Linux auf einem High-End-Gaming-Laptop: Ich habe es ausprobiert und einen Unterschied von fast 40 Prozent in Cyberpunk 2077 festgestellt

Ich habe Linux auf einem Highend-Laptop getestet und herausgefunden, ob es für Gamer eine echte Windows-Alternative ist.

Bei Tuxedo bekommt ihr Laptops mit bereits vorinstalliertem Linux, darunter sind auch Modelle, die sich prima zum Zocken eignen. Bei Tuxedo bekommt ihr Laptops mit bereits vorinstalliertem Linux, darunter sind auch Modelle, die sich prima zum Zocken eignen.

Für die meisten von euch ist die Wahl des Betriebssystems bei ihrem Laptop klar: Windows. Das Betriebssystem bietet nach wie vor die beste Kompatibilität und ist für Spieler die Nummer 1. Doch was ist eigentlich mit Linux? Steam hatte mit seinem SteamOS einen echten Achtungserfolg erzielt. 

Manche Spiele laufen dort sogar etwas schneller als unter Windows, damit hätte ich nicht gerechnet. Bisher läuft SteamOS primär auf Handheldkonsolen und auch dort nur mit einer überschaubaren Auswahl an verfügbarer Hardware. Ab der Version 3.7.8 kann das Betriebssystem auch auf einem normalen PC ausprobiert werden. Die volle Unterstützung steht laut Valve allerdings bisher nur für AMD-Hardware zur Verfügung.

Doch wie schlägt sich eigentlich ein Laptop mit aktueller High-End-Hardware von Nvidia unter Linux? Dieser Frage gehe ich in diesem Artikel mit einem Kurztest auf den Grund. Ich habe mir dazu vom Linux-Spezialisten Tuxedo Computer das neue Stellaris 16 schicken lassen.

Wie der Name Tuxedo bereits vermuten lässt, wird Linux bei den Geräten des Herstellers auf Wunsch schon direkt vorinstalliert, ihr müsst euch also um nichts mehr kümmern.

Sven Scharpe
Sven Scharpe

Sven ist seit Oktober 2024 Teil der GameStar-Tech Redaktion. Er ist ausgebildeter Fachinformatiker und war unter anderem bei Heise und ComputerBase als Redakteur tätig. Neben Musik der etwas härteren Art hat er auch privat ein ausgeprägtes Faible für technische Geräte, egal ob Laptop, Smartphone oder ganz normale PC-Hardware.

Eine Sache möchte ich anmerken: Ich bin kein Linux Pro, das ist seit vielen Jahren mein erster Kontakt mit diesem Betriebssystem. Für mich sollte daher möglichst alles Out of the box funktionieren, da ich keine tiefergehende Ahnung von Shell-Befehlen habe. Ich denke, vielen von euch dürfte es da ähnlich gehen wie mir. 

Was steckt im Pinguin?

Das Stellaris 16 ist baugleich mit dem XMG Neo 16. (Quelle: Tuxedo) Das Stellaris 16 ist baugleich mit dem XMG Neo 16. (Quelle: Tuxedo)

Das Gerät besitzt die folgende für die Tests relevante Hardware:

  • CPU: Intel Core 9 Ultra 275HX mit 24 Kernen und max. 5,4 GHz
  • Grafik: Nvidia RTX 5080 mit 175 Watt TGP (inkl. Dynamic Boost)
  • RAM: 64-GB-DDR5-5600
  • SSD: 1x 4-TB-M.2

So ausgestattet steht das Gerät keinem aktuellen Windows-Gaming-Notebook nach. Schauen wir mal, ob die Gaming-Leistung unter Linux mithalten kann.

Das Betriebssystem

Tuxedo entwickelt und pflegt eine eigene Linux-Distribution, die den Namen Tuxedo OS trägt. Das Betriebssystem basiert auf Ubuntu, wird aber von Tuxedo laufend mit zuvor getesteten Updates und, für Gamer besonders wichtig, den aktuellsten Treibern versorgt. Bei der GUI (Graphical User Interface) kommt KDE Plasma zum Einsatz, das rein optisch an Windows erinnert und eine Umgewöhnung erleichtern soll.

Tuxedo OS sieht sehr minimalistisch aus, die Bedienung ist größtenteils intuitiv. Tuxedo OS sieht sehr minimalistisch aus, die Bedienung ist größtenteils intuitiv.

Übrigens, die Neuinstallation des Betriebssystems ist selbst für unerfahrene Anwender ein Kinderspiel. Tuxedo legt einen USB-Stick bei, von dem sich das OS nahezu vollautomatisch installiert. Alles, was ihr tun müsst, ist den Stick als Bootmedium auszuwählen.

In meinem kurzen Test hinterließ das System einen guten Eindruck, es reagierte flink und ohne großartige Verzögerungen. Allerdings fehlen mir natürlich auch Erfahrungswerte mit anderen Distributionen. Insgesamt finde ich Tuxedo OS optisch durchaus gelungen, der minimalistische Stil sagt mir sehr zu.

Benchmarks: deutliche Leistungseinbußen dank schlecht optimierter Nvidia Treiber

Bei den Benchmarks greife ich, wie in meinen Tests üblich, auf Cyberpunk 2077 zurück. Zu berücksichtigen ist dabei, dass das Spiel nicht nativ von Linux ausgeführt werden kann, sondern über die Steam eigene Kompatibilitätsschicht Proton übersetzt werden muss.

Cyberpunk lade ich über Steam, den Client kann man leicht über Discover finden und installieren. Discover ist quasi das, was der Windows-Store für Windows ist. Hier findet ihr eine Vielzahl von Programmen, die sich einfach per Klick installieren lassen. Damit kommen auch Anfänger wie ich problemlos klar. 

Den integrierten Benchmark von Cyberpunk 2077 lasse ich jeweils in Ultra-Einstellungen ohne Raytracing in FHD und QHD durchlaufen. Die TGP der Grafikkarte beträgt immer 175 Watt (inklusive Dynamic Boost). 

Linux Vs Windows 11 - Cyberpunkt 2077 FHD
Tuxedo Stellaris 16

  • FPS
Linux (Tuxedo OS) 1920 x 1080
110,86
Windows 11 1920 x 1080
148,46
  • 0,00
  • 30,00
  • 60,00
  • 90,00
  • 120,00
  • 150,00

Linux Vs Windows 11 - Cyberpunkt 2077 QHD
Tuxedo Stellaris 16

  • FPS
Linux (Tuxedo OS) 2560 x 1440
70,86
Windows 11 2560 x 1440
98,09
  • 0,00
  • 20,00
  • 40,00
  • 60,00
  • 80,00
  • 100,00

Sowohl unter FHD als auch in der QHD-Auflösung ist die RTX 5080 unter Windows 11 34 beziehungsweise 38 Prozent schneller. Hier ist natürlich noch einmal zu betonen, dass das Spiel durch die Kompatibilitätsschicht Proton gejagt werden muss, was natürlich Leistung kostet.

Dennoch ist der Verlust schon sehr hoch. Der Schuldige dafür ist aber weder die Hardware in Form des Stellaris 16 noch Linux als Betriebssystem, sondern ganz klar die Treiber von Nvidia. 

Nicht vergessen sollte man auch, dass ich hier nur ein Spiel getestet habe, bei anderen Games könnte der Abstand auch geringer ausfallen. Dennoch bin ich davon überzeugt, dass bei jedem Spiel der Treiber von Nvidia der Flaschenhals sein wird.

Geekbench CPU
Tuxedo Stellaris 16

  • Geekbench Punkte
Linux (Tuxedo OS) Single-Core
3178
Windows 11 Single-Core
3068
Linux (Tuxedo OS) Multi-Core
20402
Windows 11 Multi-Core
20882
  • 0
  • 4200
  • 8400
  • 12600
  • 16800
  • 21000

Wenn ich die CPU-Leistung im Geekbench vergleiche, ist zu sehen, dass die Leistung, von minimalen Abweichungen abgesehen, nahezu identisch ist. Linux ist also durchaus performant, nur müssen die Treiber eben auch passen.

Fazit: Kann Linux auch für Spieler eine Alternative zu Windows sein?

Viele User – und ich schließe mich da selbst mit ein – hätten nichts gegen eine gute Alternative zu Windows einzuwenden, um der Datensammelwut von Microsoft nicht mehr hilflos ausgeliefert zu sein.

Abgesehen von wenigen proprietären Bestandteilen, wie etwa den Treibern für die Grafikkarten von AMD und Nvidia, ist Linux Open Source. Wenn hier jemand irgendwas böswilliges einbaut, dürfte es die große Linux-Community sicher schnell entdecken und öffentlich machen. Das ist ein nicht zu unterschätzender Vorteil!

Auch zum Spielen eignet sich Linux sehr gut, jedenfalls mit dem für AMD-Hardware optimierten SteamOS. Mit Nvidia Grafikkarten ist zumindest aktuell der Leistungsunterschied zu Windows 11 noch zu groß. Wie ich bereits im Artikel erwähnt habe, liegt das nicht an Linux, sondern am Hersteller der Grafikkarte. Nvidia dürfte seinen Linux-Treibern gerne etwas mehr Liebe spendieren, AMD schafft das ja schließlich auch. 

Tuxedo OS ist eine einsteigerfreundliche Distribution, die es geschafft hat, dass ich mich künftig mehr mit dem Thema Linux beschäftigen möchte. Vieles lässt sich intuitiv bedienen und auf die Shell (Kommandozeile) muss man nur noch in Ausnahmefällen zurückgreifen. Gänzlich ohne kommt man aber nach wie vor nicht aus.

Hier würde ich mir wünschen, dass Linux noch zugänglicher wird und die Hürden auch für technisch weniger versierte Anwender weiter sinken. 

Wenn das passiert ist und Nvidia endlich vernünftige Treiber veröffentlicht, hat Linux absolut das Potenzial, die Vormachtstellung von Windows zu brechen. Ein Albtraum für Microsoft und ein Traum für jeden Computernutzer. Ich bin gespannt, was die nähere Zukunft bringt und werde die Entwicklungen weiter verfolgen. 


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