Wenn ihr mich fragt, was die größte Innovation bei Handy-Kameras der letzten Jahre war, ist meine Antwort ganz klar: Zoom.
Dank Periskop-Konstruktionen, Entwicklungen in der Sensor-Technologie und fortschrittlichen Software-Algorithmen können heute viele Smartphones Zoom-Stufen erreichen, für die früher riesige Objektive nötig waren.
Obwohl das so beeindruckend ist, entscheide ich mich für meine teure Kamera trotzdem ganz bewusst gegen Zoomobjektive, doch das ist reine Geschmacksache. Die Gegenseite hat nämlich starke Argumente.
Festbrennweite vs. Zoom: Die Antwort ist selten Schwarz und Weiß
Vor einigen Tagen habe ich einen Artikel über das Viltrox 28mm F4.5 geschrieben. Das ist ein Objektiv mit einer festen Brennweite von 28mm – es kann also nicht zoomen.
Unter diesem Artikel haben die User Reginald Bull und Silberwiesel zwei Kommentare hinterlassen, die für mich der Anlass für diesen Artikel waren.
Reginald Bull: »Ich finde Festbrennweiten generell super, weil man eben nicht durch diese ganze Einstellmöglichkeiten abgelenkt wird. Man muss das nehmen, was man durchs Objektiv sieht und das Beste draus machen, notfalls muss eben näher ran oder so. Gerade auf der Straße ist das einfach Mega.«
Reginald Bull sieht in der Nutzung von Festbrennweiten vor allem künstlerische Vorzüge, die ich ebenfalls sehe. Die Reduzierung auf ein einziges Blickfeld zwingt einen dazu kreativ zu werden und den Bildausschnitt bewusst zu wählen.
Der Fokus auf nur eine einzige Brennweite schult zudem das fotografische Auge. Man lernt das eigene Objektiv quasi in- und auswendig und weiß nach einer Weile ganz intuitiv, welcher Bildausschnitt einen erwartet, noch bevor man die Kamera überhaupt ans Auge führt.
Festbrennweiten haben noch weitere Vorteile:
- Optische Qualität: Festbrennweiten werden für den Bildausschnitt optimiert, den sie darstellen, während ein Zoomobjektiv mehrere Sichtfelder abdecken muss. Deswegen bieten Festbrennweiten oft eine hohe Bildschärfe und weniger optische Fehler (wie etwa chromatische Aberrationen oder Randunschärfe). Diese Regel ist jedoch nicht in Stein gemeißelt – es gibt Ausnahmen.
- Hohe Lichtstärke: Viele Festbrennweiten können mit besonders großen Blenden, wie etwa F1.4, F1.2 oder gar F/0.95 extrem viel Licht auf Bildsensoren lassen. Das sorgt nicht nur für eine bessere Low-Light-Performance, sondern lässt sich kreativ einsetzen (etwa für extrem verschwommene Hintergründe). Zoom-Objektive sind allerdings auf der Aufholspur; inzwischen gibt es Modelle mit durchgängiger F1.8-Blende.
- Viele kompakte Optionen: Viele Festbrennweiten sind besonders kompakt. Sogenannte Pancake-Objektive sind kaum höher als ein Gehäusedeckel für die Kamera, wie etwa das Viltrox 28mm F4.5.
- Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis: Wer exzellente Bildqualität für verhältnismäßig wenig Geld sucht, landet unweigerlich bei einer Festbrennweite. Ein klassisches 50mm F1.8 (das berühmte »Nifty Fifty«) kostet oft nur einen Bruchteil eines guten Standard-Zooms.
Wo Licht ist, ist aber bekanntlich auch Schatten. Die Nachteile von Festbrennweiten liegen auf der Hand:
- Zoom mit den Schuhen: Man muss sich buchstäblich mehr bewegen. Das ist toll für die Kreativität, aber manchmal ist etwas im Weg, die Wand im Rücken oder der Raum schlicht zu klein, um weiter zurückzugehen.
- Häufigere Objektivwechsel: Wer verschiedene Blickwinkel braucht, muss wechseln. Das erhöht bei Wind und Wetter unweigerlich das Risiko für Staub auf dem Sensor und kostet Zeit.
Silberwiesel: »@Reginald Bull: Stimm dir zu, dass es Sinn macht auch Festbrennweiten zu benutzen, aber sicher nicht, weil ein Zoomobjektiv so viele Einstellungen mit sich bringt, dass man deswegen überfordert ist. Es gibt genau eine. Zoom. Und den muss man nicht verwenden, wenn man nicht will.
Weiters muss man auch bei einem Zoomobjektiv das nehmen was man sieht (da meinst du wohl was anderes als das was du schreibst). Ein Zoomobjektiv kann man sich auch so vorstellen, als hätte man 3 Festbrennweiten mit und würde die wechseln. Nur dass es viel einfacher geht. Man soll schon etwas die Kirche im Dorf lassen. Festbrennweiten und Zoomobjektive haben beide Vor und Nachteile und man muss sich nicht für A oder B entscheiden sondern sollte das nehmen, was für den aktuellen Anwendungszweck am Sinnvollsten ist.«
Silberwiesel nennt sehr gute Argumente, die für die praktikablen Vorteile von Zoom-Objektiven sprechen.
- Aufholjagd bei der Qualität: Die Technik bleibt nicht stehen. Moderne Zoom-Objektive werden immer besser und viele sind inzwischen sehr nah an der optischen Qualität von Festbrennweiten dran. Den Unterschied sieht man oft nur noch, wenn man Bilder auf Pixelebene betrachtet.
- Unschlagbare Flexibilität: Unterwegs Objektive zu wechseln, ist oft echt umständlich. Man braucht gefühlt immer eine zusätzliche Hand, einen sauberen Tisch oder eine Ablage. Und das Schlimmste: Es kostet Zeit. In den Sekunden, in denen man hastig das Objektiv tauscht, kann der entscheidende Moment längst verflogen sein. Ein Dreh am Zoomring dauert hingegen nur den Bruchteil einer Sekunde.
- Platz im Rucksack: Statt ein 24mm, ein 50mm und ein 85mm mitzuschleppen, packt man einfach ein 24-70mm ein. Das spart Nerven beim Packen, macht den Objektivwechsel überflüssig und sorgt für eine aufgeräumte Kameratasche.
Doch auch die bequemen Zooms haben ihre Nachteile:
- Größe und Gewicht: Ein lichtstarkes Zoomobjektiv ist in der Regel ein ziemlicher Brocken. Wer den ganzen Tag mit einem 70-200mm F2.8 um den Hals herumläuft, merkt das am Abend.
- Hoher Preis: Wer bei einem Zoom keine Abstriche bei der Lichtstärke und durchgehenden Schärfe machen will, muss dafür tief in die Tasche greifen. Professionelle Zooms sprengen schnell mal die 2.000-Euro-Marke.
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Fazit: Was ist für wen?
Wie Silberwiesel schon ganz richtig anmerkt: Man muss sich nicht dogmatisch für A oder B entscheiden. Beide Welten haben ihre absolute Berechtigung und glänzen in unterschiedlichen Szenarien.
Festbrennweiten sind für euch, wenn:
Ihr Porträts mit traumhaft weichem Bokeh lieben lernt, oft bei wenig Licht (Low-Light) fotografiert, Street-Photography macht oder euch einfach selbst herausfordern und euer fotografisches Auge schulen wollt.
Sie sind perfekt für bewusste, entschleunigte Fotografie und für alle, die gerne mit kompaktem Gepäck unterwegs sind. Eher nichts sind sie für Situationen, in denen ihr eure Position nicht ändern könnt und trotzdem völlig unterschiedliche Bildausschnitte braucht.
Zoom-Objektive sind für euch, wenn:
Ihr auf Reisen seid, Events oder Hochzeiten fotografiert und maximale Flexibilität braucht. Wenn sich die Situationen rasant ändern, ihr keine Zeit für Objektivwechsel habt oder Wildtiere und Athleten aus der Distanz einfangen müsst, ist das Zoom euer bester Freund.
Eher nichts sind sie für Fotografen und Fotografinnen, die ein möglichst leichtes Setup suchen oder die absolute Freistellung einer F1.2-Blende benötigen.
Am Ende ist die beste Ausrüstung die, die zu eurem aktuellen Vorhaben oder eurem Geschmack passt. Oft ist die Kombination aus beidem ohnehin der beste Weg: Ein vielseitiges Standard-Zoom für den unberechenbaren Alltag und eine lichtstarke Festbrennweite für die besonderen, kreativen Momente.

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