Das hier ist die mit Abstand beste Kamera überhaupt – na ja, zumindest für mich

Lasst mich euch erklären, was das Besondere an der Ricoh GR IV (HDF) ist.

Diese Kompaktkamera wird mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht allen gefallen. (Bild: Patrick S.GameStar Tech) Diese Kompaktkamera wird mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht allen gefallen. (Bild: Patrick S./GameStar Tech)

Mein erster Kamerakauf war mit einem naiven Ziel verknüpft: Der Apparat soll astreine Bilder zaubern!

Was also tun? Richtig: Videos schauen, Artikel lesen und schließlich die Kamera kaufen, die alle halbwegs gut finden.

Der bittere Trugschluss: Keiner kann mir sagen, ob die Kamera wirklich zu mir passt. Ergebnis: Fehlkauf. Der Spaß blieb auf der Strecke und ich hing mir die Sony ein paar Jahre notgedrungen um den Hals.

Einige Jahre und Kameras später weiß ich dagegen ziemlich genau, was ich von einer Kamera will – und vor allem, warum. Sie soll möglichst klein sein, ordentlich Leistung bieten und mir gleichzeitig genug Raum für Kreativität lassen.

Genau danach schreit die Ricoh GR IV (HDF).

Patrick Schneider
Patrick Schneider

Autorenbox: Patrick hat erst im dritten Anlauf zur Fotografie gefunden. Zwar besaß er schon sehr früh eine Kamera, doch andere Dinge waren zunächst wichtiger. Dann schlug er sich mit der Sony Alpha 6600 durch – einer technisch starken Kamera, die ihm keinen Spaß machte. Schwaches Display, miserabler Sucher, dafür hervorragende Bilder: Auf dem Papier stimmte Vieles, nur das Gesamtpaket passte nicht zu ihm.
Erst eine gebrauchte Fuji im Jahr 2022 sollte alles ändern. Plötzlich war da diese Begeisterung. Seitdem widmet er den Großteil seiner Freizeit der Fotografie und sein Geld fließt statt in Standurlaub, Kleinwagen oder Gaming-Hardware bevorzugt in teure Kameraausrüstung.

Warum eine Ricoh?

In den letzten neun Jahren durfte ich erstaunlich viele Kameras in den Händen halten. Von allen großen Namen und den gängigen Sensorgrößen war alles schon in meinen Händen.

Wenn ich durch meine (digitalen) Fotoalben blättere, bleiben meine Augen immer wieder bei den gleichen Fotos hängen. Das sind Momente, die spontan, unvorhergesehen und mit etwas Glück von mir eingefangen wurden.

Der Groschen ist schließlich gefallen: Die »besten« Fotos gelingen mir immer wieder mit der Ricoh.

Das liegt an drei wesentlichen Merkmalen:

  1. Formfaktor: Die GR IV und ihre Vorgängermodelle sind so klein und kompakt, dass sie bei Ausflügen immer mit dabei sind. Die Kamera ist in weniger als einer Sekunde eingeschaltet und bereit zum Fotografieren. Ich habe die Zeit sogar wirklich gestoppt.
  2. Kontrolle: Im Gegensatz zu einem Smartphone habe ich die volle Kontrolle über ISO, Belichtungszeit, Blende und andere wichtige Einstellungen. Das funktioniert über physische Tasten, die ich blind bediene.
  3. Leistung: Trotz des kompakten Gehäuses verbaut der Hersteller einen APS-C-Sensor mit 25,74 Megapixeln. Zum Vergleich: Der Sensor ist damit rund fünfmal größer als der des iPhone 17 Pro. Das bedeutet: mehr Licht, weniger Bildrauschen (selbst bei ISO 6400) und mehr Spielraum bei schwierigen Lichtverhältnissen. Gleichzeitig ermöglicht der größere Sensor eine natürliche Hintergrundunschärfe – ganz ohne künstlichen Porträtmodus.

All das vereint der Hersteller in einem stimmigen Gesamtpaket mit einem lichtstarken 28-mm-Objektiv (f/2,8) sowie einem zuverlässigen Bildstabilisator. Mit keiner anderen Brennweite fotografiere ich lieber.

Das ist ein Merkmal, das mir etwa bei der Fujifilm X100VI auf Dauer schmerzlich gefehlt hat.

Video starten 0:37 Eine der besten Anschaffungen für meine Kamera: ein Makroobjektiv

Stealth-Modus

Bleiben wir beim Formfaktor, denn dieser bringt einen passiven Skill mit: »Unsichtbarkeit«. Mit der kleinen Kamera fällt man auf offener Straße überhaupt nicht auf. Höchstens werde ich der Personengruppe »Touri« zugeordnet, die ein paar Schnappschüsse für ihr Reisealbum macht.

Stellt euch zum Beispiel zwei Personen mit Kameras inmitten des Stadtgeschehens vor. Eine Person hält eine kleine Kompaktkamera in der Hand, die andere eine große Nikon, Sony oder Canon mit einem Zoomobjektiv. Wer zieht die Blicke mehr an?

Anders ausgedrückt ist die Ricoh genau die Kamera, um unbeobachtet interessante Momente einzufangen. Und genau deswegen ist sie bei Streetfotografen Kult.

Die kreativen Möglichkeiten

Das kleine Arbeitstier kann mehr als nur »normale« Fotos schießen. Ricoh verbaut ziemlich coole Funktionen, die für mehr Komfort sorgen oder die Kreativität fördern.

Snap-Modus: Eben war ich beim Thema Straße, wofür sich der sogenannte Snap-Modus als Cheatcode erweist. Ihr stellt einmal ein, auf welche Distanz die Kamera fokussieren soll. Ab da heißt es: draufhalten, auslösen und fertig. Es gibt kein Warten auf den Autofokus. Genau das, was ich in hektischen Momenten auf der Straße brauche!

HDF: Die HDF-Version der Ricoh GR IV verfügt über einen integrierten High-Diffusion-Filter, der Lichtquellen weich streut und ihnen einen coolen Glow-Effekt verleiht. Dadurch kommen besonders bei Nachtaufnahmen Straßenlaternen, Leuchtreklamen oder Autoscheinwerfer schön zur Geltung.

Das Bild erhält dadurch außerdem einen leicht verträumten, fast schon analogen Look. Und das Beste: Der Effekt lässt sich per Knopfdruck aktivieren und deaktivieren.

Eingebauter Makromodus: Ein Klick genügt und die Ricoh fokussiert bis auf wenige Zentimeter heran. Ganz ohne Objektivwechsel und Zubehör. Natürlich kann sie mit echten Makroobjektiven nicht mithalten, aber der Modus ist durchaus zweckdienlich.

Mehrfachbelichtung: Dabei könnt ihr zwei Aufnahmen miteinander verschmelzen und so Bilder erzeugen, die mit einer normalen Einzelaufnahme kaum möglich wären. Ihr könnt beispielsweise ein Motiv mit seiner Umgebung kombinieren oder eine Person gleich mehrfach im selben Bild platzieren. Das eröffnet nahezu unendliche kreative Möglichkeiten.

Tv-Modus: Die Ricoh GR IV verfügt auch über einen Modus für die Zeitvorwahl. Dabei legt ihr die gewünschte Verschlusszeit fest, während die Kamera Blende und ISO entsprechend anpasst. Das ist besonders praktisch, wenn ihr mit Bewegung spielen möchtet: Eine lange Verschlusszeit lässt Bewegungen bewusst verschwimmen. So erzeugt ihr spannende Effekte, ohne euch mit den manuellen Einstellungen auseinandersetzen zu müssen.

Neben dieser Funktion gibt es viele weitere Optionen und Möglichkeiten. So hat das Moduswahlrad beispielsweise drei benutzerdefinierte Profile, die ihr speichern könnt.

Mir gefallen die Farben der Kamera ausgesprochen gut. In der Regel ist das Farbprofil bei mir auf »Positive Film« eingestellt, was für einen ansprechenden Retro-Look sorgt.

Ihr könnt aber auch ganz einfach eigene Farbprofile erstellen und speichern. Es gibt sogar eine kostenlose App eines Drittanbieters mit einigen vorgefertigten Profilen.

Fujifilm X100VI
Fujifilm X100VI
Die APS-C-Kamera kommt mit einem 35-mm-Objektiv, einem 40-Megapixel-Sensor und einer optischen Bildstabilisierung.
Ricoh GR III
Ricoh GR III
Dank eines großen APS-C-Sensors schießt die Ricoh GR III Fotos in Systemkamera-Qualität. Ihr müsst allerdings mit nur einer Brennweite zurechtkommen.
Canon G7X Mark III
Canon G7X Mark III
Der große 1-Zoll-Typ-Sensor in Kombination mit einem lichtstarken Zoom-Objektiv, sorgt dafür, dass ihr für jede Situation gewappnet seid.
Sony RX100 VII
Sony RX100 VII
Einer der besten Kompaktkameras auf dem Markt, mit rasantem Autofokus und eingebauten elektronischen Sucher. Dank eines 8x-Zooms entgeht euch auf Reisen kein Moment.

Aber: Sie wird nicht allen gefallen

Ich liebe diese kleine Kamera, weil sie für meine Art der Fotografie geschaffen wurde und bis ins letzte Detail optimiert ist. Doch dieser enorme Feinschliff kommt nicht ohne Kompromisse.

Die Ricoh ist eine Kompaktkamera mit einem fest verbauten Objektiv. Wer sich mit 28mm nicht anfreunden kann oder flexibel sein möchte, für den gibt es ein böses Erwachen.

Gleiches gilt für den fehlenden Sucher (es gibt optional erhältliche Sucher zum Aufstecken). Das ist besonders bei direkter Sonneneinstrahlung auf das Display ein klarer Nachteil. Wer die Welt also lieber durch einen Kamerasucher sieht, wird mit dieser Kamera langfristig nicht glücklich.

Nervig: Im Gegensatz zur Ricoh GR III unterstützt die IV nur Micro-SD-Karten. (Bild: Patrick S.GameStar Tech) Nervig: Im Gegensatz zur Ricoh GR III unterstützt die IV nur Micro-SD-Karten. (Bild: Patrick S./GameStar Tech)

Beim Akku bin ich zwiegespalten. Zwar hat Ricoh ihn gegenüber dem Vorgänger vergrößert und offiziell sind rund 250 Aufnahmen möglich, was mehr ist als bei der GR III, für ein ganztägiges Shooting reicht mir das aber trotzdem nicht (immer). Ich habe grundsätzlich immer einen zweiten Akku dabei.

Schade finde ich persönlich, dass Ricoh der GR IV keine Wetterfestigkeit verpasst hat. Zwar soll sie besser gegen Staub abgedichtet sein (ein Kritikpunkt des Vorgängermodells), aber ich würde sie nicht im Regen nutzen.

Noch bedauerlicher finde ich den Wechsel zu Micro-SD-Karten. Für den Transfer am Rechner benötige ich jedes Mal einen Adapter, was einfach nur nervt. Immerhin sind 53 GB Speicherplatz fest in der Kamera verbaut.

Pro
  • Sehr kompakt und leistungsstark
  • Sehr schnell + Fixfokus (Snap-Modus)
  • Guter Bildstabilisator
Kontra
  • Teuer
  • Micro-SD-Kartenslot
  • Kein Objektivwechsel, kein Sucher

Der Preis

Zum Schluss der Punkt, an dem die meisten aussteigen werden: der Preis. Der Hersteller verlangt inzwischen stolze 1.450 Euro. Für die HDF-Version sind es noch einmal 100 Euro mehr.

Das ist eine ordentliche Summe für eine Kompaktkamera, die gewissermaßen eine Nische besetzt. Mir ist sie das Geld jedenfalls wert, denn sie hat meine Nikon Z F zur Zweitkamera degradiert.

Keine Frage, ich verwende beide Kameras sehr häufig. Allerdings nutze ich die Nikon inzwischen vorrangig für Produktfotos hier auf GameStar Tech, während ich mit der GR IV meinem Hobby nachgehe. Und das sagt eigentlich auch schon alles.


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