Runder Sound, smarte Features, einfache Bedienung: Eigentlich ist Googles Home Speaker perfekt – wäre Gemini nicht so stur

Ich habe den neuen Home Speaker von Google zu meinem persönlichen Assistenten gemacht und bin verdammt beeindruckt – allerdings nicht allein von Gemini.

Home-Assistenten und Smart-Gadgets haben sich in den vergangenen Jahren stark weiterentwickelt, was nicht zuletzt an den Veränderungen in der KI-Technik liegt.

Auch bei Google gibt es Neuerungen: Seit heute ist der neue Smart-Home-Speaker im europäischen Handel und verspricht mit einer eigenen Gemini-Version einen Allrounder für den Alltag – und das für rund 120 Euro.

Ich habe das neue smarte Gadget bereits ausprobieren können und kann ehrlich sagen, dass ich beeindruckt bin. Gemini ist dafür allerdings nicht der alleinige Grund.

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Gemischte Gefühle bei der Einrichtung

Der Google Home Speaker ist so schnell angeschlossen wie ausgepackt und auch die Einrichtung läuft überraschend einfach. Dafür braucht es die Google-Home-App, was einem der Speaker nach dem Anschließen auch gleich in mehreren Sprachen erklärt.

Über die App kann ich das Gerät in einer verständlichen Schritt-für-Schritt-Anleitung einrichten und bekomme schon mal einen ersten Eindruck, was der Speaker alles kann. Mit Tagesplanungen, Kalendereinträgen, Musikhören, Gerätesteuerung und vielen weiteren Features ist das echt eine ganze Menge.

Für die Einrichtung von Gemini verlangt Google Home ein Voice Match (Erkennung der Stimme) – zumindest, wenn ihr alle Funktionen verwenden wollt. (Bildquelle: GameStar Tech). Für die Einrichtung von Gemini verlangt Google Home ein Voice Match (Erkennung der Stimme) – zumindest, wenn ihr alle Funktionen verwenden wollt. (Bildquelle: GameStar Tech).

Zu den Kernfunktionen gehören die Smart-Home-Steuerung, die Musik-Play-Funktion des Gadgets sowie natürlich die »Gemini for Home«-KI. Dabei handelt es sich um ein Modell, das Google extra für das Gerät entwickelt hat, um laut eigener Aussage des Speakers: »Im Alltag zu unterstützen, bei Fragen zu helfen, Tipps zu geben und dir zur Seite zu stehen.«

Das größte Manko vorweg: Das Gerät braucht viele Berechtigungen, um auf eure Befehle zu reagieren. So zeichnet das Mikrofon alles in eurer Umgebung auf, um herauszufinden, was ihr sagt, und schickt die Infos zur Verarbeitung an Googles Gemini-Server. Zwar lassen sich einige Punkte in den Datenschutzeinstellungen der Home-App anpassen, um die KI nutzen zu können, stimmt ihr in den AGBs aber beispielsweise einer Verwendung eurer Daten für Trainingszwecke zu.

Funfact: Ich habe den Speaker einfach mal selbst zum Thema Datenschutz ausgefragt, woraufhin mir erklärt wurde, dass das Gerät problemlos die sichersten Einstellungen für mich treffen kann und auch das Tracking meines Verlaufs auf Wunsch vollkommen deaktiviert. Auf mein »Ja, mach das.« kam jedoch die Erklärung, dass das Gerät »doch nicht dazu berechtigt« sei.

Ich habe den Home Speaker zu meinem persönlichen Assistenten gemacht

Damit ich das Gerät auch im Alltag testen kann, habe ich es kurzerhand ins Homeoffice verfrachtet und für Brainstorming, Termineinträge und die Planung auf meinen Schreibtisch gestellt.

Da ich dem Speaker Zugriff auf meine Google-Apps geben kann, habe ich als Erstes meine anstehenden Termine eingetragen. Darunter geplante Artikel für die kommende Woche sowie zwei größere Gadget-Tests. Das ging nicht nur überraschend einfach, sondern auch schnell.

Für die Themenplanung habe ich mit dem Speaker auch gleich eine Brainstorming-Session gestartet – etwa zu Apps, die einem bei der sommerlichen Hitze helfen. Für Gadgets habe ich nämlich schon eine größere Liste an vielversprechenden Geräten, im App-Bereich sieht es hingegen eher mau aus.

Einfach, weil ich viele der Apps bereits kenne, wir bereits eine große Auswahl vorgestellt haben oder ich von einer Anwendung einfach nicht überzeugt bin. Der Google-Speaker hat mir aber geholfen, einige sinnvolle Ideen auszuprobieren.

Etwa eine App für Meditation gegen die Hitze, Plattformen für abkühlende Aktivitäten oder Tools zum Erkennen von Sternen am Abend (als Ablenkung vom warmen Wetter). Manche Ideen waren eher weniger spannend, wie Ventilatoren-Geräusch-Apps für »kühle Gedanken«.

Der Google-Home-Speaker kommt in einer modernen Verpackung. (Bildquelle: GameStar Tech) Der Google-Home-Speaker kommt in einer modernen Verpackung. (Bildquelle: GameStar Tech)

Und ja, vielleicht denkt ihr euch schon: »Das können andere KIs auch.« Da habt ihr auch vollkommen recht! Aber mit dem Speaker gehen solche Prozesse wesentlich leichter, weil ich mich ganz entspannt nebenbei mit dem Gerät unterhalten kann.

Ohne Bildschirm, dafür mit direkter Übertragung in meine Apps. So habe ich zum Beispiel eine Notiz angefertigt, welche Aussteller ich in diesem Jahr auf der IFA besuchen möchte.

Größere Planungen sind auch möglich

Da es bei der IFA (Innovation for All Messe) auch in diesem Jahr wieder über tausend Aussteller gibt, habe ich mir mit der Hilfe des Google-Home-Speakers eine Übersicht erstellt.

Gleich zu Beginn hab ich dabei aber ein Problem gehabt, das bei dem Speaker immer wieder aufgetreten ist: Das Gerät vergisst seine eigenen Fähigkeiten. Oder eher seine Berechtigungen. So wurde mir kurzerhand erklärt, dass es überhaupt keine Funktion für Notizen gibt.

Als ich ihn darauf hingewiesen habe, dass er mir schon beim Brainstorming ein Dokument erstellt hat, erklärte mir Gemini stur, dass er keine Notizfunktion hat. Erst als ich das Gerät fragte, ob es wohl keinen Zugriff auf die Google-Notizen-App (Keep) habe, entschuldigte sich Gemini »einen Fehler gemacht« zu haben.

Nach den Startschwierigkeiten konnte ich meine Termine diktieren und durch die nahtlose Zuhörfunktion auch mit Pausen arbeiten, ohne immer wieder »Hey Google« zum Start zu sagen.

Video starten 0:30 Google Home Speaker: So sieht der neue KI-Assistent aus

Die Übertragung meiner Angaben in die App hat einwandfrei funktioniert und ich konnte auch nachträgliche Anpassungen machen. Wenn ich beispielsweise zu einem Event noch einen Termin gefunden habe, hat mir Gemini mein Dokument nachträglich angepasst.

Da ich am Ende einen echt unübersichtlichen Notizzettel hatte, habe ich den Speaker darum gebeten, mir das Ganze noch einmal sinnvoll zu formatieren, was ebenfalls gut und überraschend schnell funktioniert hat.

Manche Markennamen und Begriffe hat das Gadget jedoch gar nicht verstanden und ich musste teilweise einzelne Begriffe wie »Growth« selbst eintragen. Denn auch nach mehreren Fehlinterpretationen und obwohl ich das Wort diktiert habe, hat mich Gemini einfach nicht verstanden.

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Trotz solcher Fehler stand meine Liste am Ende und ich bin echt zufrieden. Schließlich konnte ich mir so längeres Copy-and-Paste sparen und die Liste der IFA-Stände nebenbei abarbeiten.

Googles Home-Speaker ist aber bei Weitem kein einfacher Assistent fürs Büro, sondern hat einige Features und Spezifikationen, die mich wirklich beeindruckt haben.

Mein persönliches Highlight: Die Musikwiedergabe

Schon bei der Einrichtung fragt der Speaker, welche Apps in das Home-Gerät eingebunden werden sollen. Ich habe mich für Spotify und YouTube entschieden. Klassisch, wie ich es etwa von der Freisprechanlage meines Autos kenne, kann ich einfach einen Künstler, ein Lied oder ein Album nennen und der Speaker spielt mir meinen Wunschsong ab.

Praktisch ist dabei auch, dass die KI darauf trainiert wurde, Lieder auch anhand von Beschreibungen zu erkennen. Für den Test habe ich etwa nach dem Song einer britischen Rockband gefragt, die in ihrem Lied »irgendwas mit Mama Mia« singt, und schon habe ich Bohemian Rhapsody von Queen bekommen. Ein Volltreffer.

Dass das nicht immer so gut klappt, musste ich schon bei meinem dritten Versuch feststellen, denn auf »das Lied mit dem Haifisch von Accept« kam zunächst die Aussage, dass das Lied nicht existiert, dann immer wieder das Rammstein-Lied und irgendwann gab Gemini einfach auf.

Erst als ich gefragt habe, ob das Gerät wohl nicht die Band »Accept« kennt, antwortete das Gerät sinngemäß: »Klar kenne ich die« und begann, »Fast as a Shark« zu spielen. Warum nicht gleich so?

Bereits bei 40 Prozent der Lautstärke lässt sich ein Wert von rund 70 Dezibel messen. (Bildquelle: GameStar Tech) Bereits bei 40 Prozent der Lautstärke lässt sich ein Wert von rund 70 Dezibel messen. (Bildquelle: GameStar Tech)

Zum Klang des Speakers:

Verdammt, ist der gut! Ich hätte echt nicht gedacht, dass das Gerät so einen guten Klang hat. Satte Bässe und ein großer Klangbereich runden das Klangbild ab und während meines Tests hat meine Schreibtischplatte ordentlich vibriert.

Außerdem ist das Gerät unglaublich laut. Fürs Musikhören reichen meiner Meinung nach zehn bis 20 Prozent vollkommen aus, wobei 40 Prozent schon ordentlich laut sind. Um herauszufinden, wie laut der Speaker sein kann, habe ich ihn kurz auf 100 Prozent hochgeschraubt und es gleich bereut.

Bei YouTube Music hatte ich einmal ein seltsames Erlebnis, als der Speaker plötzlich die Sprache auf Englisch gewechselt und mir erklärt hat, dass es nun Zeit für eine Pause sei. Daraufhin spielte der Lautsprecher etwa 20 Sekunden Vogelgezwitscher.

Das liegt wohl daran, dass der Speaker es nicht schafft, die Werbeunterbrechung richtig zu laden, was in der Vergangenheit bereits bei YouTube Music am Fernseher zu einem ähnlichen Vorgehen geführt hat.

Küchen-Hilfe: Rezeptideen und Kochtipps per Sprachbefehl

Solltet ihr den Speaker in der Küche einsetzen, habt ihr die Möglichkeit, euch von der KI beraten zu lassen. Einmal alle möglichen Zutaten genannt, die ich im Kühlschrank hatte, hat mir das Gerät sofort einen passenden Rezeptvorschlag gemacht und gefragt, ob wir gleich loslegen wollen zu kochen.

Während des Kochens habe ich das Gerät einmal in die Küche mitgenommen und zwischendurch Fragen gestellt. Bei einem Pizzateig, der etwas zu feucht geworden ist, habe ich den Speaker etwa um Hilfe gebeten und gleich ein paar Tipps bekommen. Das ist vor allem dann hilfreich, wenn man mal keine Hände frei hat oder im Kochstress ist.

Mit der Verbindung zu den verschiedenen Google-Apps kann ich zudem Einkaufslisten direkt über die Spracherkennung erstellen und beispielsweise an mein Handy senden.

Gemini schlägt mir Rezepte anhand der Zutaten aus meinen Kühlschrank vor. (Bildquelle: Aaron Hofmann GameStar Tech) Gemini schlägt mir Rezepte anhand der Zutaten aus meinen Kühlschrank vor. (Bildquelle: Aaron Hofmann / GameStar Tech)

Ausflugs- und Urlaubsplanung leicht gemacht

Um auch echte Alltagsfragen zu stellen, habe ich dem Speaker noch ein paar Aufgaben gegeben. So habe ich etwa gefragt, wann das nächste Mal die Biotonne raus muss, und habe durch den Standortzugriff gleich die relevanten Infos bekommen.

Beeindruckt hat mich Gemini allerdings, als ich gefragt habe, wie die Wassertemperaturen für einen See in der Nähe sind. Während ich zunächst die Antwort bekam, dass es dafür keine Informationen gibt, hat das Gerät nach der Temperatur von Gewässern in der Umgebung gesucht und dann mit der Außentemperatur einen geschätzten Wert als Antwort gegeben.

Google Home Speaker ist in Deutschland in Hazel und Porcelain verfügbar. In den USA ist er zusätzlich in den Farben Jade und Berry erhältlich. (Bildquelle: Google) Google Home Speaker ist in Deutschland in Hazel und Porcelain verfügbar. In den USA ist er zusätzlich in den Farben Jade und Berry erhältlich. (Bildquelle: Google)

Laut KI soll der See eine Temperatur von 24 Grad gehabt haben. Ob das richtig war, kann ich nicht sagen. Zwar war ich an dem Tag auch in dem entsprechenden See schwimmen, ein Thermometer hatte ich aber nicht dabei und als Frostbeule war mir das Wasser sowieso zu kalt.

Geniale Features, aber typische KI-Macken: Mein Fazit

Der Speaker bringt alle Features, die ich mir von einem smarten Gerät wünsche. Zwar konnte ich die wahrscheinlich mitunter spannendsten Smart-Home-Features nicht testen, dennoch hat mich das Gadget vollkommen überzeugt.

Die kontaktlose Bedienung und schnelle Aktivierung des Geräts ist einfach eine echte Hilfe im Alltag, da nicht immer Zeit ist, um zum Handy oder der Tastatur zu greifen und einen Prompt zu schreiben. Generell nutze ich KI wahrscheinlich verhältnismäßig viel im Alltag, deshalb kann ich mit dem Speaker auch einiges anfangen – egal ob im Job oder zwischendurch.

Bei all dem Lob dürfen aber auch die Probleme nicht vernachlässigt werden, die für eine KI typisch sind. Unter anderem hatte ich das Gefühl, dass die KI durch ihren überalternden Backlog mit der Zeit immer dümmer wurde und erst nach einem Reset des Verlaufs wieder auf ihrem Bestlevel läuft.

Am nervigsten sind auf jeden Fall die Diskussionen, die ich mit dem sturen Gemini immer wieder führen musste. Gerade wenn die KI behauptet, eine Funktion nicht zu besitzen, obwohl ich diese de facto wenige Minuten zuvor verwendet habe. Das ist alles andere als smart.

Zudem kann ich euch nur abraten, sensible Daten an das Gerät zu geben. Schließlich landen diese am Ende immer noch zur Verarbeitung auf den KI-Servern und welche Gefahren das birgt, haben Jan, Maxe und die Psychologin Jolina Bering bereits in einem Talk besprochen.



Insgesamt bin ich aber trotzdem ein Fan des Geräts. Vielleicht bin ich da zu nachgiebig, weil ich bei derartigen Systemen einfach Fehler erwarte und das ganze Spiel somit schon »gewohnt« bin. Sollten euch derartige Ausfälle stören, ist das Gerät vermutlich nichts für euch.

Seid ihr Fan von einem kompakten Gerät, das alle Features eines modernen Speakers vereint und nicht in einer extrem hohen Preisklasse angesiedelt ist, seid ihr meiner Meinung nach mit dem Google-Home-Speaker gut dabei – auch ohne Smart Home.

Ich werde den Speaker definitiv noch länger im Einsatz haben und ihn im Arbeitsalltag weiter ausprobieren. Allein schon, weil mich interessiert, ob ich der Technologie auf lange Zeit etwas abgewinnen kann oder ob sich mein Hype demnächst wieder legt. Bis dahin bleibt das Gadget ein nützlicher Assistent.


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