Rund 1,6 bis 1,8 Kilometer lang, zwischen 229 und 244 Meter breit, 30 Decks hoch und Platz für etwa 80.000 Menschen (via freedomship.com: Quelle 1, Quelle 2): Das Freedom Ship klingt zunächst mehr nach einem gewaltigen Gebäude oder mit viel gutem Willen nach einem gigantischen Kreuzfahrtschiff, bei dem Ingenieure einmal ihren Ideen freien Lauf lassen und jegliche Vernunft sprengen durften.
Doch das Ganze soll nicht nur auf dem Papier entstehen.
Es ist eine Vision, die auf dem Meer umgesetzt werden soll – gedacht ist es als eine Art Mischung aus Kreuzfahrtschiff und schwimmender Stadt.
Die Entwürfe zeigen Wohnungen, Hotels, Schulen, Geschäfte, Parks, ein Krankenhaus und sogar ein Stadion. Die Menschen an Bord sollen dort daher nicht einfach nur Urlaub machen, sondern dauerhaft leben und arbeiten.
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Freedom Ship – Die erste echte schwimmende Stadt der Welt
Eine Stadt, die an keinem Hafen anlegen kann
Rund 50.000 Menschen sollen dort leben können, dazu kämen Gäste und entsprechende Besatzungsmitglieder.
Normales Anlegen in einem Hafen ist bei diesen Ausmaßen aber nahezu unmöglich. Menschen und Waren müssten zwangsläufig mit Fähren, Booten oder gar Hubschraubern an Bord gebracht werden – ein logistischer Albtraum.
Gebaut ist bislang nichts
So spektakulär die Bilder auch wirken mögen, so wichtig ist die Einschränkung: Das Freedom Ship existiert bislang nur als Idee.
Wie bei anderen schier übermenschlichen Projekten wie The Line gibt es auch hier lediglich Renderbilder, Medienberichte und Versprechen. Es existiert auch kein verbindlicher Termin für den Baubeginn.
Von gesicherter Finanzierung und belastbarer Zulassung ganz zu schweigen.
Zudem ist die Idee weitaus älter, als man vielleicht denken könnte. Denn schon in den späten 1990er-Jahren war eine schwimmende Stadt mit diesem Namen im Gespräch.
Seither wurde das Projekt mehrfach aus der Schublade geholt und neu belebt. Entstanden ist daraus bislang jedoch nichts.
Oder auf einen Satz heruntergebrochen: Die neue Aufmerksamkeit ist weniger der Start eines Bauprojekts als der nächste Anlauf einer fast 30 Jahre alten Vision.
Die Größe ist das Problem
Die gewaltigen Maße des Freedom Ships sind dabei nicht nur beeindruckend. Sie machen das Projekt beinahe unmöglich.
In welchem Trockendock soll eine Konstruktion dieser Größe gebaut werden? So etwas gibt es schlicht nicht.
Denkbar wäre eher eine modulare Bauweise in mehreren Werften. Später könnten die Teile auf einer Plattform miteinander verbunden werden.
Doch selbst wenn das irgendwie gelingen sollte, fängt die eigentliche Herausforderung erst an.
Denn eine schwimmende Stadt mit zehntausenden Bewohnern braucht täglich Unmengen Trinkwasser, Lebensmittel, Energie, medizinische Versorgung und Logistik. Gleichzeitig müssen Abwasser und Müll sauber entsorgt oder aufbereitet werden.
Das ist bereits auf gewöhnlichen Kreuzfahrtschiffen eine äußerst anspruchsvolle Aufgabe. Im Falle einer dauerhaft bewohnten Stadt auf See wird daraus eine womöglich kaum stemmbare Mammutunternehmung.
Und dann ist da noch die Sicherheitsfrage: Was passiert bei Bränden, einer Havarie oder einem Stromausfall? Wer evakuiert 80.000 Menschen, wenn gerade kein Hafen in unmittelbarer Nähe ist?
Außerdem dürfte sich ein Gefährt dieser Größe auf Wasser anders verhalten als herkömmliche Schiffe, weil Wellen verschiedene Bereiche unterschiedlich stark anheben oder absenken. Der Rumpf müsste daher wohl gleichzeitig flexibel und starr genug sein, um den Belastungen standzuhalten.
Keine Stadt ohne Regeln
Doch das ist längst nicht das Ende der Fahnenstange: Denn auch rechtlich wäre das Freedom Ship keine frei schwimmende Utopie, wie der Name es vermuten lässt.
Auf hoher See wäre es nicht automatisch ein eigener Staat. Es müsste wie jedes Schiff unter der Flagge eines Landes fahren und dessen Regeln sowie internationale Sicherheits- und Umweltvorschriften einhalten.
Und selbst wenn das Freedom Ship tatsächlich gebaut und all das umgesetzt würde, wäre es nicht die erste schwimmende Stadt der Welt. Das erste private Residenzschiff mit Eigentumswohnungen lief bereits 2001 vom Stapel – es hört auf den Namen The World.
Wirklich neu wäre der Maßstab. The World ist in Form und Größe praktisch ein normales Kreuzfahrtschiff mit rund 196 Metern Länge. Das Freedom Ship wäre also mehr als 30 Meter breiter als The World lang ist – und damit die erste echte schwimmende Stadt der Welt.
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Mehr Utopie als tragfähiges Konzept
Ob wir das Freedom Ship jemals zu Gesicht bekommen, ist äußerst fragwürdig. Die technischen Hürden wären enorm, die Finanzierung nicht minder gewaltig und allein der Betrieb vermutlich fast so aufwendig wie der Bau an sich.
Dass sich die Idee seit gut 30 Jahren hält, zeigt jedoch, wie hartnäckig der Traum vom permanenten Leben auf See ist.
Nur ist eben genau das der Haken.
Eine Stadt ist nicht lediglich eine Ansammlung von Wohnungen, Parks, Straßen und Geschäften. Stete Versorgung, verbindliche Regeln, verlässliche Sicherheit, Wartung und Verwaltung sind mindestens ebenso wichtig.
Das Freedom Ship ist deshalb womöglich weniger ein Schiff der Zukunft als ein Test für eine größere Frage: Lässt sich eine Stadt dieser Größte überhaupt ohne Weiteres von festem Untergrund lösen?
Auf Renderbildern lautet die Antwort: ja. In der Realität ist das Projekt von einem baureifen Konzept jedoch noch weit entfernt.

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