Ich habe jahrelang die Apps auf meinem Handy manuell geschlossen, dabei ist dieser Handy-Mythos längst überholt

Schließt ihr regelmäßig die Apps auf eurem Handy manuell in eurem Task-Manager? Das kann im Zweifel mehr schaden als nützen.

Apps manuell schließen? Das solltet ihr bei eurem Smartphone nicht tun. (Bildquelle: GameStar Tech) Apps manuell schließen? Das solltet ihr bei eurem Smartphone nicht tun. (Bildquelle: GameStar Tech)

Viele Handy-Nutzer machen es und auch ich habe es jahrelang getan: Apps über die Multi-Tasking-Ansicht auf dem Smartphone schließen, um Akku zu sparen und die Performance zu verbessern.

Irgendwie war da immer dieses Gefühl, dass die Apps im Hintergrund unnötig Energie verbrauchen oder die Leistung ausbremsen.

Die Wahrheit sieht anders aus: Das Software-Management auf modernen Smartphones ist so gut, dass das manuelle Schließen von Apps im Zweifel sogar kontraproduktiv ist.

Sowohl Apple als auch Google haben sich in der Vergangenheit offiziell zu diesem Thema geäußert - und ihre Antwort ist eindeutig.

Was sagen Apple und Google dazu?

Ein iPhone-Nutzer namens Caleb schrieb 2016 eine E-Mail an Apple-Chef Tim Cook und fragte, ob dieser die Apps auf seinem iPhone schließe und ob das Schließen von Apps die Akkulaufzeit verlängere.

Eine Antwort von Cook gab es nicht, dafür aber von Craig Federighi, Apples Senior Vice President of Software Engineering. Er antwortete mit einem unmissverständlichen Nein und Nein.


Die E-Mail von Caleb an Tim Cook. (Bildquelle: Macrumors via 9to5mac) Die E-Mail von Caleb an Tim Cook. (Bildquelle: Macrumors via 9to5mac)


Die Nachricht wurde von 9to5Mac verifiziert und taucht seitdem immer wieder bei der Diskussion um das Thema auf.

Google bestätigt gleiches für Android: Dave Burke, ehemaliger Vice President of Engineering bei Android, brachte es ebenfalls schon 2016 auf den Punkt (via ABC News): 

»There's this big myth on phones that we have to swipe away your applications to save battery. It's just completely not true.«

Zu Deutsch: »Es gibt diesen großen Mythos bei Handys, dass man Apps wegwischen muss, um Akku zu sparen. Das stimmt einfach überhaupt nicht.«


Video starten 58:41 Die Smartphone-Sackgasse 2025: Wenn Gefühl Innovation verdrängt


Warum schadet das manuelle Schließen?

So arbeitet iOS

Apps werden automatisch eingefroren: Unter iOS sind Apps im Hintergrund laut 9to5Mac nicht wirklich aktiv. Das System versetzt sie nach wenigen Minuten in einen eingefrorenen Zustand, in dem sie praktisch keine Ressourcen verbrauchen.

Der Task-Manager zeigt lediglich einen Verlauf der zuletzt genutzten Apps – keine laufenden Prozesse.

Das Problem beim manuellen Schließen: Wenn ihr eine App komplett schließt, muss sie beim nächsten Start komplett neu geladen werden. Dieser »Cold Start« benötigt deutlich mehr CPU-Power und Energie als das Aufwecken einer eingefrorenen App.

Android ist genauso intelligent

Doze-Modus seit Android 6.0 (via Android Open Source Project und Android Developers): Android verwendet automatische Optimierungstechnologien wie den Doze-Modus und App-Standby. Apps, die länger nicht genutzt werden, werden automatisch in einen Ruhezustand versetzt, der praktisch keine Energie verbraucht.

Nur die Vordergrund-App verbraucht Ressourcen: Apps im Hintergrund werden automatisch verwaltet und bei Bedarf beendet.

Die Ausnahmen: Wann solltet ihr Apps doch schließen?

Es gibt aber durchaus berechtigte Situationen, in denen das manuelle Beenden von Apps sinnvoll ist:

Problematische Apps identifizieren:

  • Apps, die sich aufgehängt haben oder nicht mehr reagieren
  • Fehlerhafte Apps, die trotz Hintergrund-Status ungewöhnlich viele Ressourcen verbrauchen
  • GPS-intensive Apps wie Navigations-Software, die kontinuierlich eure Position verfolgen

Wie erkennt ihr Akkufresser? Schaut in die Batterieeinstellungen eures Smartphones. Sowohl iOS als auch Android zeigen euch detailliert, welche Apps tatsächlich Energie verbrauchen. Apps mit auffällig langen Hintergrundaktivitäten ohne ersichtlichen Grund könnt ihr dann gezielt beenden.

Hintergrundaktivitäten beschränken

Background App Refresh verwalten: Statt alle Apps zu schließen, solltet ihr in den Einstellungen prüfen, welche Apps im Hintergrund aktualisiert werden dürfen. Hier könnt ihr gezielt Apps deaktivieren, die ihr nicht regelmäßig nutzt.

Unter iOS findet ihr die Option unter: Einstellungen > Allgemein > Hintergrundaktualisierung

Bei Android-Geräten: in den Einstellungen bei »Apps« > »Akkunutzung der App« (kann sich je nach Android-Version unterscheiden).

Meine Einschätzung

Das ständige Schließen von Apps ist ein Relikt aus der Smartphone-Urzeit. Frühe Android-Versionen und die ersten iPhones hatten tatsächlich Probleme mit der Speicherverwaltung – diese Zeiten sind aber längst vorbei.

Moderne iPhones und Android-Handys haben ausreichend Speicher, um mehrere Apps gleichzeitig im Hintergrund zu halten, ohne dass sie die Performance beeinträchtigen.

Mein Tipp: Gewöhnt euch das zwanghafte App-Schließen ab. Euer Smartphone weiß besser als ihr, wann es Zeit ist, eine App zu beenden.

Konzentriert euch stattdessen auf die wirklichen Akkufresser – zu helle Displayeinstellungen, permanent aktive Ortungsdienste oder veraltete Apps, die schlecht optimiert sind.

zu den Kommentaren (6)

Kommentare(6)
Kommentar-Regeln von GameStar
Bitte lies unsere Kommentar-Regeln, bevor Du einen Kommentar verfasst.

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.