Im Test haben Sonys WF-1000XM6 abgesahnt: volle Punktzahl und Auszeichnung.
Begeistert haben mich unter anderem der astreine Klang für Bluetooth-In-Ears, das starke ANC und die hervorragende App. Nachholbedarf besteht beim Transparenzmodus und der Mikrofonqualität.
Die für mich persönlich wichtigste Eigenschaft: Etwas Unscheinbares, das mir beim Auspacken ein tonloses »Yes!« entlockt hat: Aufsätze aus Memory Foam. Aber wieso freue ich mich so sehr darüber?
Kleine Tips, große Wirkung
Wow, menschliche Ohren, oder? So viele unterschiedliche Größen und Formen – und das gilt auch für die Gehörgänge. Deshalb bin ich immer froh, wenn Hersteller viele unterschiedliche Aufsätze in die Packung stecken, von XS bis XXL. Man muss ja alles abdecken …
… oder man schenkt den Leuten einfach Schaumstoff.
Das macht Memory Foam: Der Schaumstoff lässt sich zusammenknautschen. Er dehnt sich dann langsam wieder aus und nimmt seine ursprüngliche Form an. Gerade bei In-Ears schlägt sich das in fünf Vorteilen nieder.
1. Stabilerer Sitz
Eben sagte ich, dass im besten Fall immer viele Tips bei In-Ears in der Packung sind, um alle Ohrkanalgrößen abzudecken. Mit Memory Foam ist das wesentlich leichter.
Dadurch, dass sich der Schaumstoff ausdehnt, sitzt er sehr viel stabiler im Ohr. Das Material drückt sich gegen die Innenwände des Ohrkanals – inklusive aller Unebenheiten.
Was mich bei Silikonaufsätzen nervt: Sie sind glatt. Und man muss die am besten passende Größe finden, was gerne in einem Kompromiss endet. Nicht selten ploppen sie auch beim Herausnehmen und stülpen sich nach außen.
2. Höherer Tragekomfort
Ich empfinde es als angenehmer, Memory-Foam-Tips im Ohr zu haben. Wie bereits erwähnt, passt sich der Schaumstoff dem Gehörgang an, und das hat einen weiteren Vorteil.
Druck verteilt sich gleichmäßiger. Ich muss nicht wiederholt an den Earbud fassen und ihn nachjustieren, weil heiße oder juckende Stellen entstehen. Das passiert vor allem bei längerem Tragen.
3. Stärkere passive Geräuschunterdrückung
Auch hier kommt der Fakt zum Einsatz, dass der Gehörgang dichter isoliert wird. Ein Punkt, der mich an den XM6 begeistert hat, ist die hohe passive Lärmunterdrückung – und die ist viel wert, wenn man aktives Noise Cancelling nicht nutzen will, etwa im Straßenverkehr.
ANC lebt davon, dass Mikrofone einen Antischall erzeugen, der die Umgebungsgeräusche bestmöglich neutralisiert. Manchmal ist das aber auch too much und gerade weil der Transparenzmodus der XM6 zu Wünschen übrig lässt, fängt das die passive Lärmunterdrückung ab.
4. Man kann leiser hören
Mit der Abdichtung einher geht, dass weniger Lärm in die Ohren gelangt – und umgekehrt drängt auch weniger Schall nach außen.
Das resultiert darin, dass ich Musik auf leiserer Lautstärke hören kann. Und wir alle wissen: zu laute Musik schadet den Ohren. Sie zerstört die mikroskopischen Haarzellen im Innenohr, die Schall in Nervenimpulse umwandeln. Im Schlimmstfall bedeutet das:
- Dauerhafte Hörschädigung
- Tinnitus
5. Höhere Klangqualität
Ja, wirklich! Auch das hat mit der Abdichtung zu tun. Dadurch gelangen nämlich deutlich weniger tiefe Frequenzen nach außen. Ergo: Der Bass tönt einfach ein bisschen besser.
Da reicht es sogar aus, wenn die Aufsätze nur eine Schaumstoffspitze besitzen, wie bei Apples AirPods Pro 3. Dadurch kommen schon viele der genannten Vorteile zum Tragen.
6:12
AirPods Pro 3 Unboxing: Apples brandneue In-Ears frisch ausgepackt im Ersteindruck
Die Nachteile von Schaumstoff-Tips
Auch wenn ich Memory-Foam-Aufsätze feiere und bevorzuge, kommen sie mit ihren eigenen Problemchen. Die wiegen mal mehr, mal weniger schwer.
- Manche Menschen stört der dichte Hörgang. Das ist sicher subjektiv, aber ich kenne Leute, die nicht mögen, dass ihre Ohren quasi »zu« sind. Einer Freundin etwa wird davon sogar schwindelig (wobei das eher die Ausnahme ist).
- Geringere Haltbarkeit. Der Schaumstoff verliert mit der Zeit seine Form und ist im Vergleich zu Silikon schnell, wie ich es nenne, »angerödelt«. Außer Form. Der größte Hersteller von Memory Foam, Comply, empfiehlt, die Tips alle zwei bis drei Monate auszutauschen. Meiner Erfahrung nach halten sie aber mehrere Monate länger.
- Höhere Pflegeaufwand. Wenn an Silikon-Tips oder in den Öffnungen zu den Treibern Dreck sitzt, bekommt man den relativ leicht restlos weg. Im Falle von Schaumstoff nimmt die poröse Struktur Schweiß und Ohrenschmalz leichter auf. Das Ergebnis: Intensivere Pflege ist nötig.
- Teurer. Dadurch, dass man die Tips öfter austauschen sollte, kosten sie auf längere Sicht mehr als die gewöhnlichen Silikonaufsätze.
Wie bereits erwähnt, ist Apple mit den AirPods Pro 3 einen Mittelweg gegangen. Dort steckt rund um die Öffnung unter dem Silikon Schaumstoff; das zahlt sich aus, wie auch mein Test zu den In-Ears anmerkt.
Ich persönlich mag Memory-Foam-Aufsätze extrem gern aus den im Artikel genannten Gründen. Wenn also jedem Paar Earbuds auch ein Paar Schaumstoff-Tips beiliegen würden, hätte ich da rein gar nichts dagegen.
Generell bevorzuge ich In-Ears, vor allem draußen. Lieber habe ich den Ohrkanal voll, als dass ich unter schweren Ohrmuscheln schwitze – aber auch das ist natürlich ein subjektives Anliegen.
Welche Aufsätze mögt ihr denn? Seid ihr Team Schaumstoff oder Team Silikon? Schreibt es gerne in die Kommentare!
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