Spieleverfilmungen haben nicht den besten Ruf. Allzu häufig greifen die Produzenten und Filmemacher mit ihrer Version der Spielewelt vollkommen an dem vorbei, was Fans an einer bestimmten Reihe schätzen, und setzen sich damit ein eindrucksvolles Denkmal des Scheiterns. Prominente Beispiele dafür aus der jüngeren Zeit sind etwa die Filme zu Assassin's Creed, Borderlands und Hitman oder Paramounts Halo-Serie.
Die kommende Far-Cry-Serie aus der Feder von US-Produzent Noah Hawely könnte nun das gleiche Schicksal erleiden. Denn im Gespräch mit dem Filmmagazin Deadline zeigt der Showrunner eindrucksvoll, dass er sich noch nicht so wirklich mit der Shooter-Reihe von Ubisoft auseinandergesetzt hat.
1:26
Far Cry feiert Geburtstag: Ubisoft blickt im Trailer auf die letzten 20 Jahre zurück
Zu der Serie, deren Dreharbeiten noch in diesem Jahr in den Londoner Pinewood Studios beginnen sollen, sind noch nicht allzu viele Fakten bekannt. Fest steht jedoch bereits, dass sich die Serie nicht an einem bestimmten Spiel der Reihe orientiert, sondern storytechnisch eigene Wege gehen will. Als Showrunner fungiert der Amerikaner Noah Hawley (u.a. Fargo und Alien Earth).
Zwischensequenzen interessieren niemanden
Im Gespräch mit den Kollegen von Deadline hat der Produzent nun erstmals etwas mehr über seine Pläne für Far Cry verraten. An dem Franchise fasziniere ihn vor allem die Ähnlichkeit zu Fargo:
Jedes Mal, wenn ein neues Spiel erscheint, wird darin eine völlig andere Geschichte erzählt. Genauso gehe ich an Fargo heran, und es war eine spannende Idee, dass wir eine Anthologie-Spieladaption entwickeln könnten, bei der jede Staffel eine andere Geschichte über zivilisierte Menschen erzählt, die in Situationen geraten, in denen sie zunehmend unzivilisiert werden und harte Entscheidungen treffen müssen.
Ich adaptiere aber ausdrücklich nicht ein spezifisches Spiel der Reihe. [...] Ich versuche in einen Dialog mit dem Franchise zu kommen und herauszuarbeiten, was ich denke, was eine gute Far-Cry-Story ausmacht. Wir können eine umfassende Diskussion über die Stärken und Schwächen der Adaption von Videospielen führen, insbesondere weil Spiele so aufgebaut sind, dass sie sich nicht für dramatische Geschichten eignen.
Wenn man ein Videospiel spielt, geht es eigentlich nur im Gameplay-Teil vorwärts und dann gibt es da diese Zwischensequenzen, die man sowieso überspringen kann. Wenn man also diese Spiele adaptieren will, muss man sich bewusst sein, dass das menschliche Drama dadurch für die Handlung irgendwie irrelevant wird. Aber das ist der Tod für eine Serie.
- Noah Hawley
Heißt in Kurzform: Zwischensequenzen in Spielen findet Hawley doof. Denn die lenken laut des Showrunners nur vom eigentlichen Gameplay ab. Und so wirklich geeignet für dramatische Storys sind Videospiele nach Ansicht Hawleys ohnehin nicht.
Damit zeigt der Produzent jedoch eindrucksvoll, dass er die Far Cry-Spiele nie wirklich (oder zumindest nicht lange genug) gespielt hat. Denn ansonsten wüsste er, dass die Reihe sehr wohl imstande ist, mit ihren Zwischensequenzen hervorragende Geschichten zu erzählen und mit Vaas Montenegro und Pagan Min sogar einige der eindrucksvollsten Schurken der Videospielgeschichte hervorgebracht hat.
Was sagen die Fans?
Die Far Cry-Community ist angesichts dieser wenig positiven und voreingenommenen Meinung gegenüber ihren Lieblingsspielen wenig begeistert von Hawleys Äußerungen. Zeit, einen neuen Showrunner zu finden
, schreibt etwa ElJacko170 auf Reddit. Und billy_digital kommentiert: Interessant. Es gibt viele Spiele, wo das stimmen mag, aber gerade Far Cry hatte immer interessante Schurken und gute Darsteller.
Andere meinen anhand von Hawleys offenkundiger Distanz zum Quellmaterial bereits Böses für die Zukunft der Serie ablesen zu können und ziehen Vergleiche zu Paramounts Halo-Serie, die ebenfalls an den Erwartungen der Fans vorbei entwickelt wurde.
AHungryGorilla schreibt: Weißt du, was die Definition von Wahnsinn ist? Es bedeutet, bestehende
, und spielt mit diesem abgewandelten Vaas-Zitat auf das Schicksal so vieler Spieleadaptionen für Kino und TV an.
IPs in neue Formate zu übertragen – etwa von Spielen zu Serien –, ohne das Ausgangsmaterial
zu respektieren, mit dem Ergebnis, dass das Produkt floppt, und dann immer wieder
das Gleiche zu tun
Bleibt zu hoffen, dass Hawley seine Meinung zu Far Cry noch einmal revidiert und vor dem Drehstart Ende des Jahres zumindest noch in eines der Spiele reinspielt. Sonst erwartet uns hier womöglich der nächste Serien-Flop mit großer Lizenz.

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Dein Kommentar wurde nicht gespeichert. Dies kann folgende Ursachen haben:
1. Der Kommentar ist länger als 4000 Zeichen.
2. Du hast versucht, einen Kommentar innerhalb der 10-Sekunden-Schreibsperre zu senden.
3. Dein Kommentar wurde als Spam identifiziert. Bitte beachte unsere Richtlinien zum Erstellen von Kommentaren.
4. Du verfügst nicht über die nötigen Schreibrechte bzw. wurdest gebannt.
Bei Fragen oder Problemen nutze bitte das Kontakt-Formular.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Nur angemeldete Plus-Mitglieder können Plus-Inhalte kommentieren und bewerten.