»Googles Neid auf Apple« – Ich sehe in den Plänen für Android eine Gefahr für Apps und das freie System

Mit den neuen Plänen von Google könnten eure Lieblings-Apps bald von eurem Handy fliegen – heimlich, still und leise.

Google möchte, dass sich Entwickler bald verifizieren müssen zum Veröffentlichen von Apps – und das finde ich nicht gut. (Bildquelle: GameStar Tech; Google Gemini Prompt: Aaron Hofmann) Google möchte, dass sich Entwickler bald verifizieren müssen zum Veröffentlichen von Apps – und das finde ich nicht gut. (Bildquelle: GameStar Tech; Google / Gemini / Prompt: Aaron Hofmann)

Auch wenn die erste Meldung zu Googles hier thematisierten Plänen für Android nun etwa ein Jahr her ist, gibt es aus meiner Sicht immer noch viel zu wenige Personen, die über das Thema sprechen. Doch worum genau geht es?

Ab Januar 2027 möchte Google, dass sich alle Entwickler zunächst bei dem Tech-Giganten verifizieren, bevor sie eine App veröffentlichen. Sollten sie sich weigern, werden ihre bisherigen Apps im Play Store gesperrt und sie können auch keine neuen Anwendungen mehr veröffentlichen.

Das Argument dahinter: Mit einer genauen Identifikation, wer hinter einem Programm steckt, soll mehr Sicherheit ermöglicht werden. Dabei wird an dem eigentlichen Überprüfungsverfahren, das Google bereits vor der Veröffentlichung einer jeden App durchführt, nichts geändert.


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Experten, etwa vom Chaos Computer Club, warnen vor der Änderung und sehen darin nicht nur einen ungerechtfertigten Eingriff in die Privatsphäre, sondern auch einen direkten Angriff auf die Gestaltungsfreiheit auf Android.

Denn Googles neue Pläne zur Entwickler-Verifizierung betreffen auch unveröffentlichte Apps und Test-Sideloads.

Keep Android Open: Euer Smartphone gehört euch bald nicht mehr

Damit Entwickler weiterhin ihre Apps auf dem Android-System veröffentlichen können, müssen in Zukunft mehrere Punkte erfüllt sein. Einige davon, wie etwa die anfallende Entwicklungsgebühr, sind bereits in Kraft:

  • Eine Gebühr an Google zahlen
  • Zustimmung zu den Nutzungsbedingungen von Google
  • Abgabe des amtlichen Ausweises
  • Nachweis des privaten Signaturschlüssels
  • Auflistung aller aktuellen und zukünftigen App-Bezeichner

Ein großes Problem: Die Petition KeepAndroidOpen argumentiert, dass viele Android-Nutzer sich für ihr Smartphone entschieden haben, weil sie die Freiheit schätzen, die beispielsweise bei Apple verloren geht. Mit der geplanten Änderung steht diese aber auch beim Google-System möglicherweise vor dem Aus.

Als Fan von quelloffenen und kostenlosen Apps kann ich dem nur zustimmen, schließlich schätzen zahlreiche Entwickler die Anonymität, die sie im Internet haben. Ein Zwang zum digitalen Outing könnte demnach verheerende Folgen für die Vielfalt der Apps haben.

Ein harmloses Update für WhatsApp, Spotify, Netflix und Co.

Negative Folgen sehe ich nicht für große Konzerne und etablierte Tech-Giganten, sondern für unabhängige Entwickler, Hobby-Coder und am Ende des Tages auch für uns als Konsumenten. So argumentiert die Initiative hinter der Petition:

»Die Pflicht zur Vorlage eines amtlichen Ausweises macht den Code nicht sicherer. Sie macht Entwickler identifizierbar und kontrollierbar. Identitätsbasierte Zugangskontrolle ist ein Instrument der Zensur, nicht der Sicherheit.« – KeepAndroidOpen

Natürlich kann man sich bei dem Thema auch denken, dass das nur dann ein Problem ist, wenn jemand etwas zu verbergen hat. Aber stellt euch vor, ihr müsstet eure gesamte Identität in einer Google-Datenbank preisgeben, wenn ihr beispielsweise eine zum Spaß gecodete To-do-Listen-App testen wollt.

Das spricht aus meiner Sicht sowohl gegen das Recht auf Privatsphäre als auch gegen die Tradition von Open-Source-Software, die schon länger mit Anonymität verbunden ist – sogar länger, als es Google gibt.

Ähnlich sieht es Ars-Technica-Autor Ryan Whitwam, der die Behauptung aufstellt, dass »Googles Neid auf Apple droht, Androids offene Tradition zu zerstören.«

Fairphone 6
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Deutschland
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Schweiz
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England
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Crosscall Stellar M6
Frankreich
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Freie Software in Gefahr: Das drohende Aus für alternative Stores

Der Google Play Store gehört wohl zu den bekanntesten App-Anbietern der Welt, kommt dadurch aber nicht ohne Konkurrenz aus. Der offene Store F-Droid setzt beispielsweise vollkommen auf kostenlose und auch im Code frei zugängliche Anwendungen, die in der Regel von unabhängigen und anonymen Teams stammen.

Wie viele Apps von unbekannten Herstellern stammen, ist dabei schwer zu sagen, doch eines ist klar: Die Verifizierungspläne werden sich auf einen enormen Teil der Apps auswirken. Sowohl bei F-Droid als auch bei Google und anderen Android-Stores.

Die Petition erklärt auch gut, wer von den Änderungen betroffen ist und warum sich die Pläne auch dann auf euch auswirken, wenn ihr keine Entwickler seid. Die Betreiber des F-Droid-Stores gehen so weit, das Vorhaben als eine »existenzielle Bedrohung« zu bezeichnen.

Wer betroffen ist:

  • Ihr als Konsumenten: Wenn ihr euch wegen des offenen Systems für Android entschieden habt, auf dem ihr installieren konntet, was ihr wollt, seid ihr betroffen. Denn mit dem Update werden entsprechende Apps blockiert oder deren Ausführung verweigert – sofern sie nicht Googles Kriterien entsprechen: »Auf eurem Smartphone: eurem Eigentum, für das ihr bezahlt habt.«
  • Unabhängige Entwickler: Egal ob Hobby-Entwickler, ehrenamtlicher Coder oder Programmierer in einem Unternehmen: Ohne Googles Verifikation lassen sich Apps nur noch schwer testen und veröffentlichen.
  • Regierungen und Zivilgesellschaften: In der Vergangenheit hat Google bereits Apps nach Aufforderung von Regierungen entfernt. Die Electronic Frontier Foundation sieht in den drohenden Änderungen für Android das Risiko eines »sich ständig erweiternden Wegs zur Internetzensur«.

Da das Thema nicht neu ist, hat auch Google mittlerweile mehrere Statements zu den geplanten Änderungen veröffentlicht sowie eine mögliche »Umgehung« für den Verifikationszwang angekündigt. Diese gehen vielen Tech-Plattformen jedoch noch nicht weit genug.

So bezeichnet KeepAndroidOpen den angebotenen Weg als »Abschrecken für alle, die keine Power-User sind« und kritisiert die komplizierte Umgehung der App-Sperre.

So könnt ihr auch nach der Änderung von Google Apps ohne Verifizierung installieren:

  1. Öffnet die Systemeinstellungen und navigiert zu den Entwickleroptionen.
  2. Tippt siebenmal auf die Build-Nummer, um den Entwicklermodus zu aktivieren.
  3. Bestätigt die Meldung, dass ihr mögliche Schäden in Kauf nehmt.
  4. Gebt eure PIN oder euren Sicherheitscode ein.
  5. Startet euer Gerät neu.
  6. Wartet die 24 Stunden dauernde »Bedenkzeit« ab.
  7. Bestätigt die aufploppenden Meldungen zu möglichen Sicherheitsrisiken.
  8. Wählt »Vorübergehend erlauben« oder »Unbegrenzt erlauben« zur Nutzung der Apps.
  9. Bestätigt erneut, dass ihr die Risiken in Kauf nehmt.

Diese neun Schritte zur Installation sind nicht nur lang und, sondern ich persönlich empfinde sie auch als eine Frechheit, wenn es darum geht, die Software auf eurem Gerät zu installieren, die ihr wollt.

Berechtigt ergänzt die Initiative, dass der Prozess abschreckend auf unerfahrene Nutzer wirken kann und auch deshalb einen schlechten Kompromiss darstellt, da der Berechtigungsprozess über die Google-Play-Dienste läuft und nicht über das Android-Betriebssystem bestätigt werden kann.

Google hat vor kurzem bereits ihren Plan für die bevorstehenden Android-Änderungen in einem Blogpost geteilt. (Bildquelle: Android Developers Google Blog) Google hat vor kurzem bereits ihren Plan für die bevorstehenden Android-Änderungen in einem Blogpost geteilt. (Bildquelle: Android Developers / Google Blog)

Keine Lust auf die Änderungen? Das könnt ihr jetzt machen:

Falls ihr die Pläne von Google genau wie ich und viele Tech-Experten und Plattformen kritisch seht, gibt es mehrere Wege, etwas gegen das Vorhaben zu unternehmen. KeepAndroidOpen empfiehlt folgende Schritte:

  • Petition unterschreiben: Unterzeichnet die Petition und schließt euch den über 250.000 Unterzeichnenden an, die ihre Stimme erhoben haben.
  • Googles Umfrage zur Entwicklerverifizierung beantworten: Sagt Google über ihre eigene Befragung zur Entwicklerverifizierung, was ihr davon haltet.
  • Auf Social Media teilen: Teilt die Website von KeepAndroidOpen, setzt einen Link auf keepandroidopen.org und teilt eure Meinung zum Thema im Netz.
  • Bei Aufsichtsbehörden melden: Wendet euch an eure Aufsichtsbehörde. Aufsichtsbehörden weltweit sind ernsthaft besorgt über Monopole sowie die Machtkonzentration im Technologiesektor und möchten direkt von Betroffenen und besorgten Personen hören.

Inwiefern das am Ende etwas bringt, bleibt abzuwarten. Durch die zahlreichen negativen Rückmeldungen hat Google seine Pläne in der Vergangenheit aber bereits verschoben.

Ursprünglich für 2025 angekündigt, sollte die Änderung im Verlauf von 2026 geschehen. Zum aktuellen Zeitpunkt ist die weltweite, storeübergreifende Verifizierungssperre auf das Frühjahr 2027 verschoben.

Stille Umstellung: Googles neue Verifizierungs-App ist da

Einige Android-Nutzer haben in den vergangenen Tagen auf Social Media gepostet, dass sie neuerdings eine »Android Developer Verifier«-App auf ihrem Smartphone finden.

Das Programm ist ein zentraler Bestandteil, um zu prüfen, ob eine installierte App von verifizierten Entwicklern stammt. Laut Google soll das Nutzer vor Betrugsmaschen schützen.

Auf Reddit zeigen sich viele Personen über den ersten Schritt in Richtung Verifizierungs-Umstellung genervt:

»Es ist mir egal, was die Leute sagen – hier geht es nur um Kontrolle, um nichts anderes.« – Merlin404

»Man hat wirklich das Gefühl, dass sie WOLLEN, dass die Leute einfach losgehen und sich iPhones kaufen.« – JamesR624



Wie bei vielen Features üblich, wird die Anwendung erst schrittweise ausgerollt und erfüllt zum aktuellen Zeitpunkt wohl noch keinen größeren Zweck.

Dennoch haben bereits zahlreiche Betroffene die App nach ihrem plötzlichen Auftauchen auf ihrem Smartphone umgehend wieder deaktiviert, da eine vollständige Deinstallation ohne externe Hilfsmittel leider nicht funktioniert.


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