Wissenschaftler entdecken potenziell bewohnbare Welt der Extreme in Nachbarschaft unseres Sonnensystems

Die Entdeckung von Exoplaneten ist dank fantastischer Teleskope keine Seltenheit mehr. Doch HD 20794 d fasziniert die Fachwelt in vielerlei Hinsicht – und könnte in Zukunft zum Lieblingsziel neuer Instrumente avancieren.

Bis wir eine Sonde zu HD 20794 d senden können, wird sicherlich noch viel Zeit vergehen. Aber zeige uns, wer den Wissenschaftler, der davon nicht hellauf begeistert wäre. (Bildquelle: Skórzewiak, Adobe Stock) Bis wir eine Sonde zu HD 20794 d senden können, wird sicherlich noch viel Zeit vergehen. Aber zeige uns, wer den Wissenschaftler, der davon nicht hellauf begeistert wäre. (Bildquelle: Skórzewiak, Adobe Stock)

Planeten sind nach allem, was wir wissen, der kosmische Normalfall. Aber auf den meisten uns bekannten Himmelskörpern außerhalb unseres Sonnensystems hätten wir nichts zu suchen. Denn jenseits von felsigem Untergrund erschienen sie uns wohl oft als äußerst fremdartige, ja gar tödliche Umgebungen.

Aufgrund neuer Erkenntnisse über einen alten Bekannten keimt allerdings Hoffnung auf. HD 20794 d könnte einer zweiten Erde so nahe kommen, wie bisher kaum ein Exoplanet. Wir erklären euch, was ihn zu einem Glücksfall für die Wissenschaft macht und wie er uns einer existenziellen Antwort näherbringen könnte.

Video starten 1:45 Wie bekommen Planeten ihre Namen? Ein NASA-Experte erklärt es

Pendler zwischen Ozeanen und Eismeeren

Bereits 2011 entdeckt, langweilte HD 20794 d die Wissenschaftler nie. Er galt schon immer als interessant, da seine Heimat ihn bereits auszeichnet. In rund 20 Lichtjahren Entfernung umkreist er gemeinsam mit zwei anderen Planeten einen Stern vom Typ G. Wem letzteres bekannt vorkommt, fühlt sich wahrscheinlich zurecht wie zu Hause. Unsere Sonne gehört genau zu dieser Klasse, die gemeinhin als lebensfreundliche Art aller Zentralgestirne gilt. Der Grund: Ideale Temperatur, relativ lange Lebensdauer und im Vergleich wenige und schwache Sonnenstürme (via Leifiphysik).

Aktuell ermittelte Eckdaten zu HD 20794 d:

  • Entfernung zur Erde: Ungefähr 20 Lichtjahre.
  • Umkreist einen Stern vom Typ G. Das Spektrum reicht von O (extrem heiß) bis M (relativ kühl) und er gehört damit zu den rund 10 Prozent der für uns optimalen Sterne.
  • Gewicht: Ungefähr 5,5 Erdmassen.
  • Größe: 1,7- bis 2,1-facher Erdradius.
  • Aufbau: Wahrscheinlich Gestein, erd-ähnlich (könnte theoretisch auch ein Mini-Gasriese sein.)
  • Umlaufzeit: Etwa 650 Tage Erdtage (40 mehr als der Mars) – ein Jahr auf HD 20794 d dauert also 650 Tage.

Daten aus einer Studie zu seiner Umlaufbahn begeistern die Forschenden: Er kreist auf einer elliptischen Umlaufbahn, die über lange Strecken durch die habitable Zone des Systems führt. Maximal entfernt er sich zwei Astronomische Einheiten (AE) und kommt entgegengesetzt auf bis zu 0.75 AE an seinen Stern heran. HD 20794 d pendelt also von ungefähr dem doppelten, mittleren Abstand zwischen unserer Erde und der Sonne auf bis zu etwa nur 3/4 heran.

Potenzielles Wasser auf dem Planeten wäre damit zwar etwa die Hälfte des 650 Tage langen Jahres gefroren, aber auch mehr als 300 Tage flüssig. In Masse verdampfen würde es nie. Das stellt laut den Forschern ein ideales Labor für Leben dar, da es sich an diesen Kreislauf durchaus anpassen und mit den Charakteristika des Sterns klarkommen könnte.

Planetares Topmodel für die Zukunft

Kommende Teleskope wie das »Nancy-Grace-Roman« oder das Vera C. Rubin Observatory werden sicher die ein oder andere Beobachtung machen, wie auch die Autoren der neuen Studie nahelegen. Die relative Nähe des Systems HD 20794 begünstige dies – sein Licht erreicht uns verhältnismäßig hell. Das ermögliche zuerst einmal, theoretische Modelle zu prüfen. Aber es sollte dort auch einfacher als sonst irgendwo in der Milchstraße sein, mögliche Spuren von Leben zu entdecken.

Käme es dereinst dazu, handfeste Beweise für Leben auf HD 20794 d zu entdecken, würde es das Bild von unserem Platz im Universum neu zeichnen. Wissenschaftler stellten erst kürzlich eine komplett neue Theorie auf, wie frühes Leben eventuell aussieht – und auch unsere Erde leuchtete vielleicht einst lila.

Derweil liegt es an unserem eigenen Unvermögen, bis jetzt nicht mehr Planeten wie HD 20794 d zu kennen. Modellen nach sollte es sie nämlich massenhaft dort draußen geben. Bisher fehlten uns schlicht die Instrumente, um relativ kleine Planeten wie HD 20794 d zu erkennen. Meistens sind es eher Gasriesen oder gewaltige Gesteinsplaneten um rote Zwergsterne, die es vor unsere Linse schaffen. Doch jede Verfeinerung der Messmethoden lässt uns mehr erdähnliche Planeten in der Schwärze des Alls erspähen.

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