Der Windows 95 Neustart bedeutete erst einmal eines: Warten, warten, warten. Was vielleicht nicht alle wissen: Genau diesen mühseligen Prozess konnte man bei dem mittlerweile über 30 Jahre alten Betriebssystem unter Zuhilfenahme der Umschalt-Taste deutlich beschleunigen.
Ein Veteran der Windows-Entwicklung hat nun auf seinem Blog erklärt, was hinter dem Tastendruck für den Soft-Reboot steckte – und warum der mit Windows 95 auch gleich wieder in die Geschichte eingegangen ist.
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Neustart+Shift
: Das Geheimnis des Soft-Reboots
Der Entwickler Raymond Chen ist bereits seit über 30 Jahren für Microsoft tätig. Damit hat er die goldene Ära des PC-Booms, in der Windows zum Standard auf jedem Schreibtisch wurde, nicht nur miterlebt, sondern an vorderster Front mitgestaltet.
Auf seinem Blog The Old New Thing auf dem Microsoft DevBlog-Portal gewährt er regelmäßig Einblicke in die Pionierzeit der Windows-Entwicklung.
Hier hat er sich dieser Tage ausführlicher einer Frage aus seinem Leserkreis gewidmet: Was passierte eigentlich, wenn man bei Windows 95 den Neustart auswählte, die Umschalt-Taste und dann Ok
drückte?
Denn für den Nutzer passierte dann etwas fast Magisches: Statt eines kompletten Neustarts (eines sog. Cold Boots
), bei dem die Hardware neu initialisiert wird und der BIOS-Selbsttest Minuten dauert, vollzog das System einen rasanten Soft-Reboot
. Der Bildschirm wurde kurz schwarz, die Meldung Windows wird neu gestartet blitzte auf
– und schon war man zurück auf dem Desktop.
Entwickler gewährt einen Blick unter die Haube von Windows 95
Auf seinem Blog erklärt Chen, was die Magie des Soft-Reboots ausmachte. Und die war am Ende weniger magisch, als vielmehr das Ergebnis der chaotischen Architektur von Windows 95:
- Der stufenweise Rückzug: Zuerst fuhr der 16-Bit-Windows-Kernel herunter, gefolgt vom virtuellen 32-Bit-Speichermanager. Erst danach wurde die CPU zurück in den sogenannten
Real Mode
versetzt. - Das Signal an win.com: An diesem Punkt kehrte die Kontrolle zur Startdatei
win.com
zurück. Die erhielt ein Signal, das laut Chen so viel bedeutete wie: Kannst du den geschützten Modus (Englisch:protected mode
) noch einmal für mich starten? - Mühsame
Büroarbeit
: Ohne Hardware-Neustart musste nun win.com dieBüroarbeit
, wie Chen sie nennt, ausführen: Jede Einstellung musste einzeln auf Null gesetzt werden – laut dem Entwickler eine extrem fehleranfällige Sisyphusarbeit. - Die Speicher-Falle: Damit Windows wieder laden konnte, benötigte es einen
einzigen, riesigen und zusammenhängenden
Block im Arbeitsspeicher. Chen erklärt: Hatte irgendein Programm während der Sitzung Speicher in genau diesem Bereich belegt, war das Speicherlayoutfragmentiert.
In diesem Fall gab die win.com-Datei auf und erzwang doch den herkömmlichen, langsamen Neustart.
Der Soft-Reboot: Ein Relikt aus alten Zeiten
Heute ist der Trick Geschichte, denn – wie Chens Blog zeigt – war die Konstruktion fragil. Er beschreibt etwa, dass schon ein zweiter schneller Neustart zum Absturz führen konnte, weil die Hardware-Treiber den Soft Reboot – wie Chen vermutet – nicht immer verkrafteten.
Dass Windows 95 an allen Ecken und Enden aus dieser chaotischen Architektur bestand, zeigt auch ein Blick auf die Installation des Systems: Schon der Setup-Prozess war ein technisches Monster aus drei verschiedenen Programmen, um die Kluft zwischen der alten DOS-Welt und der neuen Windows-Ära zu überbrücken.
Der Soft-Reboot bleibt ein faszinierendes Zeugnis einer Ära, in der Windows mit einer ganzen Menge Improvisation zusammengehalten wurde – ein instabiles, aber einfallsreiches Stück Technikgeschichte.
Was meint ihr dazu? Kanntet ihr die Möglichkeit zum Soft Reboot bei Windows 95 überhaupt? Und habt ihr noch weitere kuriose Windows-95-Anekdoten? Dann schreibt uns eure Erfahrungen in die Kommentare!

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