Debatten um den Zweck und angebliche Gefahren von Gewalt in Videospielen flammen alle paar Jahre wieder auf. Insgesamt hat die Diskussion aber deutlich an Kraft verloren und virtuelles Blutvergießen gilt längst nicht mehr als so kontrovers wie noch vor einigen Jahrzehnten.
Ein berühmt-berüchtigter Gegner von Videospielen hatte es einst auch auf GTA abgesehen: Der Anwalt Jack Thompson versuchte immer wieder, Gerichte von seinen Thesen zu überzeugen, blieb aber im Großen und Ganzen erfolglos. Doch wie steht Thompson heute zu seinem Kampf gegen Videospiele?
Jack Thompson vs. GTA
In den USA machte sich Thompson schon früh einen Namen mit seinem Kampf gegen die von ihm beklagte Obszönität
in der Kultur. In den Neunzigerjahren kritisierte er vor allem Rap-Musiker wie N.W.A und Ice-T, später fokussierte er seine Bemühungen auf Videospiele.
Mit seiner These, dass der Konsum von Videospielen mit Gewaltdarstellung direkt zu Amokläufen führen würde, war Thompson vielleicht nicht allein, fand aber oft besonders drastische Worte. Er unterstützte und initiierte immer wieder Klagen gegen Entwickler und Publisher, sowie Händler, was aber in den seltensten Fällen zum Erfolg führte.
Als 2008 GTA 4 erschien, bezeichnete Thompson das Spiel als den schlimmsten Angriff auf die Kinder in diesem Land seit Polio
. Den Gouverneur von Minnesota wollte er dazu überreden, gegen Unternehmen wie Bestbuy und Target juristisch vorzugehen, um den Verkauf des Spiels an Minderjährige zu verhindern.
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Chaos und Größenwahn: So ist GTA 6 entstanden
So viel zu Jack Thompsons Vergangenheit. Aber wie steht er heute dazu? Thompson verlor 2008 seine Anwaltszulassung, 2016 berichtete er davon, dass er inzwischen Gefängnisinsassen in Florida Politikunterricht gebe. Vor zwei Jahren überraschte Thompson dann mit der Aussage, dass Videospiele ein großartiges Unterrichts-Werkzeug seien und er die Technologie an sich schätze.
Hat Thompson also Frieden mit Videospielen geschlossen? Andy Chalk von PC Gamer berichtet aus einem Gespräch mit dem ehemaligen Anwalt Gegenteiliges: Der ehemalige Anwalt ist nicht gerade glücklich, dass Rockstar Florida gerade zur Bühne für das GTA-6-Marketing macht und Miami sogar den Entwicklern Mithilfe angeboten hat.
Thompson bezeichnete staatliche Werbung für unternehmerische Interessen
als Faschismus und verglich Chalk im weiteren Gespräch mit Joseph Goebbels. Es scheint also, dass Thompson auch von seinen radikaleren Standpunkten nicht abgelassen hat.
Die Sorgen, die hinter dem oft extremen Auftreten von Thompson stehen, teilen wahrscheinlich auch viele andere Menschen: Dass Spiele wie GTA nicht unbedingt in die Hände von Kindern gehören, denken sicherlich auch viele Eltern.
Unseren Redakteur Peter beschäftigt etwa die berüchtigte Folterszene aus GTA 5 noch Jahre später. Und GTA 6 darf auch in Deutschland nicht an Minderjährige verkauft werden, wie die USK jetzt wenig überraschend verkündet hat. Mehr dazu lest ihr oben im Kasten.
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