Ich wollte herausfinden, ob ein Exoskelett wirklich die Grenzen des Körpers verschieben kann, oder ob es am Ende nur eine weitere technische Spielerei ist.
Also schnallte ich mir das futuristische Gestell um die Hüften, lud beide Akkus voll und machte mich auf eine 20 Kilometer lange Wanderung durch Hügel, Matsch und Kälte.
Was als Technik-Experiment begann, wurde Schritt für Schritt zu einer echten Prüfung – für die Maschine, aber noch viel mehr für mich.
Info zum Artikel: Hierbei handelt es sich um einen persönlichen Erfahrungsbericht und nicht um einen klassischen Test. Ich wollte das Hypershell X Ultra-Exoskelett unter den Bedingungen testen, für die es entwickelt wurde und bin dafür ans Limit gegangen. Ich möchte euch in diesem Artikel nicht nur meine Erfahrung mit dem Gerät teilen, sondern euch auf der Reise ein Stück mitnehmen.
Exoskelett? Wie bitte? Was ist das Hypershell X Ultra?
Hypershell beschreibt das Gerät selbst als das »bisher beste Outdoor-Exoskelett der Welt« – aber was soll das überhaupt sein?
Kurz erklärt: Der Hypershell X Ultra wird an Hüften und Beinen befestigt und unterstützt mit eingebauten Motoren beim Wandern, Laufen und Rennen. Dadurch wird die Anstrengung verringert und die Laufleistung erhöht. Das Gerät erinnert mich sehr an das Exoskelett aus Death Stranding. Beim Gehen und Laufen werden die Beine bei jedem Schritt nach oben gezogen. Die Stärke der Unterstützung ist individuell konfigurierbar.
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Hypershell X Ultra: Das ist das weltweit fortschrittlichste Outdoor-Exoskelett
Hier sind die wichtigsten Funktionen im Überblick:
- Das Modell aus diesem Artikel verfügt über eine Unterstützungsleistung von 1.000 Watt. Ich habe auch das günstigere Pro-Modell ausprobiert, das nur 800 Watt bietet.
- Das Gehäuse besteht aus Kohlefasern und einer Titanlegierung. Dadurch ist es zugleich leicht und robust. Im Gegensatz zum 400 Euro günstigeren »Carbon«-Modell, das auch aus Kohlefasern und Titan besteht, ist es beim Ultra-Modell in Luftfahrtqualität.
- Es wird eine maximale Geschwindigkeit von 25 km/h unterstützt. Ich kann bei Weitem nicht so schnell rennen, also habe ich das nicht auf die Probe stellen können.
- Der Akku bietet eine maximale Reichweite von 30 Kilometern, solange man den Eco-Modus verwendet. Im Lieferumfang sind zwei Akkus enthalten.
- Wie vieles heutzutage ist auch dieses Gadget KI-unterstützt. Es erkennt automatisch den Geländetyp und passt die Unterstützung an.
- Der Hypershell X Ultra ist IP54-zertifiziert und somit gegen Staub und Spritzwasser geschützt.
- Die Betriebstemperatur ist -20 bis 60 Grad Celsius. Somit sollte es euch sowohl durch die eisigen Gebirge Kanadas als auch durch das brennend heiße Death Valley helfen.
Der Hypershell X Ultra kommt in einem leichten Tragekoffer. Die Verarbeitung des Exoskeletts ist sehr hochwertig, trotz des geringen Gewichtes. (Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech)
Es gibt außerdem vier verschiedene Modi, in der ihr das Exoskelett verwenden könnt:
- Transparenz: Ohne Unterstützung oder Widerstand, quasi ein Stand-by-Modus.
- Eco: Geringe Unterstützung mit wenig Energieverbrauch, zum Beispiel für Spaziergänge oder leichte Steigungen.
- Hyper: Hohe Unterstützung mit hohem Energieverbrauch, zum Beispiel für schwere Wanderungen und Bergsteigen.
- Fitness: Widerstand statt Unterstützung, zum Trainieren von Muskulatur und Ausdauer.
Für meine 20-km-Wanderung habe ich größtenteils den Hyper-Modus verwendet. Das war meine Rettung. Mehr dazu weiter unten.
Tragekomfort: Durch das leichte Gewicht, die dicken Polster, die Gurten aus Nylon und die Konfigurierbarkeit ist der Tragekomfort äußerst hoch. Selbst nach meiner 20-km-Wanderung empfand ich das Gerät nicht als unbequem. Es ist nur beim Hinsetzen etwas im Weg, wenn man sich anlehnen möchte, weil der Akku am unteren Rücken im Weg ist.
Es gilt trotzdem, dass Tragekomfort individuell ist und meine Erfahrung sich von anderen unterscheiden kann und wird. Ich habe das Exoskelett auch von Familie und Freunden probieren lassen und niemand empfand es als unbequem – aber sie haben es auch nur kurz getestet.
Die Einrichtung und Bedienung ist kinderleicht
Bei so einem futuristischen Gerät hätte ich erwartet, dass die Bedienung und der Einrichtungsprozess kompliziert sind, aber ich lag weit daneben.
Ich musste das Gerät nur auf meinen Hüftumfang einstellen und es mit einem Gurt umspannen. Anschließend werden die Beingurte befestigt und auf die richtige Höhe eingestellt.
Anschließend habe ich die Hypershell-App heruntergeladen und das Gerät eingeschaltet. Dafür muss man den einzigen Knopf zweimal drücken und beim zweiten Mal gedrückt halten. Der Hypershell X Ultra wird sofort von meinem Handy gefunden (solange ihr der App die Berechtigung zum Finden von nahen Geräten erlaubt habt) und verbunden. Nach einem kurzen Firmware-Update konnte es ... losgehen. Wortwörtlich.
Die wichtigsten Einstellungen werden mit dem Knopf am Gerät gesteuert und erinnert mich etwas an die Bedienung von Kopfhörern:
- Einmal drücken: Schaltet in den Transparenz-Modus.
- Zweimal drücken: Erhöht die Unterstützung um 25 Prozent.
- Dreimal drücken: Verringert die Unterstützung um 25 Prozent.
- Einmal drücken und gedrückt halten: Schaltet zwischen Eco- und Hyper-Modus.
- Zweimal drücken und gedrückt halten: Ein- und Ausschalten.
Über die App lässt sich der Grad der Unterstützung feiner dosieren und der Fitness-Modus aktivieren. Außerdem hat man noch die Möglichkeit, den Geländetyp manuell zu wählen. Für meine Wanderung habe ich mich auf die Automatik verlassen.
Das Ändern der Einstellungen wird durch haptisches Feedback bestätigt, wodurch man nicht immer auf die LEDs herunterblicken muss.
Eigentlich waren nur 15 Kilometer geplant
Das Hypershell X Ultra ist das teuerste Modell der Reihe und soll für die schwersten Wanderungen und Expeditionen konzipiert worden sein. Also habe ich mir überlegt, wie ich das am besten auf die Probe stellen könnte.
Etwa 7,5 Kilometer von meinem Wohnort entfernt befindet sich der Ort Heubach. Mein Ziel war es eigentlich einfach nur dorthin zu laufen und dann wieder zurück, allerdings habe ich meine Pläne spontan geändert und bin weitergelaufen.
Am Tag davor habe ich beide Akkus vollständig aufgeladen, meinen Rucksack gepackt und warme Klamotten ausgesucht.
Teil 1: Der entspannte Weg nach Heubach
Im folgenden zweiteiligen Abschnitt erzähle ich euch chronologisch von meiner Wanderung, mit allen Erfahrungen, die ich währenddessen gemacht habe. Solltet ihr nur an meinem Fazit zum Hypershell X Ultra interessiert sein, könnt ihr direkt zur letzten Seite von diesem Artikel springen.
Ich habe ausgeschlafen und habe meine Wohnung um 13 Uhr verlassen. Es war ein bewölkter Tag und die Temperatur lag etwa bei 6 Grad Celsius. Insgesamt ein ganz angenehmes Wetter. Ich habe mir bequeme Sportschuhe angezogen, weil ich keine richtigen Wanderstiefel besitze und mir dieses Paar am bequemsten ist.
Für den Anfang habe ich den Hypershell X Ultra in den Eco-Modus versetzt, weil nach Heubach nur wenige Steigungen überwunden werden müssen – und ich noch fit war.
Meine Geschwindigkeit betrug etwa 4 km/h. Ich bin also ganz gemütlich gelaufen und habe gemerkt, dass der Eco-Modus hierfür gut geeignet ist. Er reicht für flache, betonierte und gepflasterte Wege vollkommen aus.
Nach dem Erreichen des Wanderweges nach Heubach habe ich den Hyper-Modus das erste Mal eingeschaltet. Dafür habe ich den Knopf an meiner Hüfte zwei Sekunden gedrückt gehalten, bis die LEDs von Grün (Eco-Modus) zu Rot wechselten (Hyper-Modus).
Der Unterschied hat sich sofort bemerkbar gemacht. Im Hyper-Modus werden leichte Steigungen zum Kinderspiel, weil die Beine deutlich stärker unterstützt werden. Auf der höchsten Stufe muss man sich sogar etwas kontrollieren, damit man beim Laufen nicht aussieht, als würde man an einer Militärparade teilnehmen.
Auf dem Weg habe ich Turmfalken, Mäusebussarde und Graureiher beobachten können. (Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech)
Um etwa 15 Uhr habe ich meinen ersten geplanten Zwischenhalt erreicht: eine kleine Bank am Straßenrand. Bis hierhin hat mir das Exoskelett ausgesprochen gut gefallen. Nur beim Hinsetzen auf die Bank ist mir aufgefallen, dass ich mich nicht ganz aufrecht anlehnen kann, da der Akku auf der Rückseite im Weg war.
Spätestens zu diesem Zeitpunkt haben meine Füße angefangen zu schmerzen, obwohl ich das Exoskelett dauerhaft verwendet habe. Meine Schuhe waren doch nicht so bequem, wie ich dachte.
Um 16:50 Uhr bin ich in Heubach angekommen. Jetzt müsste ich nach einer kurzen Pause nur noch zurücklaufen … oder nicht? (Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech)
Bis jetzt war die Wanderung sprichwörtlich der reinste Spaziergang. Meine Füße taten nach fast acht Kilometern zwar etwas weh, aber so richtig erschöpft war ich noch lange nicht.
Der Tag war noch jung und als ich ein Straßenschild erblickte, dass Aalen noch etwa 16 Kilometer entfernt ist, dort wohnt meine Mutter, habe ich mich spontan für einen Besuch entschieden – und für ein Abenteuer, auf das ich nicht vorbereitet war.
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