Heute startet offiziell die Computex 2024 in Taipeh (Taiwan); zahlreiche Unternehmen werden vom 4. bis zum 7. Juni mit einem Ausblick auf neue Produkte und Technologien vorstellig.
Sowohl Nvidia mit neuen KI-Lösungen als auch AMD mit den ersten Ryzen-9000-Prozessoren haben bereits eine Keynote abgehalten:
Als letzter Hersteller aus dem großen Tech-Trio hat nun auch Intel im Rahmen der »Technology Tour« eine großangelegte Präsentation abgehalten, die den Fokus auf die kommende Lunar-Lake-Architektur legen.
- Dabei ging es nicht nur um die reinen Verbesserungen, die mit den neuen Mobilprozessoren von der vorigen Meteor-Lake-Generation ausgehend erbracht werden.
- Auch zur neuen Xe²-Architektur – und damit auch zu den kommenden Battlemage-GPUs – gab es einen detaillierten Vortrag.
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Lunar Lake: Intels Antwort auf AMD, Apple und Qualcomm
AMD mit der Ryzen-8000-Serie, Apple mit den verschiedenen M3-Varianten, Qualcomm mit dem Snapdragon Elite X – Intels Konkurrenz im Mobilsegment ist in den vergangenen Jahren um ein Vielfaches angewachsen.
Entsprechend sieht auch Intel eine signifikante Weiterentwicklung der eigenen Prozessoren notwendig und bedient sich dabei teilweise Lektionen, die die Kontrahenten dem jahrelang unangefochtenen Chip-Krösus erteilt haben.
»Memory on Package«: Intel lernt von Apple
Eine dieser Lehren findet sich im LPDDR5-Arbeitsspeicher wieder, der analog zu Apples Ansatz seit dem M1 nicht mehr auf der Hauptplatine zu finden ist, sondern nun erstmals bei Intel direkt im CPU-Gehäuse integriert ist.
- Der Nachteil: Als fest integrierter Bestandteil des Prozessors lässt sich der RAM bei Lunar Lake nicht mehr austauschen. Andererseits verlöteten den Arbeitsspeicher bisher viele Notebookhersteller, was den Austausch für den durchschnittlichen Kunden ohnehin schwierig gestaltete.
- Der Vorteil (zumindest laut Intel): Platzeinsparungen auf der Platine selbst sowie ein deutlich geringerer Energieverbrauch.
Neue Performance- und Effizienz-Kerne: Hyperthreading fällt weg
Mit einer neuen CPU-Generation kommen bei Intel auch neue Varianten der Performance- und Effizienz-Kerne zum Einsatz.
- Hier geht Intel einen mutigen Schritt: Das seit 15 Jahren in Anwendung befindliche Hyperthreading (HTT) wird in Lunar Lake entfernt.
- Auch hier wird die Entscheidung mit einer größeren Energieeffizienz begründet; schließlich müssen für HTT die P-Cores immer aktiv sein - schlecht für diese Metrik, wie Intel befindet.
Um den theoretischen Leistungsverlust auszugleichen, den Lunar Lake durch den Wegfall von HTT akzeptiert, werden bei den »Lion Cove« genannten P-Kernen die IPC (Instruktionen pro Taktzyklus) nach oben geschraubt.
- Gegenüber dem direkten Vorgänger soll hier ein Plus von 14 Prozent zu Buche stehen.
- Grundlegend will Intel mit Lion Cove dieselbe Single-Thread-Leistung bei halber Energieaufnahme erbringen.
Spannend wird es mit den neuen E-Cores für Lunar Lake, die »Skymont« genannt werden.
- Hier verspricht Intel eine gegenüber dem Vorgänger um bis zu 68 Prozent gesteigerte IPC-Leistung. Die Energieaufnahme soll bestenfalls um ein Drittel abgesenkt werden.
Natürlich gab es auch Künstliche Intelligenz zu bestaunen
Ihr dachtet nicht wirklich, heutzutage würde ein Tech-Unternehmen eine Keynote abhalten, ohne dass das Wort »KI« ein paar Mal fällt?
- Erwartungsgemäß setzt auch Lunar Lake auf eine NPU (Neural Processing Unit), die auf KI-Anwendungen spezialisiert ist. Die Leistung gegenüber Meteor Lake soll von 12 auf 48 TOPS ansteigen.
- Zu den oben genannten P- und E-Kernen gesellt sich ein überarbeiteter »Thread Director« hinzu, der auf KI-Basis für eine optimale Verteilung der Auslastung sorgen soll.
- Erst ab einer bestimmten Auslastungsgrenze sollen überhaupt die P-Kerne genutzt werden. Auch hier wird wieder deutlich, wie sehr Intel daran gelegen ist, eine möglichst stromsparende Lösung zu finden.
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Der Grundbaustein für Arrow Lake ist gelegt
Ein konkreter Releasetermin für Lunar Lake und entsprechende Endgeräte wurde allerdings nicht genannt. Intel erklärt hier lediglich das dritte Quartal 2024 als Zeitraum; denkbar ist also eine Erstveröffentlichung solcher Modelle zur IFA 2024 (6. bis 10. September).
- Eine zeitnahe Fertigstellung der ersten Produktion ist dabei auch für den Desktop-Markt eminent wichtig. Schließlich soll auch die für dieses Jahr geplante Arrow-Lake-Generation auf einige Bausteine von Lunar Lake – spezifisch: Lion Cove und Skymont – zurückgreifen.
- Auch Wi-Fi 7 und Bluetooth 5.3 sind in beiden Fällen ebenso mit an Bord wie jeweils vier PCIe-4.0- und PCIe-5.0-Lanes; damit können PCIe 5.0 SSDs ihre Geschwindigkeit maximal ausreizen.
Intel Xe²: Neue GPU-Architektur verspricht 50 Prozent mehr Leistung
Im Zuge der Lunar-Lake-Präsentation ging es erwartungsgemäß auch um die nächste Generation der GPU-Architektur: Xe² wird dabei sowohl in der integrierten Grafikeinheit als auch den dedizierten Battlemage-GPUs zum Einsatz kommen.
- Grundsätzlich sieht Intel Xe² als direkte Weiterentwicklung der Vorgängergeneration an. Wie bei der CPU selbst steht hierbei eine größere Energieeffizienz im Fokus.
- Praxisnahe Benchmarks werden allerdings nicht genannt. Lediglich ein »Plus von 50 Prozent gegenüber Meteor Lake« wird als Indiz für die Leistungssteigerung aufgeführt.
- Immerhin wurde erklärt, dass etwa in Spielen auf Basis der Unreal Engine 5 eine bessere Performance zu erwarten ist.
Raytracingleistung (theoretisch) um 33 Prozent erhöht
Ein Steckenpferd während der Intel-Keynote zur Xe²-Architektur war die Performance in Raytracing-Szenarien.
In der Theorie wird die Raytracing-Leistung der Xe-Architektur um 33 Prozent pro RT-Einheit – von denen es vier Stück pro Render-Slice gibt – erhöht.
- Wir betonen hier bewusst »in der Theorie«, da auch hierzu keine Spiele-Benchmarks gezeigt wurden.
- Die errechnete Mehrleistung zieht sich wiederum aus drei statt zwei Traversal-Pipelines in Xe², die unter anderem für die Verarbeitung von 3D-Modellen zuständig sind.
- Daraus folgen wiederum 18 statt 12 möglichen Box-Intersections-Tests (etwa zur Kollisionserkennung bei Lichtstrahlen) sowie zwei statt einem Triangle-Intersection-Test (zur Feststellung, welche Objekte von der Kameraperspektive aus sichtbar sind).
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Ein erster Battlemage-Schnappschuss?
Die Vorzüge der Xe²-Architektur sollen auch in Battlemage zum Einsatz kommen - wann auch immer die GPUs enthüllt werden. Ein erster, wenn auch schlecht erkennbarer Schnappschuss eines Battlemage-Dies kursiert immerhin bereits auf X/Twitter:
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XeSS ohne Frame Generation
Übrigens: Wie die Kollegen von ComputerBase berichten, ging es abseits der Lunar-Lake-Präsentation auch kurz um das Thema Frame Generation in Spielen.
- Eine Lösung analog zu Fluid Motion Frames oder Frame Generation wird es zumindest in naher Zukunft nicht von Intel geben.
- Intel zufolge sehe man »interessante Möglichkeiten, die Framerate zeitweise zu erhöhen« – doch die Lösungen von AMD und Nvidia gehören scheinbar nicht dazu.
- Welche Alternativen man im Unternehmen sieht, wurde nicht konkretisiert. Möglicherweise handelt es sich hierbei um eine Anspielung auf »ExtraSS«, das im Gegensatz zur Konkurrenz auf Extrapolation statt Interpolation setzt:
Von Wi-Fi 7 bis DisplayPort 2.1 sind (fast) alle wichtigen Standards dabei
Der Übersicht halber kombinieren wir hier die jeweils unterstützten Verbindungen, die Intel für Lunar Lake und Xe² vorgesehen hat.
- Erwartungsgemäß ist Wi-Fi 7 an Bord; der Netzwerkstandard muss sich aber auch bei den Endgeräten erst noch durchsetzen. Ebenso wird Bluetooth 5.4 genannt, das im Sinne der bisherigen Zielsetzung ebenfalls auf Stromeffizienz setzt. Bis zu drei Mal Thunderbolt 4 rundet das Paket ab.
- Die GPU-Architektur unterstützt indes Displayport 2.1, was in der Theorie auch einen Support von 4K-Auflösung bei 240 Hertz nach sich zieht. Auch HDMI 2.1 ist mit dabei.
Meinung aus der Redaktion
Jusuf Hatic: Es ist geschafft, die drei großen Hersteller rund um AMD, Intel und Nvidia haben ihre Computex-Keynote aufgeführt. Und von den drei Unternehmen war in meinen Augen tatsächlich Intel die spannendste. Was im Vergleich zu den beiden Konkurrenten auch nicht sonderlich schwer war.
Nvidia fährt weiter unbeirrt den KI-Hypetrain fort – RTX 5000? Fehlanzeige. AMD hatte wenigstens neue Prozessoren im Gepäck, doch die Ryzen 9000 CPUs sind eher als punktuelle Verbesserungen ihres Vorgängers zu verstehen.
Das ist jetzt natürlich nichts Schlechtes bei der hervorragenden Zen-4-Architektur, doch der Höhepunkt kommt hier für mich ohnehin erst zur CES 2025, wenn die X3D-Varianten bevorstehen.
Intel hingegen steht aufgrund der vor eingangs erwähnten Konkurrenzlage in der Pflicht und nährt zumindest die Hoffnung, dass es im Hinblick auf kommende Produkte mit sinnvollen Fortschritten vorangeht - sowohl im Mobil- als auch später im Desktop-Segment; sowohl bei den CPUs als auch bei den GPUs. Mehr Wettbewerb in einem Markt hat uns als Endnutzern noch nie geschadet.



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