Vor rund einem Monat hat Apple der Welt stolz Siri AI vorgestellt. Die neue Assistentin soll mit dem kommenden Update auf iOS 27 alles besser machen.
Die gute Nachricht: Apple hält sein Versprechen. Die neue Siri ist in allen Belangen nicht mehr wiederzuerkennen.
Die schlechte Nachricht: Wir müssen bekanntermaßen deutlich länger warten, bis Siri in der EU verfügbar sein wird.
Ich konnte mir die neue Sprachassistenz auf dem iPhone dennoch näher anschauen und habe sie mit Googles Gemini verglichen. Wie schon in meinem letzten Vergleich gilt auch hier: Mir ist bewusst, dass Siri AI zu einem großen Teil auf Gemini basiert.
Wie ihr gleich erfahren werdet, gibt es aber trotzdem nennenswerte Unterschiede.
Die Ausdrucksweise
Der nennenswerte Unterschied beginnt bereits bei der Ausdrucksweise von Siri AI. Im Vergleich zu Gemini klingt sie um einiges natürlicher.
Nicht falsch verstehen: An eine menschliche Stimme kommt die neue Assistentin zwar noch nicht heran, sie ist dieser aber schon beängstigend nahe. Sowohl die Frauen- als auch die Männerstimme klingen warm und herzlich, nicht abgehackt.
Das ist der Punkt, der mich im Nachhinein am meisten beeindruckt hat. Denn ich höre der Stimme wirklich gerne zu.
Für diese warmherzige Unterhaltung wird allerdings viel Leistung abverlangt. Benötigt wird mindestens das iPhone 17 Pro (Max) beziehungsweise das iPhone Air.
Komplexere Anfragen
Zum aktuellen Stand kann Siri keine mehrstufigen Aufgaben abarbeiten. Mit iOS 27 gehört das endlich der Vergangenheit an.
So erhalte ich eine Antwort auf Fragen wie: »Wie ist das Wetter für morgen gemeldet?« Und »Wie ist das Wetter für übermorgen gemeldet? Und wie soll ich mich entsprechend den Wetteraussichten kleiden?« Ein einfaches Beispiel, ich weiß.
Praktischer wird es, wenn ich Siri damit beauftrage, einen Kontakt darüber zu informieren, dass ich mich morgen früh um 15 Minuten verspäte, und den entsprechenden Kalendereintrag anzupassen.
Auch für Gemini stellt diese Anweisung keine Herausforderung dar. Während der Kalendereintrag bereits erstellt wird, fragt mich die KI nur noch, welche Nachricht konkret an meinen Kontakt versendet werden soll.
Wissensfragen
In puncto Wissensfragen machen sich beide KIs in meinem Test keine Schande. Allerdings ist nach wie vor Vorsicht geboten. Künstliche Intelligenz neigt nämlich nach wie vor zu Halluzinationen, also Falschinformationen.
Ich habe Gemini und Siri gefragt, wie weit die Sonne von der Erde entfernt ist. Beide kamen auf das Ergebnis von rund 150 Millionen Kilometern. Siri geht allerdings zwei Schritte weiter:
- Zum einen fügt sie die Quellen hinzu, die ich mit einem Fingertipp öffnen kann.
- Zum anderen gibt sie mir weiterführende, interessante Informationen an die Hand.
Aufgrund der elliptischen Umlaufbahn der Erde ändert sich die Entfernung zur Sonne im Laufe des Jahres. Die kürzeste Entfernung beträgt 147 Millionen Kilometer, die weiteste Entfernung liegt bei rund 152 Millionen Kilometern.
Anschließend habe ich den beiden KIs einen Fallstrick gespannt und gefragt, wann Albert Einstein den Nobelpreis für Physik für seine Relativitätstheorie erhalten hat. Tatsächlich hat das Genie den Nobelpreis für seine Entdeckung des Gesetzes des fotoelektrischen Effekts erhalten, und zwar rückwirkend für das Jahr 1921.
Sowohl Siri als auch Gemini haben mich hier richtigerweise korrigiert.
On-Screen-Awareness
Gemini erkennt nahezu perfekt, was auf dem Bildschirm passiert. Mit Gemini Live kann ich zudem dauerhaft den Bildschirm freigeben und fortlaufend mit der KI kommunizieren. Per Tastendruck erhalte ich Zugriff auf Googles KI und kann mir etwa Online-Artikel oder gar Videos zusammenfassen lassen. Das klappt ziemlich flott und intuitiv.
Siri ist in diesem Punkt klar im Nachteil. In einigen Fällen versucht sie, das YouTube-Video zusammenzufassen, scheitert allerdings bei der detaillierten Aufbereitung des Inhalts. Auch wenn ich nach interessanten Zitaten frage, kommt nichts Verwertbares heraus.
Online-Artikel möchte mir Apples Assistentin ebenfalls nicht zusammenfassen. Als Antwort erhalte ich, dass sie lediglich das aufbereiten kann, was auf dem Bildschirm angezeigt wird.
Und das stimmt. Wenn ich ihr beispielsweise einen Ausschnitt aus einem englischsprachigen Manga gebe, übersetzt sie mir diesen zuverlässig ins Deutsche und liest die Übersetzung laut vor.
Gemini Live ist aber zugänglicher, geht mit mir das Kapitel Stück für Stück durch und sagt, welche Person was genau sagt.
Zudem integriert Apple die KI »Siri« in die Kamera-App des iPhones. Damit kann ich der KI direkt ein Bild meiner Umgebung zeigen und nach Dingen fragen. Das klappt zuverlässig.
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Zugriff auf Apps
Wie ich im oberen Abschnitt bereits durchblicken ließ, haben beide Assistenten Zugriff auf Apps. Das war auch vorher bereits der Fall, allerdings beschränkt sich dies weiterhin hauptsächlich auf die hauseigenen Apps des jeweiligen Ökosystems.
Das klappt aber in Bezug auf die Fotosuche etwa ziemlich gut! Beide haben mir aus der Fotogalerie entsprechende Fotos zum Suchbegriff »Kirche« herausgesucht.
Im Falle von Gemini gibt es wenige Ausnahmen. Neben den Google-eigenen Apps hat Gemini auf einem Samsung-Handy etwa Zugriff auf Notes, Reminder sowie die Samsung-Galerie.
Darüber hinaus gibt es optionalen Zugriff auf Spotify oder YouTube Music.
Apple hat bereits angekündigt, dass der Zugriff von Siri AI für Drittanbieter-Apps vorgesehen ist. In den nächsten Monaten kommt es hier auf die Entwicklerinnen und Entwickler der Apps an.
Einstellungen am Smartphone anpassen
Überraschenderweise geht die Krone in diesem Punkt an Siri. Gemini kann keine Optionen in den Einstellungen ändern – ich habe zumindest keinen Weg gefunden.
Bei Siri funktioniert es zumindest bei den gängigsten Optionen. So kann ich Apples KI beispielsweise bitten, die Bildschirmhelligkeit zu erhöhen oder den Flugmodus zu aktivieren.
Im letzteren Fall warnt Siri mich sogar, dass ich sie anschließend womöglich nicht mehr erreiche, und wartet auf die finale Bestätigung. Anschließend aktiviert sie den Flugmodus.
Je nach Bitte funktioniert das allerdings nicht immer reibungslos. Manchmal möchte sie von einigen Funktionen nichts wissen, während sie mir bei anderen immerhin korrekt aufzeigt, wo ich die Option in den Einstellungen finde.
Apple bietet für Siri eine eigenständige App
Wie Gemini unter Android bekommt Siri ihre eigene App. Diese ist (noch) recht rudimentär gehalten. Darüber seht ihr den Chatverlauf, könnt die Ansicht anpassen oder einen neuen Chat starten.
Über das Chat-Fenster selbst lassen sich zudem Fotos und Dokumente hochladen. Bei Bedarf verarbeitet die KI diese und beantwortet zuverlässig Fragen dazu.
Wenn ihr nicht in der App unterwegs seid, könnt ihr zudem jederzeit die Sprechblase nach unten ziehen, um die Ansicht zu wechseln – ähnlich wie bei Gemini.
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Siri AI vs. Gemini: Mein Fazit
Siri ist endlich abseits von Timern und Kalendereinträgen zu gebrauchen und zieht mit Googles Gemini gleich. Das ist zunächst wenig überraschend, immerhin trägt Apples KI einen Großteil der Gemini-DNA in sich.
Im direkten Vergleich zeigt sich jedoch, dass Siri einige eigene Vorzüge mitbringt: die angenehmere Stimme etwa oder die Möglichkeit, Einstellungen am iPhone vornehmen zu lassen.
Dabei sei jedoch erwähnt, dass sich Siri AI noch in der Beta-Phase befindet und das auch noch eine Weile bleiben wird. Apple wird mit Sicherheit weiter an seiner Sprachassistentin sowie Apple Intelligence feilen.
Das muss uns aber nicht interessieren. Bis Siri AI in der EU freigeschaltet wird, wird vermutlich einige Zeit vergehen. Zwar finden im Hintergrund Gespräche zwischen Apple und der EU statt, doch ein Release im Herbst zusammen mit den USA steht nahezu außer Frage.
Zumindest auf dem iPhone. Auf dem Mac werden wir die Sprachassistentin nämlich nutzen dürfen.
Wer allerdings mit Gemini nicht viel anfangen konnte, wird auch mit Siri keinen Aha-Moment erleben. Denn im Endeffekt liefert sie jetzt das, was andere schon länger können.

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