Obwohl es bei Smartphones heute so viel Auswahl wie nie zuvor gab, sieht es beim Thema der mobilen Betriebssysteme ganz anders aus. Ihr habt entweder die Wahl zwischen einem Gerät mit Googles Android-Betriebssystem oder einem Apple-iPhone mit iOS.
Was ist also, wenn ihr ein Handy ohne Bindung an die großen Tech-Unternehmen auf der anderen Seite des großen Teiches sucht? Eine ähnliche Frage hat unser Leser Piados in unserem letzten AMA zu Smartphones gestellt: »Sind ›leere‹ Smartphones, also ohne vorab installierte Software, käuflich erwerbbar?«
Die Antwort darauf: Wirklich leere Smartphones gibt es leider nicht. Es existieren jedoch einige Optionen, die weder iOS noch Android vorinstalliert haben, und in diesem Artikel stellen wir euch vier davon vor.
Fairphone 6 mit /e/OS – das EU-Smartphone mit fairer Herstellung
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Fairphone 6: Das wohl nachhaltigste Handy der Welt ist jetzt erhältlich
Wer steckt hinter dem Handy? Hinter dem Gerät steht das niederländische Unternehmen Fairphone, das sich weltweit für faire Arbeits- und Produktionsbedingungen, Nachhaltigkeit und Reparierbarkeit einsetzt. Die /e/OS-Version entsteht in enger Zusammenarbeit mit der e Foundation (Murena), die ein datenschutzfreundliches, komplett entgoogeltes System entwickelt.
Welche Hardware steckt in dem Handy?
- Display: 6,31 Zoll großes OLED-Display mit 120 Hz Bildwiederholrate.
- Prozessor: Qualcomm Snapdragon 7s Gen 3.
- Arbeitsspeicher (RAM): 8 GB.
- Interner Speicher: 256 GB, per MicroSD auf bis zu 2 TB erweiterbar.
- Kameras: 50-Megapixel-Hauptkamera und 13-Megapixel-Ultraweitwinkel.
- Akku: 4.415 mAh, austauschbar.
- Besonderheit: Modularer Aufbau für einfache Selbstreparatur
- Aktueller Preis: ab 599,00 Euro.
Welche Software ist vorinstalliert? In dieser speziellen Edition kommt das Gerät nicht mit Standard-Android, sondern mit Murena /e/OS.
Das ist ein sogenanntes »de-googled« Android (ein Android-Open-Source-Project-Fork; kurz AOSP), das voll und ganz auf Privatsphäre ausgelegt ist. Es sendet im Hintergrund keine Nutzerdaten an Google, nutzt eigene Alternativen für Cloud- und Mail-Dienste und ersetzt die zwingenden Google Play-Dienste durch das Framework »microG«, um die meisten herkömmlichen Apps dennoch lauffähig zu halten.
Volla Phone Quintus – Linux-Smartphone aus Deutschland
Wer steckt hinter dem Handy? Das Volla Phone stammt von der Hallo Welt Systeme UG, einem deutschen Start-up aus Remscheid um den Gründer Dr. Jörg Wurzer. Ihr Ziel ist es, eine einfache und datensichere Alternative zu den großen Tech-Konzernen aus dem Silicon Valley aufzubauen.
Welche Hardware steckt in dem Handy?
- Display: 6,78 Zoll großes AMOLED-Display mit 120 Hz.
- Prozessor: MediaTek Dimensity 7050.
- Arbeitsspeicher (RAM): 8 GB.
- Interner Speicher: 256 GB.
- Kameras: Triple-Kamera-System mit 50-Megapixel-Hauptsensor.
- Akku: 4.700 mAh.
- Aktueller Preis: ab 719,00 Euro.
Welche Software ist vorinstalliert? Käufer und Käuferinnen haben die Wahl: Entweder man entscheidet sich für Ubuntu Touch (ein Linux-Betriebssystem für mobile Geräte) oder für das hauseigene Volla OS. Volla OS ist eine abgewandelte, google-freie AOSP-Version, die sich besonders durch eine minimalistische Oberfläche, einfache Bedienung und den Fokus auf Datensouveränität auszeichnet.
Punkt MC03 / Punkt MC02 mit AphyOS – Schweizer Smartphones mit Datenschutzfokus
Wer steckt hinter dem Handy? Punkt (Punkt Tronics AG) ist ein Schweizer Unternehmen, das bisher vor allem für seine minimalistischen Dumbphones (Handys für Digital Detox) bekannt war. Mit Modellen wie dem (teilweise in Deutschland gefertigten) MC03 wagt sich Punkt an Smartphones, die volle digitale Souveränität versprechen.
Welche Hardware steckt in dem Handy (Punkt MC03)?
- Display: 6,67 Zoll großes AMOLED-Display mit Full-HD-Auflösung (2.400 x 1.080 Pixel) und 120 Hz.
- Prozessor: MediaTek Dimensity 7300.
- Arbeitsspeicher (RAM): 8 GB.
- Interner Speicher: 256 GB, per MicroSD auf bis zu 1 TB erweiterbar.
- Kameras: 64-Megapixel-Hauptkamera, 8-MP-Ultraweitwinkel, 2-MP-Makro und eine 32-MP-Frontkamera für Videoanrufe.
- Akku: 5.200 mAh.
- Aktueller Preis: ab 745,00 Euro.
Welche Software ist vorinstalliert? Auf den Punkt-Smartphones läuft das hauseigene, in der Schweiz entwickelte AphyOS. Dieses Betriebssystem basiert auf einem innovativen Zwei-Zonen-Konzept: Es gibt den isolierten Bereich »Vault« (Tresor), in dem nur geprüfte und datenschutzfreundliche Apps wie die integrierten Dienste des Schweizer Anbieters Proton (Mail, VPN, Kalender) laufen.
Für alles andere gibt es den Bereich »Wild Web«, in dem normale Android-Apps mit starken Sicherheitseinschränkungen und strikter Rechtekontrolle installiert werden können. Ein sogenanntes Data Ledger überwacht dabei ständig den Datenverbrauch in Echtzeit.
Jolla Phone mit Sailfish OS (Oktober 2026) – Linux-Smartphone mit Nokia-DNA
Wer steckt hinter dem Handy? Jolla ist ein finnisches Unternehmen, das vor vielen Jahren von ehemaligen Nokia-Mitarbeitern gegründet wurde, um nach dem Aus von MeeGo ein unabhängiges europäisches Betriebssystem am Leben zu erhalten. Das Design vom neuen Jolla Phone erinnert an die Nokia Lumia Smartphones vergangener Jahre.
Welche Hardware steckt in dem Handy?
- Display: 6,36 Zoll großes FullHD-AMOLED-Display.
- Arbeitsspeicher (RAM): 8 GB oder 12 GB.
- Interner Speicher: 128 GB oder 256 GB, per microSD-Speicherkarte auf bis zu 2 TB erweiterbar.
- Kameras: Kameramodule von Sony (50 MP Hauptkamera + 13 MP).
- Akku: 5.450 mAh (vom Nutzer selbst austauschbar).
- Besonderheit: Physischer »Privacy Switch« zum hardwareseitigen Deaktivieren von Kameras und Mikrofonen sowie einfach austauschbare Rückseiten in verschiedenen Farben.
- Aktueller Preis: ab 649,00 Euro.
Welche Software ist vorinstalliert? Hier kommt das neue Sailfish OS 5 zum Einsatz, ein echtes, auf Linux basierendes Betriebssystem und kein bloßer Android-Klon. Sailfish OS zeichnet sich traditionell durch seine flüssige Gestensteuerung aus. Ein großer Vorteil: Trotz der völligen Unabhängigkeit von den großen US-Konzernen ermöglicht der »Jolla AppSupport« die reibungslose Installation und Nutzung vieler gewöhnlicher Android-Apps.
Nennenswert: Custom-ROMs auf Google Pixel und Motorola
Wer sich das Flashen eines Betriebssystems selbst zutraut, hat zudem die Möglichkeit, ein reguläres Smartphone mit einem offenen Bootloader zu kaufen und selbst umzurüsten.
Besonders hervorzuheben ist hier das stark auf Sicherheit ausgerichtete GrapheneOS. Am einfachsten lässt sich dieses System interessanterweise auf den Google Pixel-Modellen installieren.
Doch das könnte sich bald ändern: Kürzlich hat die Lenovo-Tochter Motorola eine offizielle Hardware-Partnerschaft mit der GrapheneOS Foundation angekündigt, um künftig ab Werk Smartphones mit Graphene-Unterstützung anzubieten.
Ein ungewisser Ausblick für Custom-ROMs
Eine vollständige Abkehr von Google wird in Zukunft allerdings nicht einfacher – im Gegenteil. Google macht Custom-ROM-Entwicklern das Leben seit Monaten systematisch schwer.
Mit der Veröffentlichung von Android 16 hat Google einen drastischen Kurswechsel vollzogen: Der reine Android-Quellcode ist zwar weiterhin offen und kostenlos zugänglich. Google veröffentlicht seitdem aber nicht mehr die zugehörigen Hardware-Schnittstellen (»Device-Trees«), die herstellereigenen Gerätetreiber und die lückenlose Entwicklungshistorie des Systemkerns.
Für unabhängige Entwicklerteams von Custom-ROMs bedeutet das einen enormen Mehraufwand. Ohne diese Daten wird die Portierung auf bestehende Hardware extrem komplex, da Treiber und Komponenten mühsam per Reverse-Engineering rekonstruiert oder zurückportiert werden müssen.
Passend zum Thema: Handys aus Deutschland und Europa – 11 Hersteller abseits von Samsung, Apple, Xiaomi & Co., die ihr kennen solltet
Zusätzlich verschärft Google die Hürden auf der Softwareseite: Durch immer striktere Sicherheitsprüfungen via Play Integrity API und hardwaregestützte Attestierungen erkennen Server inzwischen sehr zuverlässig Geräte mit geöffnetem Bootloader oder inoffiziellen Android-Versionen.
Das Resultat für den Endverbraucher ist frustrierend: Immer mehr essenzielle Anwendungen wie Banking-Apps, mobile Bezahldienste oder staatliche Ident-Apps verweigern auf alternativen Systemen den Dienst.
Die Zukunft der unabhängigen AOSP-Betriebssysteme ist dadurch ungewiss, da freie Entwickler diese restriktiven Hürden kaum noch dauerhaft umgehen können.
Diese wachsende Unsicherheit lässt sich mittlerweile sogar an den Garantien der Gerätehersteller ablesen: Selbst Fairphone, die bei der regulären Android-Version ihres Fairphone 6 beachtliche acht Jahre Updates (bis 2033) fest garantieren, meiden beim hauseigenen /e/OS-Modell mittlerweile konkrete Zusagen.
Stattdessen gibt Fairphone lediglich an, dass die alternative Software für »mehrere Jahre« unterstützt werden soll; eine vage Formulierung, die verdeutlicht, wie unvorhersehbar der langfristige Support für entgooglete Android-Forks unter dem Druck der Tech-Riesen geworden ist.

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