Der Wunsch, Energie aus dem Nichts zu gewinnen, zählt zu den ältesten Träumen der Menschheit. Historisch unter Perpetuum mobile
zu verorten, verstoßen alle Versuche hierzu jedoch gegen die Grundprinzipien der uns bekannten Physik.
Einem kleinen Team von der Princeton University sowie des Jet Propulsion Laboratorys gelang laut seines eigenen Berichts jedoch ein Wissenschafts-Kunststück.
Das Ergebnis: Potenziell emissionsfreie Stromproduktion durch Anzapfen von Erdrotation und Erdmagnetfeld. Die theoretischen Möglichkeiten reichen weit.
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Wolkenkratzer als 1.000 Meter hoher Energiespeicher
Die Verschobenen: Erdrotation und Magnetfeld
Die Technik setzt bei fundamentalen Eckpfeilern der Erde an:
- Erdrotation mit der um 23,5 Grad gekippte Achse als Mittelpunkt.
- Der Kippung haben wir die Jahreszeiten zu verdanken,
- der Eigenrotation Tag und Nacht
- Das Erdmagnetfeld, das sich über weit in den Weltraum hinausreichende Linien, vom Nord- zum Südpol erstreckt.
Nun kommt der Clou, der weniger bekannt sein dürfte: Die magnetischen Pole liegen nicht exakt auf den geografischen. Sie sind deutlich versetzt, weshalb das Magnetfeld leicht schief zur Rotationsachse steht. Obendrein wandern die Pole jedes Jahr ein wenig. Aktuell liegt der magnetische Nordpol leicht nördlich des 85. Breitengrads – der geografische bei exakt 90 Grad.
Während der Eigendrehung bewegt sich also alles auf Erden stetig durch diese Asymmetrie. Da setzt die Erfindung an:
Ein speziell konstruierter, etwa 30 Zentimeter langer, hohler Zylinder aus magnetischem Material (Mangan-Zink Ferrit) wurde senkrecht zur Erdrotation in Nord/Süd-Richtung festgeschnallt. Hierbei müssen aber die Charakteristika des Zylinders sowie der exakte Winkel an die jeweilige Örtlichkeit angepasst werden. Denn das Erdmagnetfeld variiert auf Erden je nach Position auf der Oberfläche.
Das Ergebnis überraschte selbst die Wissenschaftler – auch wenn ihre Berechnungen es prognostizierten: „Sie maßen eine Spannung, die die Grundlage für fließenden elektrischen Strom bildet:
Es kommt einem verrückt vor, es versprüht einen Hauch eines Perpetuum mobile
- Chris Chyba of Princeton University (via physics.org)
Wiederholung des Tests anderenorts zur Bestätigung
Um experimentell zu beweisen, dass es sich nicht um reinen Zufall handelt, wiederholten die Forscher nach eigener Beschreibung das Experiment an einem weiteren Ort. Das erste Ergebnis wurde bestätigt.
Des Weiteren rotierten sie die Apparatur jeweils um 90 Grad, sodass die nach ihren Berechnungen notwendige Lage im Magnetfeld fehlte. Die Spannung verschwand direkt. Zur weiteren Absicherung nutzen sie einen massiven Zylinder, gleicher Abmessungen und aus dem identischen Material. Auch hiermit versuchten sie Spannung zu erzeugen – ohne Erfolg.
Ihre spezielle Hohl-Konstruktion scheint also zu funktionieren, solange die oben beschriebenen Zustände herrschen. Ferner ließ sich die Richtung der Spannung auch umkehren, indem sie ihren Zylinder um 180 Grad drehten.
Obschon der Effekt an sich verheißend erscheint, gibt es einen Haken: Die gemessene Spannung ist extrem gering: Etwa ein Millionstel der notwendigen Spannung, um ein Handy zu laden. Allerdings könnten solche Zylinder weiterentwickelt als Miniaturgeneratoren für spezielle Anwendungsfelder dienen, schreiben die Forscher.
Vielversprechender für die Industrie könnte das Projekt eines deutschen Unternehmens sein: Sie wollen das Geheimnis nutzbarer Kernfusion entschlüsselt haben – schon in wenigen Jahren soll ihr Reaktor Strom ins Netz einspeisen.
Als Nächstes stünde laut den Wissenschaftlern deshalb an, ihren Fund unabhängig zu bestätigen sowie zu untersuchen, inwiefern sich die Anlage vergrößern ließe, um eine verwertbare Energiequelle vorzuweisen. Nach den Berechnungen sollte sich die Spannung verstärken, wenn der Zylinder ausladender und länger ausfällt.
Bis das gelingt, bleibt das Experiment nichts weiter als Grundlagenforschung – aber enorm spannende. Da sie nach den vorliegenden Daten wirklich Strom aus dem scheinbaren Nichts zieht: dem für uns unsichtbaren Erdmagnetfeld sowie der Rotation der Erde.
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