Gaming-Stuhl für 1.968 Euro: Seit 1 Woche sitze ich auf dem Herman Miller Embody und ein Feature macht mich besonders glücklich

1.968 Euro für einen Gaming Chair, zahlt sich das aus? Nach einer Woche kann ich bisher sagen: O ja – aber ...

In Zusammenarbeit mit Logitech bietet Herman Miller einen der teuersten Gaming-Stühle am Markt an. (Bildquelle: Maxe S., GameStar) In Zusammenarbeit mit Logitech bietet Herman Miller einen der teuersten Gaming-Stühle am Markt an. (Bildquelle: Maxe S., GameStar)

Im Laufe meiner Berufslaufbahn habe ich meine vier Buchstaben auf etlichen Gaming- und Bürostühlen geparkt. Und eines wurde mir dabei immer und immer wieder bestätigt: teure Stühle sind die gesünderen.

Das beweist einmal mehr Herman Millers Embody für fast 2.000 Euro. Seit einer Woche nutze ich den Stuhl täglich zwischen acht und zehn Stunden im Homeoffice.

Aber ich bin nicht mit allem zufrieden. Wenn ihr gleich zu meinem Resümee springen möchtet, bitte hier entlang: Fazit nach einer Woche.

Maxe Schwind
Maxe Schwind

Maxe ist nicht nur Redakteur bei GameStar, sondern auch Autor und Lektor. Kurzum: Er hockt sehr oft vor dem Computer und befüllt weiße Blätter mit schwarzen Buchstaben. Ein ergonomischer Stuhl ist also unabdingbar für ihn.

Herman Miller Embody: Ersteindruck

Preis hin oder her, eine Sache finde ich bei Herman Miller-Stühlen angenehm: sie kommen bereits fertig zusammengebaut. Was habe ich bei so manchem Plastikbomber geschimpft, weil Bohrlöcher nicht passgenau sind oder es zwei Personen mit jeweils drei Armen bräuchte, um das Teil zusammenzubauen.

Und so steht der Embody dann auch gut da, wenn man ihn aus seinem Pappgefängnis befreit hat.

Was gleich augenfällig wird, sind die breite Sitzfläche sowie der schmale, taillierte Rücken – und mit einem von beiden bin ich nicht ganz zufrieden, doch dazu weiter unten mehr.

Bei einem Preis von 1.968 Euro und dem Markennamen darf man Qualität erwarten – und die bekommt man auch.

  • Hochwertiges Polyester, das wasserabweisender ist als Baumwolle.
  • Kunststoffteile wirken nicht billig.
  • Rollen sind außerordentlich gleitfähig (huiii!).

Hübsches Aussehen ist natürlich nicht alles. Nachstehend lest ihr, was mir an Herman Millers Embody gefallen hat – und was nicht.

Herman Miller Embody: Das hat mir gefallen

Man sitzt sehr gut

Räumen wir das doch gleich mal aus dem Weg, bevor ich in die Details gehe: Ja, gerade am Schreibtisch und aufrecht sitzt es sich extrem gut auf dem Embody.

  • Die Sitzfläche ist sehr breit, wodurch man Spielraum mit dem Hintern hat (was mir beim Aeron schon ausgezeichnet gefallen hat).
  • Die schmale Rückenlehne spielt dabei keinerlei Rolle.

Hervorheben muss ich die Polsterung. Die ist dünn – und das ist gut so. Dadurch versinke ich nicht und das ist gerade dem Rücken zuträglich. Sie ist durch den Schaum darin gerade hart respektive weich genug.

Sitzfläche lässt sich vorziehen

Diese Funktion hat mich am meisten begeistert. Durch zwei Griffe links und rechts am Sitz lässt sich die Sitzfläche verlängern oder verkürzen, indem man sie aus- beziehungsweise einzieht.

Geht zunächst etwas streng, aber die Sitzfläche hat einen Spielraum von etwa 5 bis 6 Zentimetern in der Tiefe. (Bildquelle: Maxe S., GameStar) Geht zunächst etwas streng, aber die Sitzfläche hat einen Spielraum von etwa 5 bis 6 Zentimetern in der Tiefe. (Bildquelle: Maxe S., GameStar)

Bisher kannte ich das nur vom Backforce One, dessen Sitzfläche sich vor und zurückschieben lässt. Dadurch entsteht allerdings eine Lücke zwischen Rücken und Sitz, in die man – theoretisch – mit dem Hintern rutschen kann. Beim Embody »rollt« sich die Sitzfläche aus, da passiert das nicht.

Darum finde ich das so fantastisch: Ich habe die kurzen Beine meiner Mutter geerbt. Ein Gaming-Stuhl kann noch so toll sein, wenn er zu tief ist, bekomme ich Schmerzen in den Knien – so geschehen beim Secretlab Titan Evo.

Beim Embody kommt jeder auf seine Kosten, egal ob Sitzriese oder Bohnenstange; die Sitztiefe ist hier kein Faktor, um den ihr euch vorab Gedanken machen müsst.

Viele Einstellungsmöglichkeiten

Das erwartet man von einem teuren Schreibtischstuhl natürlich, dennoch soll es nicht unerwähnt bleiben.

  • Sitzhöhe und Sitztiefe lassen sich anpassen.
  • Lordosenstütze in unterschiedlichen Härtegraden
  • Armstützen mit 4D-Funktion

Außergewöhnliche Designentscheidungen finden sich bei der Positionierung der Hebel (hinten statt seitlich) und den Armlehnen. Die gehen nämlich nicht gerade ab, sondern in einem halbrunden Winkel und schieben sich damit auf Wunsch über die Beine.

Federung am Rücken mit Spielraum

Es heißt immer, man soll die Rückenlehne nicht feststellen, um Spielraum beim Geradesitzen zu ermöglichen. Beim Embody kommt besagter Spielraum schon mit dem Design. Schaut euch nachfolgendes Bild an, dann erkläre ich, was ich meine.

Bei der Rückenlehne hört der Stuhl nicht auf. (Bildquelle: Maxe S., GameStar) Bei der Rückenlehne hört der Stuhl nicht auf. (Bildquelle: Maxe S., GameStar)

Die Rückenlehne selbst ist recht dünn; sie wird durch eine Art Gitter (das lilane) und Kunststoffstreben (das Schwarze) gestützt. Dahinter befindet sich zusätzlich eine vertikale Stütze in S-Form. Kurzum: Selbst wenn ihr die Rückenlehne feststellt, bleibt immer noch Spielraum für den Rücken zwischen dem Gitter und der Stütze.

Stellt es euch wie zweistufiges Anlehnen vor. Beim Geradesitzen habt ihr die Lehne im Rücken, aber wenn ihr euch weiter zurücklehnt, überwindet ihr den Widerstand, bis der Streben kommt. Dadurch ist das Rückenteil nie ganz fest, wenn man sich nicht ganz reindrückt.

Dadurch habe ich mich dabei erwischt, wie ich automatisch aufrechter sitze und beim Zurücklehnen mir die Lordosenstütze aber dennoch angenehm ins Kreuz geht. Es ist schwer zu erklären, aber am ehesten lässt es sich damit vergleichen, als würde man das Rückenteil semi-feststellen; eine Art Federung fürs Kreuz.

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Herman Miller Embody: Das hat mir nicht gefallen

Rückseite nicht sehr hübsch

Dieser Punkt mag sicher subjektiv sein, aber meine Frau reagierte beim Auspacken auch zunächst mit einem »Also, die Rückseite gefällt mir nicht« – und ich musste ihr beipflichten.

Positiv ausgedrückt, könnte man von einem Cyberpunk-Style sprechen. (Bildquelle: Maxe S., GameStar) Positiv ausgedrückt, könnte man von einem Cyberpunk-Style sprechen. (Bildquelle: Maxe S., GameStar)

Dadurch, dass das Gitter am Rücken einen farblichen Akzent setzt und darüber Kunststoffstützen stecken, ist es sehr augenfällig, weil es auf eine Art unfertig wirkt. Beim Draufsitzen sieht man das freilich nicht.

Schmaler Rückenteil suboptimal zum Lümmeln

Auch dieser Punkt ist vor allem meiner Lebenssituation geschuldet. Ich arbeite am Schreibtisch, ich schreibe meine Bücher am Schreibtisch und ich schaue Videos am Schreibtisch – und bei letzterem lehne ich mich gerne zurück (wer nicht?).

Durch den taillierten Rückenteil wird das aber recht schnell unbequem. Und um aufzuzeigen, wie es für mich besser geht, ziehe ich den Aeron von Herman Miller für einen Vergleich her.

Embody Die Rückenlehne des Embody wirkt im besten Sinne elegent. (Bildquelle: Maxe S. GameStar)

Aeron Der Aeron verjüngt sich nicht, sondern wird nach oben hin breiter. (Bildquelle: Maxe S., GameStar)

Im direkten Vergleich fällt euch auf: Der Rücken des Aeron ist deutlich breiter als der des Embody. Natürlich ist mein Kreuz ebenfalls relativ breit, doch die Form des ersteren hat einen unschlagbaren Vorteil.

Das breite Rückenteil stützt meine Schultern und damit meinen Kopf. Ich dachte immer, ich bräuchte eine Kopflehne – bis ich gelernt habe, dass ich sie nicht brauche, eben wegen der Lehne.

Das entfällt beim Embody, allerdings muss man dem auch zugute halten, dass er zum Lümmeln gar nicht gedacht ist. Wenn ihr also einen Gaming- oder Schreibtischstuhl sucht, auf dem ihr eh nur aufrecht sitzt, dann könnt ihr diesen Punkt getrost ignorieren.

Fazit nach einer Woche

Als jemand, der seit ziemlich genau zwei Jahren auf dem Aeron sitzt, einem Stuhl derselben Preisklasse, war ich verblüfft, wie unterschiedlich die beiden Modelle zueinander sind. Und auch, wenn ich den Aeron liebe, hat der Embody beim Arbeiten und Aufrechtsitzen die Nase hauchdünn vorn.

Die vielen Einstellungsmöglichkeiten sind einfach ein Genuss, besonders die Sitztiefenverstellung. Hinzu kommt die zweistufige Rückenlehne (meine Bezeichnung, nicht die von Herman Miller) und das bequeme Polster, das nicht zu fest oder zu weich ist. Optimal.

Getrübt wird mein Ersteindruck lediglich von subjektiv geprägten Kontra-Punkten.

  • Die Rückseite finde ich persönlich nicht besonders hübsch.
  • Zum Zurücklehnen bieten sich andere Modelle mehr an als der Embody.

Zum Abschluss sei noch erwähnt, dass der Embody keine Synchronmechanik besitzt. Obwohl die Funktion für mich unabdingbar geworden ist, fällt mir das bisher nicht negativ auf, was vermutlich an der gleichmäßigen Druckverteilung liegt, mit der Herman Miller auf seiner Webseite wirbt.

Ich werde das im Auge behalten und dann einen vollwertigen Test nach vier Wochen schreiben. Wichtig ist mir nämlich auch noch, wie sehr sich Körperwärme beim Polyesterbezug staut, denn die Mesh-Bespannung des Aeron war (und ist) für mich ein Gamechanger in der Hinsicht.

Habt ihr Fragen zum Herman Miller Embody? Dann schreibt sie gerne in die Kommentare und ich werde sie bis zum Test berücksichtigen.

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