Als Nvidias Geforce GTX 970 im September 2014 erschien, waren sich zunächst alle Tester inklusive der GameStar einig, dass es sich um eine sehr gute Grafikkarte handelt. Anfang 2015 kam der große Knall, der die GTX 970 zur vermutlich skandalträchtigsten GPU bislang gemacht hat. Wir schauen uns an, wie gut die GTX 970 heute noch ist und klären vorab, was den Skandal damals ausgelöst hat.
Wo lag das Problem der GTX 970? Zunächst sah es in den technischen Angaben so aus, dass die Grafikkarte wie viele andere Modelle über 4,0 GByte VRAM mit identischen Eigenschaften für den gesamten Speicherbereich verfügt. Später stellte sich aber heraus, dass 500 MByte davon nur deutlich langsamer angesprochen werden konnten, was auch Thema bei den GameStar-News war:
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News - Freitag, 30. Januar 2015 - Mogelpackung Geforce GTX 970; LEGO Jurassic World & Avengers angekündigt
Die ungewöhnliche Speicheranbindung bringt potenzielle Nachteile mit sich, wenn der langsame Speicherbereich adressiert werden muss - was in aktuellen Titeln eher der Fall ist als in Spielen von 2014. Diese Nachteile genau zu beziffern, ist allerdings schwierig, wie auch unsere damalige Analyse des Problems gezeigt hat:
GTX 970 VRAM-Problem in der Praxis - Was sagen die Spiele-Benchmarks?
Unstrittig ist allerdings, dass 4,0 GByte gleich schnell angebundener VRAM grundsätzlich besser sind als 3,5 GByte schneller Speicher plus 0,5 GByte langsamer Speicher - und dass sich viele Spieler von Nvidia betrogen gefühlt haben, auch aufgrund des offiziellen Umgangs mit dem Problem.
Nach diesem kurzen Blick in die Vergangenheit wenden wir uns wieder der Gegenwart zu und schauen uns an, ob die GTX 970 in aktuellen Titeln noch genug Leistung für ein flüssiges Spielerlebnis bieten kann.
Spiele-Benchmarks mit der GTX 970
Spiele-Benchmarks (Full HD)
Ryzen 5 5600X, 16 GByte RAM
- GTX 970
- GTX 1050 Ti
- 0
- 8
- 16
- 24
- 32
- 40
Wir haben in drei aktuellen Spielen mit unterschiedlichen Einstellungen nachgemessen, wie viel Leistung die GTX 970 heute noch bringt. Als CPU dient AMDs flotter Ryzen 5 5600X, damit hier kein unnötiger Flaschenhals entsteht. Zum Vergleich kommt außerdem eine GTX 1050 Ti zum Einsatz.
Sie ist grundsätzlich langsamer als die GTX 970, was auch für die maximale Speicherbandbreite gilt (ca. 110 statt ca. 200 MByte/s). Dafür sind ihre 4,0 GByte VRAM aber gleich schnell angebunden, während die langsamen 500 MByte der GTX 970 nur auf etwa 30 MByte/s kommen.
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In unseren Messungen liegt die GTX 970 im Schnitt etwa 25 Prozent vor der GTX 1050 Ti. Gegenüber unserem Test der GTX 1050 Ti aus dem Jahr 2016 ist der Vorsprung damit etwas gesunken. In den von uns gewählten Einstellungen gelingt es der GTX 970 dabei aber stets, über 30 FPS zu erreichen.
Mit dem aktuellen Treiber scheut sich die GTX 970 gleichzeitig nicht, über 3,5 GByte VRAM zu belegen. Dennoch sind die Frametimes ausreichend gleichmäßig. Sie geben in Millisekunden an, wie lange es dauert, jedes einzelne Bild zu berechnen und sollten im besten Fall nur geringe Schwankungen aufweisen.
Der Ausreißer am Ende im oben zu sehenden Beispiel von Cyberpunk 2077 ist mit der GTX 970 zwar größer als mit der GTX 1050 Ti, gespürt haben wir das aber nicht. Dafür liegen die Frametimes der GTX 970 niedriger (beziehungsweise die Bilder pro Sekunde höher), was dagegen sehr wohl spürbar ist.
Wie gut kann man mit der GTX 970 im Jahr 2022 noch spielen?
Durchaus ordentlich, wenn man bereit ist, in anspruchsvolleren Titeln die Details zu reduzieren und wenn man auch mal mit niedrigen FPS-Werten im Bereich von 30 Bildern pro Sekunde leben kann.
Nochmal höhere FPS sind per simplem Klick möglich, wenn Spiele wie im Falle von Anno 1800 und Cyberpunk 2077 AMDs Upscaling-Verfahren FSR unterstützen. In Anno 1800 kommen wir so auf über 50 FPS, in Cyberpunk auf fast 40. Allerdings wird das Bild dann durch die vergleichsweise niedrige Ausgangsauflösung von Full HD deutlich unschärfer. In hohen Auflösungen wie 4K funktioniert FSR besser, die liegen für eine GTX 970 aber völlig außer Reichweite.
Abschließend wenden wir uns noch mal kurz dem damaligen VRAM-Skandal zu. Mit Blick auf die viel diskutierte Speicherkonstellation eilt der GTX 970 heute möglicherweise ihre eher geringe Grundleistung zur Hilfe: Gut denkbar, dass ihr Flaschenhals bei aktuellen Titeln eher in anderen Bereichen wie bei der Shader-Zahl oder der niedrigen Taktrate von etwa 1,3 GHz liegt als bei der Speicheranbindung.
Wollt ihr generell wissen, ob 4,0 GByte VRAM heute noch ausreichen beziehungsweise wie viel Videospeicher eine Grafikkarte haben sollte, legen wir euch unseren passenden Artikel ans Herz:
Wie viel VRAM brauche ich? Messungen und Empfehlungen von Full HD bis 4K
Wie schätzt ihr die Lage ein? Käme es für euch in Frage, mit einer Grafikkarte wie der GTX 970 bei FPS-Werten von knapp über 30 Bilder pro Sekunde zu spielen oder ist das in Zeiten von deutlich schnelleren Grafikkarten und Monitoren mit 120 Hertz und mehr keine Option für euch? Schreibt es gerne in die Kommentare!



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