Ich liebe Langzeittests. Je länger man sich mit einem (Test-)Gerät beschäftigt, desto mehr Erkenntnisse gewinnt man, egal ob teurer Stuhl oder Monsieur Cuisine.
Seit 4 Wochen sitze ich nun auf dem Herman Miller Embody – und bin überraschenderweise nicht viel schlauer als zuvor. Das meine ich gar nicht negativ, denn es beweist, wie grundsolide und, ja, ehrlich der Stuhl ist.
Gutes bleibt gut
Meinen Ersteindruck lest ihr im Artikel zum Fazit nach einer Woche. Ich möchte an dieser Stelle noch einmal auf die positiven Punkte eingehen, die sich in vier Wochen eigentlich verstärkt haben.
Wenig überraschend ist die Polsterung nicht wie beim ersten Mal. Dazu reichen vier Wochen Abnutzung auch nicht aus, um sie alt aussehen zu lassen.
Zunächst war die dünne Polsterung etwas unangenehm, was aber auch daran liegt, dass ich für gewöhnlich auf einem Herman Miller Aeron mit Mesh sitze.
Mittlerweile sitze ich aber richtig gut, auch, weil sich meine Haltung an den Embody angepasst hat.
Ich möchte auch nochmal die Funktion erwähnen, die Sitzfläche in der Länge vergrößern zu können. Ja, das machen die meisten von uns wohl nur einmal, aber das schafft wortwörtlich Beinfreiheit.
- Leute mit langen Gräten ziehen die Sitzfläche vor und können bequem die Beine ablegen.
- Leute mit kürzeren Beinen, so wie ich, ziehen die Sitzfläche einfach ein. Viele Gaming Chairs und Schreibtischstühle schmerzen mich nämlich in den Knien, weil sie schlichtweg zu tief sind.
Eine Funktion hat mich überrascht
Im Grunde genommen ist das nicht einmal wirklich eine Funktion per se. Zwischen der Rückenlehne des Embody und dem Streben dahinter ist ein großer Spielraum. Was man leicht als Designentscheidung abtun könnte, offenbart eine tiefere Bedeutung.
In meinem Fazit nach einer Woche habe ich es als »zweistufiges Anlehnen« umschrieben. Sitzt man gerade, hat man die Lehne im Rücken, klar. Darin versteckt sich aber ein Widerstand, den man beim Anlehnen überwinden muss.
Das Clevere dahinter: Der Rückenteil ist damit nie ganz fest – und das sorgt davor, dass ich von allein ein wenig aufrechter dasitze. Beim »richtigen« Zurücklehnen habe ich dann immer noch die Lordosenstütze im Kreuz.
Der Embody hält mich quasi an, von selbst aufrechter zu sitzen.
Mein Problem: die Rückenlehne
Eben noch gelobt, da hagelt’s auch schon Kritik: Mir ist die Rückenlehne zu schmal.
Das ist sehr subjektiv, aber um euch abzuholen:
- Ich habe ein breites Kreuz.
- Zum Entspannen ist die Rückenlehne nicht geeignet.
Warum mir die taillierte Rückenlehne nicht taugt, basiert vor allem auf Gründen.
1. Keine Stütze für den Kopf
Oben seht ihr die Rückenlehnen des Embody und Aeron im Vergleich. Die des Aeron wird oben breiter. Das hat beim Zurücklehnen den Vorteil, dass durch meine anliegenden Schultern mein Kopf mitgestützt wird.
Das entfällt beim Embody. Dadurch empfinde ich ihn beim Zurücklehnen unbequemer, weil mein Kopf in der Luft hängt. Für mich braucht es daher unbedingt eine Kopfstütze (die ihr in den Kommentaren des vorherigen Artikels ebenfalls mehrfach erwähnt).
2. Die Polsterung ist zu dünn
Versteht mich nicht falsch: Ein Bürostuhl ist dazu da, dass man aufrecht am Schreibtisch sitzt. Den Job erledigt der Embody mit Bravour. Ich lümmle aber auch gerne mal in meinem Stuhl, sei es, um etwas anzuschauen, oder wenn ich beispielsweise Artikel oder Texte Korrektur lese.
Jedes Mal, wenn ich mich länger zurücklehne, habe ich mir den Aeron hergewünscht. Zum einen wegen des eben erwähnten breiten Rückenteils. Zum anderen aber auch, weil der Rückenteil des Embody schlichtweg nicht gemütlich genug ist, um sich länger anlehnen zu wollen.
41:14
Nintendos größter Flop ist zurück: Das Virtual Boy "Remake" im Test
Fazit nach vier Wochen
Bevor ich diesen Test beschließe, noch ein Wort zur Wärme der Polster. Der Bezug besteht aus Polyester, ja, aber ich habe darauf nicht mehr geschwitzt als auf anderen Stühlen. Eine weitere Wahrheit ist aber auch: Es ist noch nicht lange genug warm genug gewesen für einen Härtetest.
Der Herman Miller Embody ist ein Schreibtischstuhl, den ich rundheraus empfehlen kann. Nach vier Wochen habe ich nicht mehr Erkenntnisse gewonnen als nach einer und das ist gut. Für euch bedeutet das: Wenn ihr mit dem teuren Gaming Chair liebäugelt, verrät euch ein Probesitz bereits sehr viel darüber, ob der Stuhl zu euch passt oder nicht. Bei 2.000 Euro Einkaufspreis ist das extrem wichtig.
Wenn ihr allerdings wie ich einen Schreibtischstuhl wollt, der sich sowohl zum Arbeiten als auch Lümmeln eignet, dann rate ich zum Aeron. Der bekam in meinem Test die Bestnote, ist ein kleines Eckchen günstiger und ein bisschen versatiler bei den Sitzmöglichkeiten.
Ein Wort zum Knarzen zum Schluss: In den Kommentaren des letzten Fazits schreiben einige Besitzer des Embody, dass der Stuhl nach einer Weile knarzt. Meiner ist nach vier Wochen täglichen Sitzens immer noch flüsterleise.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Dein Kommentar wurde nicht gespeichert. Dies kann folgende Ursachen haben:
1. Der Kommentar ist länger als 4000 Zeichen.
2. Du hast versucht, einen Kommentar innerhalb der 10-Sekunden-Schreibsperre zu senden.
3. Dein Kommentar wurde als Spam identifiziert. Bitte beachte unsere Richtlinien zum Erstellen von Kommentaren.
4. Du verfügst nicht über die nötigen Schreibrechte bzw. wurdest gebannt.
Bei Fragen oder Problemen nutze bitte das Kontakt-Formular.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Nur angemeldete Plus-Mitglieder können Plus-Inhalte kommentieren und bewerten.