaß.
Nach dem Kapitel zu Ecken und Flanken derselbe Vorbehalt: Man wolle nicht, dass die meisten Tore von Standards kommen. Beim Off-Balance-Dribbling dasselbe. Der Schlusssatz lautet, alles Gezeigte sei »work in progress«.
Das ist natürlich nur ehrlich, aber es beschreibt eben kein dauerhaftes Spielgefühl, sondern nur ein Balancing-Ziel.
Nicht »so spielt sich FC 27«, sondern »so viele Tore soll FC 27 produzieren, und dafür drehen wir, was nötig ist«. Wer so kommuniziert, sagt euch im Juli, dass die Werte vom Release im September nicht die Werte vom Dezember sein werden.
Der Widerspruch, den EA nicht auflösen kann
Bleibt die Frage, warum am Ende eigentlich immer so viel am Spiel herumgeschraubt wird. Aus meiner Sicht steckt dahinter ein Konflikt, den EA schlicht nicht lösen kann.
Ultimate Team funktioniert, weil eure Karten etwas ausmachen. Teure Editionen verkaufen sich über das Versprechen, dass die darin enthaltenen FC-Points und Karten euch am Ende beim Gewinnen helfen. Doch ein Spiel, in dem eure Fähigkeiten am Controller über Tackle, Flanke und Kopfball entscheiden, ist zwangsläufig ein Spiel, in dem die Karte weniger entscheidet. FC 27 senkt also die Wirksamkeit von genau dem, womit EA sein Geld verdient.
So ein Widerspruch wird nicht mit einem großen Update aufgelöst, das würde auffallen. Es werden wieder kleine Prozentschritte: hier ein wenig mehr KI-Reichweite, dort eine Winzigkeit mehr Kopfball-Hilfe, weil sich zu viele Ecken und Flanken im Nichts auflösen. Bis es sich irgendwann wieder so spielt wie immer.
Am 18. September startet der Early Access der Ultimate Edition, am 25. September folgt der weltweite Release. Dass sich FC 27 dann besser anfühlt als FC 26, halte ich für wahrscheinlich. Interessant wird aber der Blick in die Patchnotes von Update 1.1.0, irgendwann im Oktober.
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