Der achte und letzte Harry-Potter-Film ist vor über zehn Jahren erschienen. Wer sowohl die Filme und/oder Bücher als auch PC-Spiele mag, der hätte sich damals wohl die Finger nach einem Titel wie Hogwarts Legacy geleckt. Aber wäre so ein Titel für damalige Hardware überhaupt machbar gewesen?
Genau das schauen wir uns in diesem kleinen Experiment einmal an. Als Basis dient dabei ein PC mit Komponenten, die im Jahr 2013 in so manchem Gaming-PC gesteckt haben. Es handelt sich aber nicht um High-End-Hardware von damals.
So viel sei schon jetzt verraten: Wer hart im Nehmen ist, der könnte mit sogar mit unserem Beispiel-PC von 2013 Freude an Harry Potter haben, wenn auch mit durchaus gravierenden Haken. Aber werfen wir zunächst einen Blick auf die Komponenten, die wir genau verwenden.
Wer wissen will, wie gut uns Harry Potter spielerisch gefällt, dem sei unser Test-Video ans Herz gelegt:
15:23
Hogwarts Legacy - Test-Video zum Open-World-Spiel im Potter-Universum
Unsere Gaming-Hardware von 2013
Wir nutzen einen PC auf Basis von AMDs AM3-Plattform. Als CPU kommt der FX 6300 zum Einsatz, der damals lange Zeit als der Spartipp für Spieler galt, weil er sechs Kerne für etwas mehr als 100 Euro zu bieten hatte. Bei Intel gab es in diesem Preisbereich zu der Zeit noch nur Dual-Core-CPUs.
Das Ganze hat allerdings einen Haken: Der FX 6300 setzt für die Bereitstellung von sechs Kernen auf drei sogenannte Dual-Core-Module, wobei sich jeweils zwei Kerne bestimmte Ausführungseinheiten teilen müssen. Eine vollwertige Hexa-Core-CPU wie etwa die aktuellen Ryzen-5-Prozessoren ist er damit nicht.
Als Grafikkarte kommt Nvidias Skandal-GPU Geforce GTX 970 zum Einsatz. Sie hat kurz nach ihrem Release für viel Aufsehen gesorgt, weil sie mit 4,0 GByte VRAM beworben wurde. Grundsätzlich sind die auch vorhanden, allerdings ist ein Achtel davon mit deutlich geringerer Geschwindigkeit angebunden als der Rest. Mehr dazu erfahrt ihr in unserer Kolumne zu dem Thema:
Die weiteren Komponenten von Bedeutung sind 8,0 GByte DDR3-RAM mit einer Taktrate von 1.600 MHz sowie eine SATA3-SSD von Samsung. Als Betriebssystem nutzen wir Windows 10. Aber wie schlägt sich unser betagter Gaming-PC nun beim Spielen von Hogwarts Legacy?
Erste Gehversuche in Hogwarts
Mit Blick auf die durchschnittlichen FPS durchaus ordentlich. Wir erreichen in der Full-HD-Auflösung von 1920x1080 im Schnitt immerhin knapp 30 Bilder pro Sekunde, wenn auch nur bei niedrigen Details. Der Wechsel zu mittleren Details lässt die Bildrate auf 25 FPS sinken.
Das klar größere Problem sind allerdings die minimalen FPS (99tes Perzentil) von nur 6,5 FPS beziehungsweise die Frametimes. Es kommt also immer wieder zu kleineren und teils auch zu größeren Rucklern. Das kann in Hogwarts Legacy je nach Hardware und Szene zwar auch mit aktueller Hardware passieren. Bei dem zehn Jahre alten PC ist das Ausmaß aber deutlich größer.
Das zeigt auch der folgenden Blick auf die Frametimes in Millisekunden sehr deutlich. Die Grafik stellt dar, wie lange die Berechnung jedes einzelnen Bildes gedauert hat. Je gleichmäßiger und niedriger die Linie verläuft, desto besser. Von einem runden Spielgefühl ist das Erlebnis klar erkennbar meilenweit entfernt:
Ungetrübter Spielspaß kommt so also nicht auf. Es kann aber bereits spürbar helfen, die Speichermenge von 8,0 auf 16,0 GByte RAM zu erhöhen. Die durchschnittlichen FPS steigen zwar kaum, dafür legen die minimalen FPS von 6,5 auf das Doppelte beziehungsweise auf 13 FPS zu.
Ruckelig geht es also mit doppelter RAM-Menge teils immer noch zu, aber in einem für unser Empfinden grade so noch erträglichen Rahmen. Abschließend haben wir außerdem getestet, ob es hilft, eine neuere GPU mit mehr Videospeicher zu verwenden - schließlich ist der VRAM-Bedarf von Hogwarts Legacy groß.
Der größte Flaschenhals ist nicht der Speicher
Für den letzten Test tauschen wir die GTX 970 mit 3,5 + 0,5 GByte VRAM gegen eine GTX 1660 Super mit 6,0 GByte VRAM aus. Die Benchmark-Werte zeigen sich davon allerdings völlig unbeeindruckt, obwohl die GPU nicht nur mehr VRAM besitzt, sondern auch klar schneller unterwegs ist als die GTX 970.
Das große Problem stellt damit letztlich der Prozessor dar. AMDs FX 6300 kommt einfach nicht hinterher damit, der Grafikkarte neue Aufgaben zu erteilen. Besonders deutlich wird das im Schloss von Hogwarts beim Durchlaufen großer Türen, die uns in neue Areale führen.
Während wir auf unseren bisherigen Test-PCs stets einfach hindurchgelaufen sind und sich die Türen direkt geöffnet haben, stehen wir mit unserem zehn Jahre alten PC oft erstmal Sekunden lang vor der Tür und entdecken ein Ladesymbol, das uns zuvor noch nie aufgefallen ist:
Da der Prozessor unser Hautproblem ist, ändern auch Upscaling-Verfahren wie FSR nichts an der mauen Performance. Insgesamt gilt deshalb: Auch wenn sich unser zehn Jahre alter PC durchaus Wacker geschlagen hat, müsste man wohl auf deutlich flottere Hardware von damals setzen, um ein wirklich rundes Spielgefühl zu haben.
Möglich sollte es unserer Einschätzung nach aber sein, schließlich lag der FX 6300 bereits damals deutlich hinter den schnellen und teureren Intel-Prozessoren aus der Core-i-4000-Reihe von damals und eine GTX 980 Ti hat identisch schnell angebundene 6,0 GByte VRAM zu bieten.
Ein kleines Gaming-Experiment der umgekehrten Art haben wir bereits mit Gothic 1 durchgeführt. Wie gut das Spiel in wahnwitziger 16K-Auflösung mit aktuellerer Hardware läuft, erfahrt ihr hier:
Rollenspiel-Meilenstein in 16K-Auflösung: Beeindruckend und doch nutzlos
Habt ihr Hogwarts Legacy bereits gespielt und wenn ja, welche Hardware kommt bei euch zum Einsatz? Ganz besonders freuen wir uns über Meldungen von denjenigen unter euch, die tatsächlich noch einen PC mit alles andere als aktueller Hardware im Einsatz haben - auch wenn wir stark bezweifeln, dass derart alte Komponenten wie die aus unserem Test hier wirklich heute noch jemand von euch nutzt.
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