Sich vom Handy wecken lassen: Bitte macht es bloß nicht so wie meine Nachbarn!

Ein Vibrationsalarm kann von mehr Menschen gehört werden, als ihr vielleicht denkt.

Handy-Vibrationen können zum echten Aufreger werden. (Bildquellen: stock.adobe.com Apple) Handy-Vibrationen können zum echten Aufreger werden. (Bildquellen: stock.adobe.com / Apple)

Liebe Nachbarn, falls ihr das hier lesen solltet: Bitte seid mir nicht böse. Aber ich muss meinem Ärger einfach mal Luft machen. Gleichzeitig habe ich die Hoffnung, vielleicht andere Menschen davor zu bewahren, das gleiche Schicksal zu erleiden.

Wovon genau ist hier die Rede? Im Kern geht es um einen Handy-Alarm in der Wohnung über uns, der mich und meine Frau in unserem Schlafzimmer eine Etage tiefer gleich mit weckt. Bemerkenswert wird das Ganze allerdings durch die Art und die Dauer des Alarms.

Es handelt sich also nicht bloß um einen zu laut eingestellten Standard-Weckton, der eine kurze Zeit lang ertönt und der uns durch ein (zu) hellhöriges Haus aus dem Schlaf reißt.

Das Problem ist stattdessen ein reiner Vibrationsalarm, von dem man irrtümlicherweise sogar denken könnte, dass er generell schonender mit dem wohlverdienten Schlaf der Nachbarn umgeht.

Schließlich nutzt man diese Art von Alarm auch dann, wenn man beispielsweise in einem Meeting sitzt und bei möglichst geringer Störung des Teams Nachrichten und Anrufe mitbekommen will. Der Teufel steckt aber einmal mehr im Detail.

Nils Raettig
Nils Raettig

Nils ist mit seinem Einstieg im Jahr 2013 der dienstälteste Mitarbeiter im GameStar-Tech-Team, begonnen hat seine Arbeit als Tech-Redakteur aber nochmal drei Jahre früher bei der altehrwürdigen PC Praxis. Damals war er sogar noch so verrückt, sich eine Stunde zu früh wecken zu lassen, um nach dem ersten Wachwerden genug Zeit zu haben, sich noch das ein oder andere Mal wieder umzudrehen. Diese Zeiten sind aber vorbei, und das nicht erst, seitdem er zwei Kinder hat. Will er sich heute früh wecken lassen, ohne dass Frau und Kinder ebenfalls wach werden, setzt er auf die Vibration der Smartwatch an der Hand, auch wenn sie für seinen Geschmack stärker ausfallen könnte.

Wie kann man bei sowas ernsthaft weiterschlafen?

Was ich euch jetzt schildere, klingt vermutlich sehr unrealistisch. Ich schwöre euch aber, dass es genauso seit Wochen bei uns im Haus geschieht.

Im Zimmer über uns klingelt an manchen Tagen ungefähr um fünf Uhr ein Handywecker. Oder genauer gesagt: Er vibriert. Das Muster bleibt dabei stets gleich. Es handelt sich um eine identisch lange Vibration, die sich mit einer Pause von etwa einer Sekunde ständig wiederholt:

Brrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr ... Brrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr ... Brrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr ... Brrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr ...

So weit, so gewöhnlich. In diesem Fall ertönt der Vibrations-Alarm aber ungefähr eine geschlagene Stunde lang. Ununterbrochen.

Es.

Macht.

Mich.

WAHNSINNIG!

Die zwei Elefanten im Raum

Bei den Wecker-Apps, die ich bislang ausprobiert habe, bleiben Wecker von Haus aus nicht dauerhaft an. Bei den Wecker-Apps, die ich bislang ausprobiert habe, bleiben Wecker von Haus aus nicht dauerhaft an.

Bevor wir zum einen Elefanten im Raum kommen, der da heißt: Wieso sprichst du deine Nachbarn nicht einfach darauf an?, widmen wir uns dem anderen Elefanten im Raum: Was zum Henker soll das?.

Darauf kann ich euch keine Antwort liefern. Ein Wecker dient schließlich dazu, jemand zu wecken - und das ist hier offenbar nicht gegeben. Andernfalls würde man den Wecker doch zumindest für eine gewisse Zeit lang wieder ausstellen. Aber er läuft ohne Pause und wird dementsprechend wohl nicht gehört.

Außerdem haben zumindest die Wecker-Apps, die ich persönlich kenne, eine Gemeinsamkeit: Standardmäßig gehen ihre Wecker nach einer gewissen Zeit von selbst wieder aus. Man muss also meiner Einschätzung nach gezielt einstellen, dass ein Handy-Wecker ununterbrochen vibriert.

Was sagen die Nachbarn?

Den zweiten Elefanten im Raum habe ich inzwischen endlich aus der Welt geschafft, indem ich unsere Nachbarn höflich auf das Problem angesprochen habe. Das wurde freundlich zur Kenntnis genommen, gepaart mit dem Versprechen, den Bewohner des entsprechenden Zimmers darauf hinzuweisen.

Eine Erklärung für den merkwürdigen Dauerwecker gab es dabei nicht. Viel gravierender ist aber die Tatsache, dass der Wecker letzten Donnerstag und Freitag trotzdem wieder ungefähr ab fünf Uhr permanent vibrierte.

Mein Gehirn hat dabei sogar versucht, mich vor dem Wachwerden zu bewahren, indem es den vibrierenden Wecker gekonnt in meinen aktuellen Traum eingearbeitet hat. Eine Stunde lang geht das dann aber doch nicht gut.

Warum es generell wichtig ist, den Schlaf nicht unnötig zu unterbrechen, erfahrt ihr übrigens hier:

Am Freitag folgte mein nächster Versuch, das Problem zu lösen: Diesmal schellte ich schweren Herzens früh am Morgen beziehungsweise direkt während des Vibrierens bei den Nachbarn. Zu meinem großen Erstaunen habe ich dabei gemerkt, dass im Treppenhaus sogar ein Klingelton deutlich hörbar ist.

Dieser Wecker war erst nach meinem zweiten Schellen an der Wohnungstür endgültig aus. Wie sich aber beim erneuten Ins-Bett-gehen herauskristallisiert hat, vibrierte der Handy-Alarm im Zimmer über uns weiter fröhlich vor sich hin.

Da wir eh schon wach waren, habe ich mir ein drittes Schellen gespart. Wenn der Wecker aber nochmal vibriert (was mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit passieren wird), klingele ich wieder bei den Nachbarn, bis das Ganze endlich ein Ende hat.

Und vielleicht erfahre ich dann ja sogar noch, was genau es damit auf sich hat.

Ein fieser Gegner

Die Krux an Vibrationen und an den Geräuschen, die sie teils verursachen, kennen wir im PC-Bereich von den guten, alten Festplatten mit Magnetscheiben, die zum Glück immer seltener zum Einsatz kommen.

Ihre mechanischen Bauteile können für üble Schwingungen sorgen, die aufdringlicher sind als jedes Lüftergeräusch.

Ich habe noch gut in Erinnerung, wie ich früher oft leicht gegen meinen PC getreten habe, in der Hoffnung, eine störende Schwingung wieder loszuwerden. Auch mit passenden HDD-Gehäusen und Gummiringen beziehungsweise Gummiaufhängungen zur Entkopplung ist man nicht völlig davor gefeit.

Im Falle des Handyweckers meiner Nachbarn ist es sogar so, dass ihn deutlich weniger wahrnehme, wenn ich mich aus der liegenden Position aufrichte. Im Sitzen schläft es sich aber nicht so gut. Erschwerend hinzu kommt der Umstand, dass Ohrstöpsel nur bedingt gegen diese Art von Geräusch helfen.

Aber immerhin werden meine Kinder bis jetzt nicht davon wach, weil das Geräusch im Kinderzimmer nebenan ebenfalls deutlich weniger gut wahrnehmbar ist.

Der Ärger für die Nachbarn lässt sich leicht verhindern

Wer einen Vibrationsalarm nutzt, der sollte auch an seine Nachbarn denken - und das Handy am besten auf einer Oberfläche platzieren, die die Schwingungen nicht mehr oder weniger ungebremst aufnimmt.

Ausgerechnet typische Nachttische aus Holz dürften eher ungeeignete Kandidaten dafür sein. Es kann jedoch schon helfen, eine weiche Unterlage für das Handy zu verwenden.

Matratzen dürften störende Vibrationen ebenfalls recht gut auffangen. Aber es gibt gute Argumente dagegen, sein Handy dort zu platzieren. Beispielsweise die Sorge, es ungewollt aus dem Bett zu werfen.

Oder man weicht gleich ganz auf eine andere Lösung als das Handy aus. Mir kommt etwa der Tageslichtwecker in den Sinn, den Alana vor einiger Zeit begeistert ausprobiert hat:

Ich habe mir einen Wecker für 230 Euro gekauft - und bereue keinen einzigen Cent davon

So oder so gilt: Unterschätzt niemals, wer außer euch vielleicht noch den Wecker eures Handys hört, und das betrifft nicht nur besonders hellhörige Gebäude und laute Klingeltöne.

Wie lasst ihr euch morgens wecken? Nutzt ihr dafür die Weckfunktion eures Smartphones oder habt ihr einen separaten Wecker auf dem Nachttisch stehen? Und seid ihr ebenfalls schon mal unsanft durch den Wecker eurer Nachbarn aus dem Schlaf gerissen worden? Schreibt es gerne in die Kommentare!

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