Fazit: Hearts of Iron 4 im Test - Zwischen den Fronten

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Fazit der Redaktion

Reiner Hauser
@HauserRj_

Mit Hearts of Iron 4 könnte man es sich als Tester sehr einfach machen. Es ist nicht besonders hübsch, wahnsinnig komplex und für Einsteiger ein Graus. So wie ungefähr jeder Globalstrategie-Titel von Paradox. Wenn man es aber ernsthaft und mit viel Genre-Erfahrung angeht, muss das Urteil ein wenig differenzierter ausfallen.

Das dieses Mal sogar passabel übersetze Hearts of Iron 4 entfaltet in seinen besten Momenten einen unglaublichen Sog. Da setzt man sich vor Abenddämmerung an den PC und kaum guckt man mal vom Bildschirm auf, ist es draußen irgendwie schon wieder hell. Dazu kommen wieder unendlich viele Zahlenwerte und Möglichkeiten, die einerseits den Spielbeginn ohne Wiki oder Videos unmöglich machen und mit denen andererseits Enthusiasten ihre helle Freude haben werden.

Doch Hearts of Iron 4 steht für mich ein wenig zwischen den Fronten. Auf der einen Seite sind da die Genre-Anfänger, denen das Spiel zu kompliziert sein wird, und auf der anderen versammeln sich Serien-Veteranen, denen es nicht komplex genug sein kann. Es wäre zwar falsch, Hearts of Iron 4 irgendwie als »einfach« zu bezeichnen, wer aber in einem Europa Universalis 4 schon mal daran denkt, die ganze Welt zu erobern, der könnte nach dem ersten Spieldurchgang tatsächlich unterfordert sein. Denn dafür arbeitet die KI am Ende des Tages nicht gut genug zusammen, und die bewährte Formel »größer gleich stärker« überstrahlt mehr noch als in den Schwesterprodukten von Paradox das Spielgeschehen. Doch das ist schlussendlich Meckern auf hohem Niveau. Mit Hearts of Iron 4 kann man wieder dutzende, wenn nicht hunderte Stunden Spaß haben.

Michael Graf
@Greu_Lich

Halb sechs Uhr morgens. Eigentlich wollte ich spätestens um zwei Uhr mit Hearts of Iron 4 aufhören. Als ich den Rechner schließlich ausschaltete, zwitscherten draußen schon wieder die Vögel. Wie hätte ich auch aufhören sollen? Der Friedensvertrag mit der Sowjetunion war zum Greifen nah und der neue Düsenbomber fast einsatzbereit, die Amerikaner landeten in Belgien und die Briten am Horn von Afrika, und meine Flugzeugträgerflotte versammelte sich gerade am Grund des Ärmelkanals. So ein Weltkrieg artet ziemlich in Stress aus. Und genau das macht ihn so packend.

Auch die KI spielt diesmal schon von Anfang an halbwegs ordentlich mit, sowohl auf meiner eigenen als auch auf Gegnerseite. Wohlgemerkt: Halbwegs. Meine Lieblingsneuerung ist das Produktionssystem: Bataillone modernisieren sich nun mal nicht wie von Zauberhand, ich muss die schicken, neuen Panzer erst bauen - viele Jahre lang. Was mir indes fehlt, ist die Möglichkeit, besetzte Regionen zu befreien. In Hearts of Iron 2 war's stets spaßig, im nördlichen Großbritannien einzufallen und gleich mal Schottland als Marionettenstaat zu »gründen«. Rohstoffe würde ich gerne wie in Hearts of Iron 3 gezielt verkaufen, statt pauschal ein paar Prozent von allem zu exportieren. Ich will ja gar nicht alles loswerden, sondern nur den Stahl, den ich im Überfluss produziere! Und es nervt, dass andere Staaten ohne meine Zustimmung meinem Bündnis beitreten können - obwohl ich es doch anführe!

Also nein, Hearts of Iron 4 ist nicht perfekt, so selbsterklärend wie der Schaltplan einer Boeing 747, oft umständlich und teils verbuggt. Dennoch spiele ich es unheimlich gerne, weil es einen Detailgrad bietet, den ich sonst nirgendwo bekomme - und damit ein wunderbares Fundament, auf dem Paradox in den kommenden Jahren aufbauen kann. Mein einziges Problem ist, dass es ja auch noch Stellaris gibt. Ich schätze, Schlaf wird überbewertet.

3 von 3


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