Update: Der Ernst der Lage verschlechtert sich weiter. Grafikkartenhersteller Zotac warnt nicht nur vor drohender GPU-Knappheit und weiter steigenden Preisen, sondern sieht sogar die Existenz von GPU-Herstellern bedroht, wie PCGH berichtet. Wir werden weitere Hersteller sowie AMD und Nvidia um ihre Einschätzung der Lage bitten und halten euch auf dem Laufenden.
Ich weiß, ich weiß: Ich wähle in der Überschrift große Worte. Aber das würde ich nicht tun, wenn ich dafür keinen ausreichenden Anlass sehen würde.
Ausgangspunkt meiner Aussage ist ein genauerer Blick auf die Preisentwicklung bei Grafikkarten im Vergleich mit dem letzten Jahr. Die durch den hohen Bedarf von KI-Rechenzentren ausgelöste Speicherkrise schlägt sich hier mehr und mehr nieder.
Die unvermeidlich scheinenden Preiserhöhungen sind also längst da und ausgerechnet die beliebten Modelle von Nvidia am stärksten davon betroffen.
Erschwerend hinzu kommen weitere Faktoren wie Aussagen zu der generellen Produktionskapazität von Speicher für das Jahr 2026 sowie die immer schlechter werdende Lieferbarkeit von Gaming-Grafikkarten.
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3.000€ für eine Grafikkarte? Die Hardware-Krise ist zurück – und sie ist schlimmer!
Die nackten Zahlen
Für unsere große Grafikkarten-Kaufberatung schaue ich mir regelmäßig die aktuellen Preise von Gaming-GPUs an.
Schon allein die Gegenüberstellung des Status quo mit dem November 2025, als die Speicherkrise erst so richtig ins Rollen kam, spricht eine deutliche Sprache.
Die folgende Grafik zeigt, wie sich die Preise von August bis November letztes Jahr entwickelt haben und wie es vom November 2025 bis heute aussieht:
- Zu den 4K-Grafikarten zählen Modelle von der RTX 5090 bis zur RX 9070, zu den WQHD-GPUs Karten wie die RTX 5070 und die RX 9060 XT und zu den Full-HD-Vertretern die RTX 5060 oder auch die Arc A750.
- Im 4K-Bereich sieht es sogar noch schlechter aus, wenn man die bislang weniger stark betroffenen AMD-Modelle ausblendet. Beschränke ich mich auf die RTX 5090, 5080 und 5070 Ti, liegt der Preisanstieg im Schnitt bei fast 28 Prozent.
- Während die Kosten von RTX 5000 (Nvidia) und RX 9000 (AMD) im Jahr 2025 mit Ausnahme der schlechten Verfügbarkeit zu ihrem Release Anfang des Jahres stets meist langsam, aber sicher gesunken sind, geht es nun also genau in die andere Richtung. Und das in einem rasanten Tempo.
Die Zeichen stehen auf Sturm
Als wären die Preiserhöhungen allein nicht schlimm genug, droht die Situation, nur noch schlechter zu werden. Das macht auch die Anzahl von GPU-Angeboten im Handel deutlich.
Die Werte in der folgenden Grafik basieren auf der Datenbank vom Preisvergleichsportal Geizhals.de:
- Auch hier ist AMD (noch) weniger stark betroffen als Nvidia, aus einem einfachen Grund: Niemand verkauft auch nur annähernd so viele KI-Chips mit üppigem Speicher wie Nvidia.
- Das Modell mit der großzügigsten Speicherbestückung in Form der RTX 5090 (32 GByte VRAM) ist dadurch seit November 2025 um 35 Prozent im Preis gestiegen und so der Rekordhalter in dieser Kategorie. Außerdem sinkt die Zahl der Angebote hier am stärksten.
Das gleiche Schicksal wird meiner Einschätzung nach auch die günstigeren Grafikkarten mit weniger VRAM ereilen und vor allem die Karten von Nvidia. Ich sehe deshalb vorerst schwarz für den Markt der Gaming-GPUs.
Kein Ende in Sicht
Wer hofft, dass sich die Situation schnell wieder bessern könnte, muss sich meiner Einschätzung nach auf Enttäuschung einstellen:
- Die Produktionskapazitäten der drei großen Speicherhersteller sind für das gesamte Jahr 2026 bereits stark ausgelastet, wenn nicht sogar schon voll ausgebucht wie im Falle von SK Hynix. Bei Samsung und Micron dürfte es nicht viel besser aussehen.
- Schnelles Entgegenwirken ist gleichzeitig einerseits kaum möglich, da der Bau neuer Fabriken Jahre dauert. Andererseits wollen Samsung und Co. es vermeiden, zu viel zu produzieren und im Falle eines Platzens der KI-Blase plötzlich auf viel zu viel Speicher zu sitzen.
- In China gibt es zwar aufstrebende RAM-Hersteller wie CXMT. Es ist aber unsicher, ob sie auf dem Markt Fuß fassen können und trotz beachtlicher Fortschritte dürfte es noch Jahre dauern, bis wir hierzulande etwas davon merken. Falls es überhaupt nennenswert positive Auswirkungen auf Regionen außerhalb Chinas hat.
Inwiefern von all dem auch Prozessoren betroffen sind, erfahrt ihr im Artikel Was gerade bei CPUs passiert, habe ich in über 30 Jahren Gaming noch nie erlebt, und das ist wohl erst der Anfang
.
Noch ist der Bedarf von KI-Rechenzentren immens. Erschwerend hinzu kommt, dass entsprechende Chips auf HBM-Speicher setzen, der die Produktion tendenziell stärker beansprucht als (G)DDR-Speicher aus Gaming-PCs. Und mit KI-Chips kann man nun mal mit großem Abstand am meisten Geld verdienen.
Auch wenn ihr es sicher längst nicht mehr hören könnt, kann ich daher nur sagen, dass düstere Zeiten auf uns zukommen.

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